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Edersee führt kaum Wasser: Wasserstand nähert sich niedrigster Marke seit 20 Jahren

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Von: Matthias Schuldt

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Der trockene Sommer führt am Edersee dazu, dass dieser kaum Wasser mehr führt. Das bringt Probleme für den Tourismus, aber auch die Weser mit sich.

Update vom Donnerstag, 01. September, 16.50 Uhr: Der Edersee hat aufgrund der anhaltenden Trockenheit die Marke von 30 Millionen Kubikmeter Wasser unterschritten. Am Donnerstag war der See nur noch zu 14,49 Prozent mit Wasser gefüllt, das bedeutet es befinden sich noch 28,91 Millionen Kubikmeter Wasser in dem Stausee. Derzeit liegt der Wasserfüllstand bei 220,47 Metern über dem Meeresspiegel (NHN) – mehr als 24 Meter weniger als unter Vollstau.

Damit nähert sich der Wasserstand im Edersee dem niedrigsten Wasserstand seit 20 Jahren: 2003 lag der Pegel nach anhaltender Trockenheit bei 217,82 Metern über NHN. Das Rekordniedrigwasser nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Mitte Dezember 1959 mit 9,1 Millionen Kubikmeter Wasser gemessen.

Wunsch und Wirklichkeit treffen an der Bringhäuser „Endstation“ hart aufeinander: Links ein
Wunsch und Wirklichkeit treffen an der Bringhäuser „Endstation“ hart aufeinander: Links ein Foto der vollen Banfebucht, rechts der Blick auf die aktuelle Lage in der Bringhäuser Bucht des Edersees. © Matthias Schuldt

Edersee führt kaum noch Wasser: Nur noch 40 Millionen Kubikmeter übrig

Erstmeldung vom Dienstag, 09. August 2022: Edersee – Nichts geht mehr ab Dienstag: Der Edersee unterschreitet die Marke von 40 Millionen Kubikmetern und damit wird auch der Weser quasi der Hahn abgedreht. Die Personenschifffahrt im Westlichen Weserbergland wird eingestellt, antwortet der Geschäftsführer des Rintelner Tourismuszentrums Matthias Gräbner auf Anfrage. Auf unbestimmte Zeit, denn Regen ist vorerst nicht in Sicht. Erste Fährverbindungen entlang des Flusses fallen ebenfalls flach.

Mit jedem Tag mehr an Trockenheit schrumpft das Geschäft weiter. „Auch das Naturerlebnis am Fluss ist ja eingeschränkt bei Niedrigwasser“, sagt Gräbner. Welche Zukunft hat die Personenschifffahrt an weiten Teilen der Weser, wenn sich der Klima-Trend der trockenen Sommer weiter verfestigt? Ohnehin knappes Personal könnte abwandern, wenn das Geschäft künftig fast jedes Jahr mitten in der Saison plötzlich für unbestimmte Zeit auf Grund läuft, weiß auch Gräbner.

Edersee hat kaum noch Wasser: Alleine im Juli wurden 80 Millionen Kubikmeter abgelassen

Mancher am Edersee wird ob dieser Meldung mit den Schultern zucken nach dem Motto: „Da seht Ihr mal, wie das ist.“ Einbußen und Einbrüche, weil das Wasser fehlt – vor diesem Problem steht der Tourismus auf vielen Feldern an der Talsperre seit Wochen. Die Weser wurde den gesamten Juli über mit bis zu 30 Kubikmetern pro Sekunde gestützt – und das im „Sparbetrieb“ gemäß „Triggerlinie“ bei 1,15 Meter statt 1,20 Meter Zielpegel für Hann. Münden.

Stausee, Wasser, Der Edersee in Hessen ist aufgrund der Trockenheit fast leer
Der Edersee ist nur noch zu weniger als 15 Prozent gefüllt. Grund ist die anhaltende Trockenheit. © Peter Hartenfelser/Imago

„Man muss sich das vor Augen führen: allein im vorigen Monat wurden trotzdem 80 Millionen Kubikmeter abgelassen. Das ist die Hälfte dessen, was ein voller Edersee überhaupt geben kann, bevor die Untergrenze von 40 Millionen Kubikmetern erreicht ist“, rechnet Wilfried Geisler vom Regionalverband Eder-Diemel (RVED) vor.

