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NABU Edertal betreibt seit 70 Jahren Forschung und Naturschutz

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Von: Matthias Schuldt

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Knorrige Eichen am Steilhang Hünselburg am Edersee
Extremer Standort, knorrige Eichen, die hart im Nehmen sind und vielleicht Tausende Jahre alt: Beeindruckendes Waldbild an der Hünselburg. © Martina Biedenbach/Archiv

„Das Wichtigste ist Wissen. Denn man kann nur schützen, was man kennt“, sagte Regierungspräsident Mark Weinmeister beim Edertaler Naturschutzbundes.

Edertal – Er hob bei der Feier zum 70-jährigen Bestehen der Gruppe am Freitag im DGH des Edertaler Ortsteils Giflitz die Pionierarbeit der Edertaler Naturschutz-Begründer hervor in einer Zeit, als sich noch kaum jemand um das Thema kümmerte. „Heute führt das Regierungspräsidium kein Verfahren mehr durch ohne Beteiligung der Naturschutzverbände. Und das ist gut so“, unterstrich Weinmeister. Ohne die Expertise dieser ehrenamtlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über Arten, Lebensräume, Nahrungsketten – über die Zusammenhänge in der heimischen Natur – könnten die Naturschutzbehörden ihre Arbeit nicht leisten.

Die Goldene Ehrennadel des NABU Hessen erhielt Walter Meier (Mitte) aus den Händen von Gerhard Eppler (rechts). Markus Jungermann gratulierte namens des Edertaler NABU.
Die Goldene Ehrennadel des NABU Hessen erhielt Walter Meier (Mitte) aus den Händen von Gerhard Eppler (rechts). Markus Jungermann gratulierte namens des Edertaler NABU. © Matthias Schuldt

„Dieses Wissen schöpft niemand aus dem Internet. Dazu müssen Sie nach draußen in die Natur, sie beobachten und mit ihr arbeiten“, sagte Gerhard Eppler, Vorsitzender des NABU-Landesverbandes Hessen, der auch im Namen des Kreisvorsitzenden Heinz-Günther Schneider gratulierte. Desto wichtiger sei die Nachwuchswerbung, wie sie der Edertaler NABU seit Jahrzehnten erfolgreich leiste: „Aus ihren Reihen gingen viele hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hervor.“ Eppler betonte die Rolle Wolfgang Lübckes, der gemeinsam mit Walter Meier für die Gründergeneration des Edertaler NABU stehe und weit über die Grenzen Edertals und des Landesverbandes hinaus Naturschutz mitgeprägt habe.

Seit 50 Jahren Vogelkundliche Hefte Edertal

Bürgermeister Klaus Gier würdigte die besondere Art von Wolfgang Lübcke, der wegen Erkrankung an dem Abend fehlte: engagiert und fest in der Sache, gepaart mit Verhandlungsbereitschaft und Augenmaß. Auf diese Weise erreiche Lübcke etwa beim Naturschutzausgleich für Bauprojekte oft mehr, als vorgeschrieben sei.

Als „sensationell und einen deutschen Rekord“ bezeichnete der stellvertretende Nationalparkleiter Achim Frede die Edertaler Vogelkundlichen Hefte, die im 50. Jahr erscheinen und den Wert der wissenschaftlichen Arbeit des ehrenamtlichen Naturschutzes symbolkräftig verkörpern. Der Vöhler Achim Frede selbst gehört zu den Forschern, die sich, angeleitet von einem Wolfgang Lübcke oder Walter Meier, ihre ersten Sporen verdienten.

