Mittwochabend in der belebten Giflitzer Bahnhofstraße

Junge Radfahrerin stürzt am Edertaler Rathaus schwer -  die ersten Autos fahren einfach weiter

Giflitz. Eine junge Giflitzer Mutter erlebte am Mittwochabend den Albtraum jedes Radlers. Während der Fahrt löste sich plötzlich der Lenker, das Vorderrad stellte sich quer und sie stürzte schwer.

Der Unfall geschah kurz vor 20 Uhr auf dem Radweg gegenüber der Parkplatzeinfahrt zum Giflitzer Rathaus. „Meine Schuhe und die Brille fielen auf die Straße“, erinnert sie sich. Aus einer Wunde an der linken Schläfe trat sofort viel Blut aus.

Kleinerner Autofahrerin reagiert sofort

Ihr Mann, der mit dem kleinen Sohn ebenfalls per Fahrrad unterwegs war, befand sich auf Höhe des Seniorenzentrums und sah den Sturz. Mehrere Autofahrer auf der belebten Bahnhofstraße bemerkten die verunglückte Radlerin zwar, setzten aber ihren Weg fort. Nicht so eine Frau aus Kleinern, die mit ihrem Sohn im Auto auf der Bahnhofstraße Richtung Heimatort fuhr.

„Der Wagen vor mir bremste nur kurz und beschleunigte wieder. Ich hielt sofort auf dem Parkplatz der Gemeindeverwaltung an“, berichtet sie auf WLZ-Anfrage, noch immer verärgert über die Gleichgültigkeit mehrerer Verkehrsteilnehmer vor ihr.

Notruf im Funkloch zuerst nicht möglich

Sie lief über die Straße, sprach die Verunglückte an und half ihr auf. „Leider habe ich mit meinem Handy ausgerechnet an dieser Stelle keinen Empfang. Zum Glück hielt eine weitere Frau an, die ich bat, den Notruf abzusetzen“, sagt die Ersthelferin. Erst als sie mit der verletzten Radfahrerin und deren inzwischen eingetroffenem Mann abgeklärt hatte, dass die Familie bis zur Ankunft des Rettungswagens alleine klar komme, setzte sie, wie die zweite Zeugin, ihren Heimweg fort.

Kopfschütteln bei unbeteiligten Verkehrsteilnehmern

„Die Leute spenden oder backen Kuchen für karitative Zwecke, aber fahren in solchen Momenten weiter. Das verstehe ich nicht“, sagt sie, denn die Notlage der Radfahrerin sei eindeutig zu erkennen gewesen. Noch weniger Verständnis hegt sie für die Verkehrsteilnehmer, die an der Unfallstelle Kopf schüttelnd vorbei fuhren, weil der Wagen der zweiten Zeugin für kurze Zeit den Verkehrsfluss behinderte. Die gestürzte Giflitzerin hatte Glück im Unglück. Sie kam mit Prellungen davon, erlitt aber keine Brüche oder andere schwere Verletzungen. Sie bedankte sich mit ihrer Familie am Abend und einen Tag später noch einmal bei den beiden Helferinnen.

Das rät die Polizei in solchen Fällen

Keine Frage, wer in einem Fall wie dem in Giflitz Gleichgültigkeit an den Tag legt und weiterfährt, macht sich der unterlassenen Hilfeleistung schuldig, bestätigt ein Beamter der Wildunger Polizeistation auf Nachfrage. Dieser Straftatbestand zieht im Fall einer Verurteilung eine Geldstrafe oder gar Freiheitsentzug bis zu einem Jahr nach sich. Nach Einschätzung der Polizei stellt so ein Verhalten im ländlichen Raum eher die Ausnahme dar. Meist sei rasch Hilfe zur Stelle. Die Beamten raten zum Eingreifen, so lange nicht klar zu erkennen sei, dass bereits ausreichend Hilfe erfolge. (su)

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