„Das ist Entschleunigung pur“

Mit 20 km/h ins Wochenende: Oldie-Trecker-Freunde machen Kurzurlaub am Edersee

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Entschleunigung pur: Sieben Trecker-Freunde aus Neustadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf unternahmen mit ihren „alten Schätzchen“ einen Wochenendausflug zum Edersee – mit einer Spitzengeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern.

Edertal – Vor drei Jahren waren sie zum ersten Mal auf Tour, seitdem zuckeln Heinz Huber und seine Freunde jedes Jahr mit ihren Oldtimer-Treckern für ein Wochenende los. Aus Neustadt im Landkreis Marburg-Biedenkopf ging es jetzt für ein einige Tage an den Edersee.

Zwischen 1958 und 1963 wurden die Trecker gebaut, mit denen die sieben Freunde ihre Kurzreisen antreten. Der größte Motor habe 28 PS, allesamt würden nicht schneller als 20 Stundenkilometer fahren, erzählt Heinz Huber. „Das ist Entschleunigung pur“, sagt er.

Er war es, der vor Jahren die spontane Idee hatte, mit den Oldtimern mal eine Runde zu drehen und auch mal weiter weg zu fahren. 2016 ging es dann zunächst nach Wetter. Einen Tag dauerten Hin- und Rückfahrt jeweils. „Ab da war der Damm gebrochen.“ Ein Club sind die Trecker-Freunde nicht, sondern ein lockerer Zusammenschluss von Enthusiasten, die sich regelmäßig zum Schrauben treffen.

„Die Unerschrockenen“ haben viel Spaß miteinander und mit ihren Oldtimer-Treckern, die zwischen 1958 und 1963 gebaut wurden.

Nun führte die alljährliche Ausflugsfahrt in die Ederseeregion. An einem Freitagmorgen um 9 Uhr ging es los, am frühen Abend waren sie dann an der Grillhütte in Mehlen angekommen.

Wie immer ist die Gruppe auch auf dieser Tour auf Feldwegen unterwegs gewesen, Bundesstraßen nutzen sie nie, so Huber. Hintereinander geht es durch die Landschaft. Gespräche seien dabei nicht möglich, zu laut sind die Oldtimer. Kommuniziert wird per Handzeichen. „Jeder ist während der Fahrt eher für sich.“ Dafür würden regelmäßig Pausen gemacht mit den alten Deutz-, IHC- und Hanomag-Schätzchen. Immer dort, wo es schön ist.

Einer der Oldtimer-Fans zieht stets einen Anhänger mit sich. Darin ist das Nötigste untergebracht, was sie für ein Wochenende brauchen: Feldbetten, ein Grill, Gaskocher und Proviant. „Wir schlafen im Freien auf Feldbetten“, sagt Heinz Huber. Müll, so betont er, würden sie aber nie hinterlassen. „Das ist uns ganz wichtig.“

Am Ziel angekommen gibt es dann Sightseeing, am Edersee schauten sich die Freunde unter anderem die Sperrmauer und Schloss Waldeck an. In den Vorjahren haben sie unter anderem schon die Burgruine Löwenstein und den Kellerwaldturm besucht.

Auf ihren Fahrten durch die Region lernen sie dabei auch immer wieder Menschen kennen, die neugierig fragen, was die sieben für eine Gruppe sind. Mit Mountainbikern und Wanderern kommen die Oldtimer-Fahrer oft ins Gespräch und das freue sie auch, wenn sich jemand für ihr Hobby interessiere, sagt Huber.

Insgesamt, so sagt er, seien die Fahrten nichts Besonderes, „aber wir haben alle sehr viel Spaß daran. Ein bisschen ist es auch Männersache, dann sind wir mal unter uns.“ Aber am wichtigsten sei der Ausgleich vom hektischen Alltag. Beruflich habe niemand der Mitte 40- bis Mitte 60-Jährigen etwas mit Treckern zu tun, „das ist einfach nur ein Hobby. Wir sind alle etwas verrückt. Andere bringen dafür ihr Geld in die Kneipe“, sagt Huber und lacht.

Selbst von einer Panne würden sie sich den Kurztrip nicht verderben lassen. Für den Fall der Fälle haben sie stets eine Abschleppstange dabei.

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