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Schwierige Situation in Sicht: Wasserstand im Edersee sinkt schnell

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Von: Matthias Schuldt

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Hopfenberge im Edersee kommen aus dem Wasser mit Schloss Waldeck im Hintergrund
Seit Wochenbeginn schälen sich die Hopfenberge im Edersee wieder aus dem Wasser: untrügliches Zeichen für einen rasch sinkenden Wasserstand. © Matthias Schuldt

Zum Beginn der Sommersaison sinkt der Wasserstand im Edersee. Grund ist die heikle Situation für die Binnenschifffahrt auf der Weser.

Edersee – Am Montag (27. Juni) beginnen offiziell die Sommerferien im Nachbarland Nordrhein-Westfalen, Hessen folgt Ende Juli. „Eigentlich wäre das gut für unsere Region, weil sich dadurch die Hauptsaison über zehn Wochen erstreckt“, sagt Claus Günther, Geschäftsführer des Edersee-Marketings.

Doch nach dem feuchten Jahr 2021 holt das alte Thema Wassermangel im aktuellen Jahr den Edersee wieder ein. Seit Wochen bleibt Regen aus, der ergiebig genug wäre, den Pegel im Edersee anzuheben und den Durst der Weser ohne Zugabe aus dem Edersee zu stillen. Gewitterfronten bringen allenfalls für einen Tag etwas Entlastung. Nach den Regenfällen war der Edersee im April zunächst randvoll.

Ohne diesen kräftigen Wermutstropfen sähe es richtig gut aus, sagt Claus Günther: „Wir haben viele Vorbuchungen.“ Online sei das Buchungsgeschäft beim Edersee-Markting so gut gelaufen wie nie zuvor.

Zur Hauptsaison am Edersee buchen traditionell viele Gäste kurzentschlossen

Gleichwohl gilt am Edersee die Regel: Zur Hauptsaison reisen traditionell viele Kurzentschlossene an, die erst ein oder zwei Wochen vor Reiseantritt ihre Übernachtungs festmachen. Wetter am und Wasserstand im Edersee spielen bei der Entscheidung eine wichtige Rolle.

Der Wasserstand im Edersee sinkt rasch, weil die Weser seit Wochen gestützt werden muss. Obwohl die „Triggerlinie“ für sparsames Wirtschaften seit gut 14 Tagen erreicht ist und für Hann. Münden nur der 1,15-Meter-Zielpegel gilt statt der normalen 1,20 Meter, laufen weiter 20 Kubikmeter und mehr pro Sekunde ab. Ohne Wasser aus dem Edersee würde die Weser an ihrem Entstehungspunkt in Hann. Münden noch einen Wasserstand von um die 80 Zentimeter aufweisen und Schifffahrt wäre passé.

Triggerlinie zum sparsameren Bewirtschaften des Edersees in Trockenzeiten mit kaum spürbaren Effekt

An wohl keinem anderen Fluss in Deutschland ist die Situation für die Binnenschifffahrt aktuell offenbar derart heikel. Zumindest vermelden derzeit die einschlägigen Anlaufstellen und Fachpublikationen dazu nichts. Keine guten Nachrichten für den Tourismus am Edersee also.

„Klar, bei 1,20 Meter an der Weser würde noch mehr Wasser aus dem Edersee abfließen“, sagt Claus Günther, aber am grundsätzlichen Dilemma für den Edersee ändert auch das Prinzip der Triggerlinie in trockenen Zeiten wenig. Die verlängerte Hauptsaison in Folge der weit auseinander liegenden Ferienzeiten der für den See wichtigsten beiden Quell-Bundesländer könnte daher zum Bumerang für die Tourismusbranche an der Talsperre werden.

35 Millionen Kubikmeter Wasser weniger im Edersee als zur Sommersonnenwende 2021

Im Moment ist der Edersee zu etwa 76 Prozent gefüllt. Das entspricht 152 Millionen Kubikmetern und damit rund 20 Millionen Kubikmetern weniger als im Durchschnitt zu dieser Jahreszeit seit Bau der Sperrmauer. Zum Vergleich: 2021 befanden sich zur Sommersonnenwende 15 Millionen Kubikmeter mehr im Edersee als im langjährigen Mittel, bei einem Fassungsvermögen von etwa 202 Millionen Kubikmetern.

Ein schwacher Trost für das Tourismusgewerbe: 2020 sah es noch schlechter aus. Damals lag die Talsperre 36 Millionen Kubikmeter unter dem langjährigen Durchschnitt. Allerdings gab es damals mit Blick auf die Schulferien in NRW und Hessen keine so extrem verlängerte Hauptsaison an den Ufern der Edersee-Region. (Matthias Schuldt)

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