Bis in die nächste Woche hinein

Regenfälle bringen dem  Edersee Atempause beim Wasserablass

Erholungspause: Der Wasserstand im Edersee steigt für ein paar Tage leicht wieder an. Die Weser braucht derzeit keine Unterstützung.
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Erholungspause: Der Wasserstand im Edersee steigt für ein paar Tage leicht wieder an. Die Weser braucht derzeit keine Unterstützung.

Vor einigen Tagen hat das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) die Abgabe aus dem Edersee aufs Minimum von 6 Kubikmetern pro Sekunde gedrosselt.

  • In den nächsten Tagen steigt der Edersee-Wasserstand leicht an wegen der Regenfälle
  • Über Wochen war der Wasserstand rasch gefallen, weil der Edersee viel an die Weser abgeben musste
  • Die Segelsportler am Edersee fürchten erneut eine verkürzte Saison
  • Unternehmen an der Weser brauchen das Wasser für den Kiesabbau und -abtransport am Fluss

Und dabei bleibt es voraussichtlich bis deutlich in die nächste Woche hinein dank mehrerer durchziehender Tiefdruckgebiete mit ihren beachtlichen Niederschlägen. Das bestätigt Jiri Cemus von der zuständigen Abteilung beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden auf Nachfrage.

Die Regenfälle ließen und lassen die Pegel der Weser nach trockenen Wochen hoch steigen und verschaffen der Edertalsperre eine Atempause. „Solche Phasen im Sommerhalbjahr sind für die Bewirtschaftung ideal“, sagt Cemus.

In den Edersee selbst fließt wenig von den Niederschlägen

Der Wermutstropfen besteht darin, dass der Edersee selbst weit weniger vom Regen hat.

Der Zulauf in den Edersee liegt aktuell leicht über der Minimalabgabe aus dem Edersee von 6 Kubikmetern pro Sekunde. Der Grund liegt in der üppigen Vegetation des Edersee-Einzugsgebietes. Die Pflanzen in Wald und Flur nähmen 90 Prozent der Niederschläge im Sommerhalbjahr auf, erläutert Cemus.

Das Grundsatzproblem der Wasserknappheit an Edersee und Weser bleibt

Am Grundsatzproblem ändert die Erholungspause nichts. Während der See im feuchten Winter 2019/20 beinah durchgängig 30 bis 40 Millionen Kubikmeter mehr als im langjährigen Durchschnitt enthielt, zerstörte das trockene Frühjahr diese solide Ausgangsbasis ruck-zuck. Inzwischen befinden sich 30 bis 40 Millionen Kubikmeter weniger in der Talsperre als im Mittel der Jahre.

Zielpegel für Wasserabgabe aus dem Edersee auf 1,15 Meter bei Hann. Münden reduziert

Und das, obwohl das WSA seit Wochen nicht mehr den normalen Weserpegel von 1,20 Meter ansteuert, sondern wegen der Wasserknappheit die Marke 1,15 Meter beiHann. Münden anpeilt. Diese Vorgehensweise ist eine der wichtigsten Konsequenzen aus den Edersee-Krisenverhandlungen der vergangenen Jahre. Eine „Triggerlinie“ listet dabei für jeden Tag im Jahresverlauf einen bestimmten Edersee-Füllstand auf. Sobald er unterschritten ist, sinkt das Pegelziel für die Weser in Hann. Münden auf besagte 1,15 Meter.

Doch selbst, um nur diesen reduzierten Pegel zu erreichen, musste das WSA Wochen lang 20 Kubikmeter pro Sekunde und mehr aus dem Edersee ablassen.

Doppeltes Déjà vu an Edersee und Weser

So hob die Kritik etwa unter Segelfans am Edersee angesichts des rasch fallenden Wasserstandes erneut an, obgleich alle Formen von Freizeitvergnügen aktuell möglich sind. „Wenn das so weitergeht, können wir die Boote wieder im August herausholen“, fürchten viele ein Déjà vu. Tief sitzen die frustrierenden Erfahrungen der vergangenen Jahre.

Vergleichbare Erinnerungen teilt andererseits Sascha Wagner, Geschäftsführer der AHE-Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Rinteln. 800 000 Tonnen Weserkies verschifft der Rohstoffproduzent alljährlich über den Fluss – insofern die Weser durchgängig ausreichend Wasser führt.

Denn schon bei 1,15 Meter können die beiden Spezial-Schubleichter deutlich weniger Fracht laden als die maximalen 650 Tonnen. „Mit weniger als 1,15 Meter Pegel bei Hann. Münden können wir gar nicht mehr fahren“, sagt Wagner.

Ein zweites Unternehmen aus der Branche im nordrhein-westfälischen Varenholz an der Weser stecke in der gleichen Lage. Geschätzte 400 000 Tonnen Kiesfracht pro Jahr fallen dort an.

Die Rechtsgrundlage für die Edersee-Bewirtschaftung

„Ich habe Verständnis für die Situation am Edersee, bitte aber auch um Verständnis für unsere Lage“, fügt Wagner hinzu. Die Bewirtschaftungsverordnung für den Edersee ziele auf die Schiffbarhaltung der Weser ab. Auf dieser Rechtsgrundlage habe die Unternehmensgruppe AHE in den zurückliegenden Jahren zweistellige Millionenbeträge investiert. Rechtssicherheit als Investitionsschutz: Auf dieses Prinzip beruft sich AHE in der Diskussion um die Talsperrenbewirtschaftung.

Im Juli Edersee-Gespräche beim Regierungspräsidium

Unterdessen steht am 9. Juli im Regierungspräsidium (RP) Kassel das jährliche Edersee-Gespräch an. Eigentlich war das erste offizielle Treffen des neuen Regierungspräsidenten Hermann-Josef Klüber mit den Beteiligten für Ende März vorgesehen. Wegen der Corona-Krise wurde es verlegt.

Klüber bringt als langjähriger Stellvertreter und Vertrauter des ermordeten Dr. Walter Lübcke auch bei diesem Thema das Hintergrundwissen mit.

Knappe, begehrte Rohstoffe: Kies und Sand von der Weser

Saisonbedingt mit 80 bis 100 Beschäftigten fördert, verarbeitet und verschifft dieAHE-Unternehmensgruppe bis zu 800 000 Tonnen Weserkies im Jahr. Direkt an den Flussufern werden die knapp gewordenen Rohstoffe Sand und Kies per Bagger gefördert, und mit zwei Schubleichtern auf der Weser zum Werk nach Rinteln gebracht. Große Anlagen verarbeiten sie dort weiter. Per Lastwagen gelangt die Fracht an den Mittellandkanal, wo sie erneut auf Binnenschiffe verladen wird. Nach eigenen Angaben beliefert AHE rund 150 Baustoffhändler in der Region mit seinen Produkten. Für die Renaturierung eines erschöpften Abbaugebietes in Zusammenarbeit mit dem NABU erhielt AHE Nachhaltigkeitspreise.

Der niedrige Wasserstand hatte für einen beliebten Treffpunkt am Edersee schon negative Auswirkungen.

Um das Tourismusangebot  zu verbessern, plant eine Investorengruppe ein großes Projekt am Edersee.

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