Kälberkirmes vom 8. bis 10. Juni 2018 unter besonderen Vorzeichen

Jubelnd und erleichtert feiert das Mehlener Kirmesteam sein 35-jähriges Bestehen

Tradition muss nicht zwingend lecker sein: Die Kirmeseltern des Vorjahres bekommen das beim „Ausgraben“ stets zu spüren.

Mehlen. Die „Mehlener Kälber“, die für 8. bis 10. Juni zur Kirmes einladen, nehmen ihr 35-jähriges Bestehen 2018 zum Anlass für einen ausführlichen Rückblick inklusive mehr als 40-seitiger Chronik. Dafür sichteten sie mehr als 5000 Bilder.

Die Kirmesburschen und -mädchen führen einen stichhaltigen Grund dafür an. Denn die Gründungsgeneration der „Kälber“ hat längst – um im Bild zu bleiben und mit allem Respekt – den Status von „Bullen“ und „Kühen“ erreicht, sprich, sie gründete Familien – und 2018 ist es soweit: In Patrick Simshäuser übernimmt erstmals ein Sohn vom Vater die Rolle des Kirmesvaters, wenn auch im Abstand von 32 Jahren. 1986 lauteten die Namen der Kirmeseltern Bernd Simshäuser und Petra Pfeil. Jahre später brachte Vater Bernd seinen damals acht Wochen alten Sohn im Kinderwagen mit zur Eröffnung der Festtage am Donnerstagabend. „Der Babysitter fehlte“, verrät er in der Chronik. Wer mit Patrick am Sonntag als Kirmesmutter in der Kutsche den Umzug anführt, das erfährt das Kirmesteam getreu der Tradition Donnerstagabend beim Ausgraben.

Krisenjahre der Kälberkirmes

In den Jubiläumsjubel mischt sich bei all dem eine große Portion Erleichterung, denn vor fünf Jahren standen die Mehlener Kirmes und der gesamte Verein vor dem Aus: wegen eines großen Defizits aus der Kirmes 2012 und fehlenden Nachwuchses – Tiefpunkt eines Negativtrends. Doch mit Hilfe nicht zuletzt „alter Kälber“ widerstand das Team den trüben Gedanken. Mit der zweiten Generation, die nun Verantwortung übernimmt, wollen die personell wieder erstarkten Kirmesburschen und -mädchen das Fest zu neuer Blüte führen. Viele sind dabei, die diese Tradition mit der Kälbermilch aufgesogen haben.

Die Anfänge des Mehlener Kirmesteams

1983 entstand sie aus einer Bier(stiefel)laune von rund 20 Jugendlichen heraus, die sich nach dem Ende der gemeinsamen Schulzeit nicht aus den Augen verlieren und der „Expansion des Nicht-Feierns“ im Dorf entgegen wirken wollten, wie es im offiziellen Protokoll dieses „Schöppchenclubs“ heißt, der Keimzelle des neuen Kirmesvereins.

Er knüpfte an eine in Mehlen vergessen geglaubte Tradition an, denn in früherer Zeit hatte es Kirmesveranstaltungen in der Ederauenhalle gegeben. Der Brauch war irgendwann eingeschlafen, anders als in den Nachbardörfern.

"Patenonkel" der Mehlener Kirmesburschen und -mädchen

Beim Neustart erhielten die Mehlener Kälber wichtige Hilfe von Erfahrenen, beispielsweise vom Gastwirt Wolfgang Schilf. Er hatte die Kontakte etwa zum Zeltverleiher und nahm das volle finanzielle Risiko für die erste Kirmes 1984 auf die eigene Kappe. Doch die Premiere glückte und begründete erfolgreiche Jahre. Auch weil die Mehlener Kälber effektiv warben, mit Spots in Radio oder Kinos der Region. Und weil sie über all die Zeit Glanzlichter setzten wie die „YouFM“-Partys.

Für die Chronik gefragt, was er sich für die Zukunft wünsche, überlegt Schilf, der sich damals wie ein Onkel des Teams empfand, nicht lange: „Dass es auf dem Festzug wieder mehr Umzugswagen gibt und dass die Kirmesburschen und -mädchen weiterhin auf der eigenen Kirmes keinen Alkohol trinken.“ Diese zeitweise Enthaltsamkeit zählt zu den besonderen Traditionen der Mehlener Kirmes.

DER Kirmesumzug der Region

Die prächtigen Umzüge mit Fußgruppen und teils mehr als 20 Wagen, die viele Zuschauer von außerhalb lockten, prägten über Jahre den Ruf des Festes in der Region: die Kirmes mit dem schönsten und größten Zug weit und breit zu sein. Dieser Nimbus wohl dazu bei, dass es den Mehlener Kirmesburschen und -mädchen stets gelang, auch Mitglieder aus Nachbardörfern zu gewinnen. Im Jubiläumsjahr versuchen sie mit dem Umzug am nächsten Sonntag, allmählich an diese Zeiten wieder Anschluss zu finden.

Von Anfang an und als einzige Gruppe ohne Unterbrechung beim Zug durchs Dorf wieder dabei: der „Körnchenclub“ der Fußballerfrauen.

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