Gemeindevertretung stimmt einmütig zu:

Mountainbiker als Touristen locken: Edertal ist beim „Grenztrail Waldeck-Frankenberg“ dabei

Interessante Zielgruppe für die Region: Mountainbiker. Foto: Rainer Sturm/pixelio

Edertal – Die Gemeindevertretung hat einstimmig die Teilnahme Edertals am geplanten „Grenztrail Waldeck-Frankenberg“ beschlossen.

Das Projekt unter Willinger Federführung soll im Herbst 2022 fertig sein und das größte Mountainbike-Singletrail-Netz Europas bilden. Unter „Singeltrail“ versteht man Pfade, die für Mountainbiking frei gegeben sind und die so schmal ausfallen, dass keine zwei Räder nebeneinander her fahren können.

Rund 650 Kilometer Streckenlänge umfasst die Idee. Ein Teil der Routen existiert, der Rest soll neu angelegt werden. Die Investitionskosten belaufen sich auf geschätzte 14,72 Millionen Euro brutto. Die Partner werben Fördermittel ein und nehmen Kredite dafür auf. Die jährlichen Betriebskosten einschließlich Abschreibungen sind mit 1,45 Millionen Euro brutto kalkuliert.

Der Bauausschuss des Parlamentes hatte sich Anfang Dezember ausführlich informiert. Die Gemeinde Willingen hat Rahmenbedingungen abgeklopft wie Bau-Ausführung oder Organisationsform.

Die Initiatoren versprechen sich davon einen Zuwachs von Mountainbikern als Gäste und in der Folge ein Plus an Übernachtungen und eine höhere Wertschöpfung. Die persönlichen Ausgaben dieser speziellen Gruppe von Fahrrad-Touristen liege neunmal höher als bei Rad fahrenden Tagesgästen, stellte die Beschlussvorlage in Aussicht.

Auf Grundlage dieser und weiterer Informationen empfahl der Edertaler Bauausschuss dem Parlament die Teilnahme. Im Haushalt 2019 reservierten die Abgeordneten 7200 Euro für den Grenztrail. Diese Summe steigt bis 2022 auf 17 000 Euro jährlich an. Die Nachbarkommunen Bad Wildungen und Waldeck haben diese konkreten Schritte noch nicht eingeleitet. Grünes Licht für eine Beteiligung gaben bisher neben dem Willinger Parlament die Abgeordneten von Arolsen, Lichtenfels und Vöhl. 18 Kommunen hätten im Grundsatz Interesse bekundet, hieß es in der Beschlussvorlage für Edertals Gemeindevertretung.

Öffentliche Kritik aus Reihen von Kommunalpolitikern und Bevölkerung im Kreis zielte bislang im Wesentlichen auf zwei Aspekte: die Kosten, gerade im Bezug auf den vielerorts hohen Bedarf am Ausbau gewöhnlicher Radwege, sowie die Belastung der heimischen Natur durch Ausweisen zusätzlicher Strecken für den von vielen als extrem empfundenen Sport.

Die Nachbarkommunen Wildungen und Waldeck sind noch nicht so weit beim Grenztrail

Die Beschlüsse zur Teilnahme der Stadt Waldeck am Grenztrail stehen aus. Bürgermeister Jörg Feldmann rechnet für die nächsten vier Wochen mit einem offiziellen Magistratsbeschluss. Im Haushalt, den das Stadtparlament am 28. Februar berät, ist bereits ein erster Ansatz für das Projekt eingeplant. Um diese Tagesordnung nicht zu überfrachten, soll der Grenztrail aber erst nach Amtsantritt des neu gewählten Bürgermeisters Jürgen Vollbracht in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert werden – voraussichtlich in der Mai-Sitzung. Die Stadt Waldeck könnte neben einer Trasse für den Grenztrail noch ein besonderes Schmankerl beisteuern - nämlich eine von sieben „Extratouren“, erläutert Feldmann. Dafür komme das abschüssige Areal an der Waldecker Burg unter der Seilbahn in Betracht. Mountainbiker, die nach dieser Geländestrecke über die Landesstraße hinweg ausrollen, können mit der Seilbahn wieder zurück fahren zur Bergstation. höh

Grundsätzlich hat Bürgermeister Ralf Gutheil für Bad Wildungen zuletzt im Oktober Interesse am Grenztrail bekundet. Bevor der Magistrat einen Beschluss fassen könne, wolle die Stadt aber den Willinger Bürgermeister Thomas Trachte einladen, um viele, viele Detailfragen zu klären, fügt der Wildunger Rathauschef hinzu. Aus Sicht der Wildunger ist noch unklar, wie sich die Finanzierung gestaltet oder wie die Kosten für das Vorhaben und weitere Verpflichtungen etwa beim Unterhalt unter den Partnern aufgeteilt werden. Unklar ist generell auch, wie und in welchem Umfang Bad Wildungen in das Streckennetz eingebunden werden kann. su

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