Stabwechsel nach mehr als 40 Jahren beim traditionellen Frührjahrskonzert

Pfeil macht Dirigentenpult des Posaunenchores Edertal frei für Heinze 

„Wind of change“ nach „Thank you for the music“: (von links) Sandra Röhner mit dem neuen Chorleiter Michael Heinze, Vorgänger Reckhard Pfeil, Bürgermeister Gier und Pfarrer Blum. Foto: Senzel

Edertal. Eine proppevolle Affolderner Festhalle fand der Posaunenchor Edertal bei seinem traditionellen Frühlingskonzert vor und begrüßte das Publikum mit den „Fanfaren für den gemeinen Mann“ („Fanfare for he common man“).

In Affoldern gesellten sich im Arrangement von Reckhard Pfeil die tiefen Tuben zum hellend-strahlenden Fanfarenklang der Trompeten, denen sich Posaunen und Hörner anschlossen. Der Auftakt zu einem rundum gelungenen, abwechslungsreichen Konzert mit Melodien aus Klassik, Musical, Film- und Popelt. Pfeil moderierte gewohnt launig wie charmant und doch war etwas anders.

Das Orchester überraschte Publikum und Dirigenten, der sich fragend umschaute, als die Musiker ohne Übergang vom Abba-Titel „Thank you for the music“ in den Scorpions-Welthit „Wind of Change“ hinüber glitten. Trompeter Michael Heinze stand auf, bat Pfeil höflich aber bestimmt weg vom Pult und übernahm die Leitung. Für diesen „Coup“ hatten die Aktiven ohne Reckhard Pfeil heimlich geprobt.

So machten sie ihrem langjährigen Ensemble-Chef ein besonderes Geschenk. Chorsprecherin Christina Casper zufrieden: „Jetzt haben wir zum ersten Mal auf einem Konzert unseren Dirigenten sprachlos gemacht.“

Auf der Jahreshauptversammlung hatten die Musiker nach dem Rückzug von Reckhard Pfeil einstimmig den langjährigen Orchestertrompeter Michael Heinze zum Nachfolger bestimmt. Heinze vermittelte zum Einstand mit dem von ihm arrangierten Michael Bublé-Song „It‘s a beautiful day“ ein Stück gute Laune. Er bewies, dass er nicht nur als Dirigent, sondern auch Arrangeur in die Fußstapfen seinen Vorgängers tritt – und das selbstsicher und souverän. So wie er vor dem Posaunenchor stand und unterschiedliche Werke dirigierte, wurden die Worte von Reckhard Pfeil bestätigt: „Ich bin mir ganz sicher, dass ich diesen Chor in gute Hände übergebe.“ Michael Heinze untermauerte in seinem Schlusswort die Kontinuität mit dem altbekannten Pfeil´schen Abschiedsgruß ans Publikum: „Wenn es Ihnen gefallen hat, erzählen Sie das ruhig weiter, wenn nicht: Sie müssen ja nicht geschwätzig sein.“ 

Edertals Bürgermeister Klaus Gier würdigte die Verdienste von Pfeil als Leiter des Posaunenchores Edertal, der 42 Jahre lang das große Ensemble dirigiert, arrangiert dirigiert und organisiert hat: „Eine tolle Arbeit“. Gier überreichte in Würdigung von Pfeils Verdiensten für das Gemeinwesen eine Urkunde und die goldene Ehrennadel der Gemeinde; „gut dass Reckhard versprochen hat auch in Zukunft als Musiker und stellvertretender Chorleiter weiter mitzumachen“. Pfarrer Clemens Blum überreichte im Auftrag des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Walter Blankenburg-Medaille, die für besondere Verdienste um die Kirchenmusik vergeben wird, an Reckhard Pfeil. Blum: Johann Sebastian Bach sei nur 23 Jahre lang Leiter des Thomanerchores gewesen, sagte er augenzwinkernd. Für das Posaunenwerk der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck würdigte Sandra Röhner die Verdienste Pfeils: „Viele Chöre sind mit Recht neidisch auf die Qualität der Musik der Edertaler Bläserinnen und Bläser“, Chormitglied Michael Same bestätigte Reckhard Pfeil, dass er dem Posaunenchor in ganz besonderer Weise seinen Stempel aufgedrückt habe: „Du bist und bleibst der James Last vom Edertal“.

(szl)

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