In Stolz auf Erreichtes mischt sich Trauer um den Verlust zweier kompetenter Naturschützer

Das Wissen, das die Naturschutzverbände hervorbringen – es ist Schatz und Belastung zugleich für die Aktiven, denn sie bekommen hautnah mit, wie Art für Art, auch vor der eigenen Haustür, verschwindet, wurde aus Fredes Aussagen deutlich. „Wir haben keine Zeit mehr und müssen jetzt handeln. Es ist eher 12 Uhr als noch eine Minute vor 12“, unterstrich Frede, wie vor ihm der NABU-Landesvorsitzende Eppler. Frede berichtete, wie über die Jahre beispielsweise 30 Pflanzenarten aus Gebieten des heutigen Nationalparks verschwanden, „obwohl sie sich bereits in Naturschutzgebieten befanden“. Als prominente Vertreterin der hier in der Gegend ausgestorbenen Arten nannte er eine Orchidee: den Frauenschuh. „Trotzdem bin und bleibe ich optimistisch, dass wir das schaffen, denn es tut sich eine Menge“, meinte der stellvertretende Nationalparkleiter. Er hielt den Festvortrag über die Erweiterung des Nationalparkgebietes um die Nordhänge des Edersees.

Stolz auf das gemeinsam Erreichte und Trauer über unersetzlichen Verlust vermischten sich beim Jubiläumsfestakt des Edertaler NABU. „Ich vermisse Norbert Panek und ich vermisse Hartmut Mai“, sagte Achim Frede. Der Naturschutzbund und seine Gäste gedachten der beiden Naturschützer, die, verwurzelt in Waldeck-Frankenberg, sehr viel bewegten, sich national und international einen hervorragenden Ruf als Experten und engagierte Streiter für bedrohte Arten und Lebensräume erwarben.

Mitgliederzahl des NABU-Landesverbandes Hessen vervierfacht

Hartmut Mai starb am 22. August im Alter von 61 Jahren. Norbert Panek verlor im Alter von 68 Jahren am Dienstag gewaltsam sein Leben. Der Edertaler NABU-Vorsitzende Markus Jungermann erinnerte an Mai, der, aus Wega stammend, im Alter von 15 Jahren sein Engagement im Naturschutz begann. „Er hat sich um den Biotop- und Artenschutz verdient gemacht. Sein Buch über Amphibien und Reptilien in Waldeck-Frankenberg setzte Maßstäbe“, betonte Jungermann.

Mut habe Mai bewiesen, als er später seinen Beruf als Bankkaufmann verließ und als Landesgeschäftsführer des NABU in den professionellen Naturschutz wechselte. Unter seiner Führung habe der hessische Naturschutzbund seine Mitgliederzahl vervierfacht. „Wir sind stolz, dass Hartmut Mai und seine Frau dabei Mitglieder des Edertaler NABU geblieben sind“, fügte Jungermann hinzu. Auf der Ebene des Ministeriums habe Mai entscheidenden Anteil daran gehabt, dass der Nationalpark unter Einbeziehung der hiesigen Bevölkerung und Interessengruppen einvernehmlich um die Edersee-Nordhänge erweitert worden sei.

Die Keimzelle des Nationalparks Kellerwald-Edersee

„Wir haben es geschafft!“, sagte Achim Frede zum Ende seines Festvortrages über diese Erweiterung und bezog sich auf die Geschichte des gesamten Nationalparkes. „Im November 1989 saßen wir im Keller von Norbert Panek und arbeiteten die Ziele aus, die wir mit der Gründung des Nationalparkes erreichen wollten“, erinnerte er. Einen Nationalpark als Teil eines UNESCO-Welterbes, der eingebettet ist in weitere Schutzvorkehrungen für die heimische Natur- und Kulturlandschaft mit Naturschutzgroßprojekt, Arche-Region, dem Kellerwaldverein als erfolgreichster regionaler Entwicklungsgruppe in Hessen, den Geopark-Grenzwelten und, und, und. Ein Behüten der Naturschätze, das sie zugleich mehr und mehr in Wert setze für den sanften Tourismus als eines der wichtigsten Wirtschafts-Standbeine der Region.

Norbert Panek sei eine treibende Kraft hinter all dem gewesen, von internationalem Renommee nicht nur wegen seiner Expertise zu Buchenurwäldern. „Er war kein Diplomat, aber kenntnisreich und durchsetzungsstark“, würdigte Frede. Der gesamte Naturschutz werde Mai und Panek schmerzlich vermissen, waren sich die Anwesenden bei der Jubiläumsveranstaltung des Edertaler NABU am Freitagabend einig.

Zum Jubiläum ist die Festschrift „Natur in Edertal“ erschienen.

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