Facebook-Gruppe mit mehr als 350 Mitgliedern:

Nicht länger als 1,60 Meter: "Kurze Bikerinnen" treffen sich am Edersee

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Jede dieser Maschinen ein wertvolles Unikat, wie ihre jeweilige Fahrerin: Die Vollblut-Bikerinnen haben ihre Motorräder für ihre Bedürfnisse in Fachwerkstätten umbauen lassen.

Edersee – Zu denen, die genussvoll Motorrad fahren, zählen sich Inge, Vroni, Heike und weitere Mitglieder einer Facebook-Gruppe mit dem außergewöhnlichen Namen „Kurze Bikerin“.

Zum ersten Mal trafen sie sich am Wochenende nicht online, sondern in der einzig wahren Welt und das am Edersee. „Wir wollen mit unseren kurzen Mitteln das Image der Motorradfahrer aufpolieren“, unterstreicht Inge aus Hamburg. Die 67-Jährige hat die Gruppe gegründet und präzisiert: „Wir sind keine lautstärkeorientierten Krawalltütenfahrer und Ederseerandstraßenjäger, sondern normale Motorradfahrerinnen. Mit einer Besonderheit, auf die sie Wert legen. Keine der Vollblutbikerinnen liegt mit ihrer Körpergröße über der Grenze von 1,60 Meter.

Auf der Suche nach gemeinsamen Erfahrungen, Tipps und Gleichgesinnten fanden sie sich im Internet.

„Wir haben die gleichen Probleme“ erklärt Inge im Namen der mittlerweile 380 Mitglieder – Tendenz steigend.

Fragen zu geeigneten Motorrädern, Hilfsmitteln, Umbauten oder Adressen erhalten auf diesem Forum Antworten. „Ich bin kein Einzelfall“, erklärt die 1,52 Meter große Bikerin und erinnert sich an die Schwierigkeiten, die das Hobby Motorradfahren fast verbaut hätten. Sie und ihre „kurzen Bikerinnen“ fallen durch das Normenraster von Herstellern und Händlern. Testfahrten sind unmöglich und selbst Sitzproben fallen oft eher amüsant als hilfreich aus.

„Hier stehen nur umgebaute Maschinen mit weniger als 200 Kilogramm Gewicht“ erklärt Inge mit Blick auf die zwischen 49 und 120 PS starken Zweiräder.

Gewicht und beschränkte Optionen für den Umbau schränken die Auswahl ein und lassen nur weniger Motorräder zum Traumbike werden. Jedes ist auf seine Besitzerin angepasst und hat durch Tieferlegen, Verkürzen und Abpolstern die hinderlichen Zentimeter verloren.

Bei aufwendigen und teuren Umbauten in Fachwerkstätten werden je nach Modell die Positionierung der Gabelrohre geändert, die Seitenständer gekürzt, die Umlenkhebel geändert oder die Sitzhöhe um mehrere Zentimeter reduziert.

Was dann noch zum sicheren Fahrspaß fehlt. schaffen spezielle Motorradstiefel mit eingearbeiteter Erhöhung. Als „spezielle High Heels“ bezeichnen das die Bikerinnen lachend. Sie genießen sichtbar ihre Möglichkeiten, als selbst fahrende Ehefrauen, Mütter, Töchter oder Omas das Image der Männerdomäne zu widerlegen.

Mit „Chrom“ in den Haaren, Glitzernagellack an den Fingern und ganz viel Frauenpower sind sie froh, trotz ihrer Größe, mehr als die kleine Sozia hinter dem Fahrer zu sein.

Und sie haben keine Scheu vor ungewohnten Hobby-Kombinationen: „Stricken liebe ich auch“, verkündet Vroni aus Brilon und hat ihren neuen Freundinnen –um das Klischee zu wahren –kleine Socken als Erkennungszeichen mitgebracht.

So ausgerüstet machten sich die Bikerinnen auf zu einer Tour Richtung Diemelsee, Möhnesee und Winterberg. Das zweitägige Treffen endete nach vielen gesammelten Eindrücken und tollen Gesprächen mit dem Versprechen auf einen lange währenden Zusammenhalt der „kurzen Bikerinnen“. -tin-

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