Seit einiger Zeit liege ein Vorschlag des RVED auf dem Tisch: überschreitet der Edersee-Pegel Mitte Juli nicht den Füllstand von 125 Millionen Kubikmetern, wird die Abgabe für vier Wochen aufs Minimum reduziert. „Wir haben im September ein Gespräch mit Regierungspräsident Mark Weinmeister zu dem Thema“, sagt Geisler.

Lesen Sie auch: Das Edersee-Atlantis: Hier sind die einzelnen Orte zu finden

Edersee: Verlandung schreitet seit einem Jahrhundert mehr und mehr voran

Dr. Rolf-Jürgen Föllmer, Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Oberweser, hält dagegen auf Anfrage mit Blick auf die Bewirtschaftung am „Sparbetrieb“ gemäß „Triggerlinie“ fest. Dem Edersee bringt dieses Prinzip in trockenen Sommern keine spürbare Entlastung. 2018, 2019, 2020 und 2022 blieb Regen in nennenswerten Mengen ab April/Mai aus. Eine Ausnahme bildete allein das vorige Jahr.

Der Edersee
Wasseroberfläche11,8 km²
maximales Stauvolumen225 Millionen m³
Wassertiefebis zu 41,7 Meter

Einig ist man sich an Eder und Weser in einem Punkt: Es wäre gut, wenn das Talsperren-Volumen wieder vergrößert würde. Die von der Eder mitgeführten Sedimente haben den See in mehr als 100 Jahren langsam, aber stetig verlanden lassen. Ein Ausbaggern gerade der Bereiche am Beginn des Sees erscheine sinnvoll, meint Geisler.

Der Vorschlag ist nicht neu, kam vor Jahren auch schon vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt. „Man müsste prüfen, ob es möglich und bezahlbar ist“, sagt Claus Günther, Geschäftsführer des Edersee-Marketings. Auch die IG Oberweser hätte dagegen keine Einwände, sagt Föllmer.

Niedrigwasser am Edersee: Einbußen beim Wassersport und dem Tagestourismus

Massenweise Proteste von Feriengästen angesichts des Niedrigwassers verzeichnet das Edersee-Marketing zwar nicht, und die Buchungslage für diesen Sommer sei gut, fasst Claus Günther die aktuelle Lage zusammen. „Aber begeistert ist niemand, wenn er einen so weiten Weg zum Baden hat, erst recht nicht bei so einem Wetter“, fügt der Geschäftsführer des Edersee-Marketing hinzu.

Einbußen zeigten sich besonders beim Geschäft mit den Tagestouristen und in Sparten des Wassersports, berichtet er. Darum unterstütze er jeden Vorschlag, mit dem Wasser der Talsperre sparsamer umzugehen. Zugleich müsse die Region aber Wege suchen und finden, den Urlaubern auch in trockenen Jahren viele Erlebnisse zu ermöglichen.

Neue Ideen am Edersee: Badebuhnen nach dem Vorbild der Nordsee einrichten

„Badebuhnen einzurichten, wie sie bei Ebbe an der Nordsee den Schwimmspaß ermöglichen, ist so eine Idee“, sagt Günther. Die Kommunen der Erlebnisregion müssten sich zusammentun, solche Ideen sammeln und sich Verbündete suchen, um sie zu verwirklichen.

Edersee-Atlantis Alt-Bringhausen-Brücke Bringhausen
Immer öfter taucht das Edersee-Atalntis auf. Hier die Überreste der Alt-Bringhausen-Brücke. © Marie Klement

Zugleich stärken Pläne, wie die für den großen Wasser-Spielpark mit Naturschwimmteich im neuen Bad Wildunger Heloponte das Angebot gerade für die Urlauberfamilien im Sommer. „Das ist eine sehr gute Idee“, bewertet Günther das Konzept aus Sicht des Touristikers.

Zugleich würde Zuspruch durch Gäste dazu beitragen, die Einnahmen der geplanten, neuen Freizeitanlage zu erhöhen. Unabhängig von all dem gelte es, das Thema Edersee-Atlantis weiter zu bearbeiten und zu vermarkten, „auch wenn möglichst viel Wasser im See während der Hauptsaison im Fokus des Interesses steht.“ (Matthias Schuldt)

Im kommenden Jahr soll der Zugang zum Edersee barrierefrei möglich sein. Ein Serpentinenweg zum Strandbad wird gebaut.

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