Klaus Betz stellt Hilfsprojekt vor:

Kinderchor "Ethiopia Arise" begeistert in Böhne

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Die Kinder begeisterten mit ihrem Auftritt

Böhne– Während seiner Deutschlandtournee besuchte der „Ethiopia Arise Kinderchor“ nach Stationen wie Stuttart, Nürnberg oder Frankfurt nun auch Böhne.

Man kann es nicht anders sagen: Wer er an diesem Abend dabei war, spürte, wie der Funke von den Kindern auf die Zuhörer übersprang. Das Publikum stand auf, sang und klatschte mit, bewegte sich zu Liedern, die berührten.

„Yeah“, drückte Klaus Betz zu Beginn des Abends die Freude aus, mit den Kindern seinen Heimatort zu besuchen: „Besonders spannend fanden sie es, meine Mutter kennenzulernen“, sagte Betz.

Klaus Betz erzählte den Gästen im Dorfgemeinschaftshaus, wie er 1992 zum ersten Mal nach Addis Abeba, in die Hauptstadt von Äthiopien, kam. „Damals standen noch Panzer an den Straßen.“ 1993 heiratete er seine äthiopische Frau Ruth Kemere.

Sie hatte die Reise mit den Kindern eigentlich schon für 2018 geplant. Doch Ruth Kemere wurde schwer krank und verstarb im November letzten Jahres. „Ich habe viel von ihr gelernt“, sagte Klaus Betz vor den vielen Zuhörern. Sie habe stets zielorientiert gelebt. Sein Erbe sei es, die gemeinsame Arbeit fortzuführen. „Die Reise mit den Kindern ist auch Therapie für mich“, erklärte Betz.

Gemeinsam mit ihrem Chorleiter Mussie Fisseha, der sie auf der Gitarre begleitete, sangen die Kinder unter anderem das Lied „Danke“ auf Amharisch (äthiopisch), Englisch, Deutsch und Suaheli und tanzten dazu. Sie begeisterten so sehr, dass das Publikum eine Zugabe forderte. „Dankeschön“ rief am Ende einer der Jungen für den anhaltenden Applaus. Bei einem kleinen Snack ergaben sich im Anschluss nette Gespräche. An einem Tisch kauften die Gäste CDs des Chores, Armbänder, Ketten und „einen der besten Hochlandkaffees“, wie es Klaus Betz ausdrückte. Damit hatten die Kinder auch die Gäste vor dem Gemeinschaftshaus empfangen: mit frisch geröstetem und aufgebrühtem Kaffee.

Zum Abschluss dankte Klaus Betz dem Team vom Weltladen in Bad Wildungen, das einen Teil der Flugkosten für die Kinder übernahm. Er sprach auch Patenschaften an, die personengebunden übernommen werden können: „So können arme Kinder einen Platz im Kinderhaus finden.“

Die Kinder übernachteten mit ihren Betreuern im Elternhaus von Gabriela Peter-Berthold in Bergheim. Nächste Station ist der Bremer Kindertag am Sonntag dieser Woche, an dem die Kinder vor rund 60 000 Zuhörern singen werden. 

Der Beginn des Engagements, dem sich das Ehepaar Betz verschrieben hat, liegt 20 Jahre zurück. Ab 1998 unterstützten Ruth und Klaus Betz eine Witwe mit fünf kleinen Kindern für mehr als zehn Jahre. 2007 zog das Ehepaar nach Addis Abeba und eröffnete ein Jahr später das Kinderhaus. „Es ist kein Waisenhaus“, stellt Klaus Betz klar. „Wir unterstützen alleinerziehende Mütter, deren Männer entweder verstorben sind oder sich vor der Erziehungsverantwortung drücken.“ Oft bleibe den Müttern, da es in Äthiopien keine Sozialhilfe gibt, nur die Möglichkeit zu Betteln oder sich mit einem Kleinsthandel über Wasser zu halten. Von Ethiopia Arise e. V. bekommen sie Schulungen zu Gesundheit und Familienplanung oder Tipps zum Sparen. Da die Kinder betreut werden, können die Mütter arbeiten gehen und werden auf dem Weg zur Selbstständigkeit mit Starthilfekapital unterstützt. „Dies kann auch eine Nähmaschine sein“, erklärte Betz. Die Kinder zwischen drei und fünf Jahren werden im Kindergarten ganzheitlich gefördert. Samstags erhalten Schulkinder Computer-, Mathe-, Englisch-, Musik- und Sportunterricht. „Wir stellen Laptops zur Verfügung, die für Familien unerschwinglich sind“, sagte Klaus Betz. Darüber hinaus werden die Jugendlichen auf eine Ausbildung oder weiterführende Bildung vorbereitet. „Darum sind wir offen für Handwerker, die zu uns kommen wollen und die Schüler unterrichten.“ Ein weiteres Projekt wurde auf dem Land in Melga Kocho rund 300 Kilometer südlich von Addis Abeba realisiert: ein Kindergarten und eine Schule, die mittlerweile von der Regierung übernommen wurden mit der Zusicherung, die Schule bis zur achten Klasse zu erweitern und Trinkwasser zur Verfügung zu stellen.

Kontakt: Ethiopia Arise e. V., Klaus Betz, Pfarrer-Theile-Str. 48, 13591 Berlin Telefon: 030 – 92 36 63 63 www.ethiopia-arise.org

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