„Eine Weide für Faule“ 

Einfach abwarten: Angela Odenhardt schafft in Anraff ein Insektenparadies

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Paradies für Insekten: Angela Odenhardt auf ihrer Eselweide am Anraffer Dorfrand mit dem Schmetterlingsexperten Bernd Hannover vom NABU.

Edertal-Anraff. Was für andere der Palmenstrand am Meer ist für eine Anrafferin die Eselwiese am Dorfrand.

Wenn Angela Odenhardt dem emsigen Treiben von Wildbiene, Schwebfliege und Schachbrett-Schmetterling zuschaut, lässt sie die Seele baumeln. „Dann gehe ich auf private Insekten-Safari“, sagt die Anrafferin mit einem Schmunzeln. „Das ist ein echtes Abenteuer.“ Es beginnt im März/April mit der Frühlingsseidenbiene und klingt im August allmählich aus.

 Odenhardt beobachtet das Leben von Erdwespe und Zottelbiene und schaut aufmerksam, welche Wildblüten besonders begehrt sind. „Die Witwenblume ist der Knaller – da fliegen alle drauf.“

Früher kannte die Anrafferin nur wenige Arten, heute kann sie die Keilfleckschwebfliege von anderen Artgenossen unterschieden und weiß, wo der Hauhechel Bläuling seine spezielle Nahrung und Plätze für Eiablage sucht.

Längst kennt sie die Vorlieben ihrer tierischen Gäste. „Das Landkärtchen liebt frische Pferdeäpfel.“ Der Schmetterling fliege besonders darauf, „wenn sie noch schön feucht sind“. Die Wilde Möhre sei Lieblingsspeise des Schwalbenschwanzes. Die Knauzien-Sandbiene sammele nur an der Witwenblume Pollen für den Nachwuchs.

Die ehemalige Lehrerin hat seit einigen Jahren die Wiese am Anraffer Ortsausgang gepachtet. Dort weiden ihre Esel und sammeln Kraft für die Eselwanderungen an der Eder, die die Anrafferin anbietet. Für die Grautiere steckt sie täglich den Zaun nur einige Meter weiter, gemäht wird im Frühjahr nicht.

So entwickelten sich nach und nach zwischen den Gräsern bunte Wildblumen. „Und völlig ohne mein Zutun,“ sagt Odenhardt, besondere Pflege sei nicht erforderlich. „Ich habe eine Weide für Faule.“

Was mit einer Eselweide funktioniere sei auch mit einer Pferdekoppel kein Problem, ist sich die Anrafferin sicher. Sie appelliert an die zahlreichen Pferdehalter, im Sinne der Artenvielfalt ihre Wiesen extensiv zu bewirtschaften. Ihr Tipp für ein artenreiches Biotop: Nicht alles Abmähen, was gerade blüht, sondern nur soviel abstecken, wie gerade gebraucht wird. Kurzum: „Einfach nix machen, nur Abwarten und in den nächsten Jahren ist es dann soweit.“

Bernd Hannover, Schmetterlingsexperte des NABU aus Altwildungen, kann das nur unterstreichen: „Die Natur würde sich wünschen, wenn es noch mehr solcher Flächen gäbe.“ Auf einer einzigen Pferdeweide hat der NABU in Mücke kürzlich 120 Arten aus dem Pflanzen- und Tierreich registriert, berichtet Wolfgang Lübcke vom Edertaler Naturschutzbund.

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