Phänomen aus dem vorigen Jahr bekannt:

Rund 100 tote Fische an der Edersee-Sperrmauer

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Anatomische Besonderheit: Sie wird Zandern zum Verhängnis, wenn sie rasch aus großer Tiefe aufsteigen.

Edersee – Rund 100 große tote Fische waren vor wenigen Tagen an der Sperrmauer-Westseite zu entdecken. Damit wiederholte sich ein Phänomen aus dem August 2018.

„Allerdings waren es etwas weniger Fische und sie verendeten eine Woche später, als es voriges Jahr der Fall war“, erklärt Axel Finke, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edersee.

Fast ausnahmslos Zander starben. Hintergrund: In der Sommerzeit nimmt der Sauerstoff-Gehalt in den oberen Wasserschichten in warmen, trockenen Wetterperioden stark ab bis gegen Null.

Die Sauerstoffblase am Fuß der Eder-Sperrmauer

Am Fuß der Sperrmauer, an der Westseite im alten Flussbett, bilde sich jedoch eine Sauerstoffblase, in der die Fische quasi gefangen seien, erläutert Finke. Mit dem Ablass des Wassers schrumpft und schrumpft die Blase.

An einem bestimmten Pegelstand wird sie so klein, dass die Fische aus ihr zu fliehen versuchen. „Dabei müssen sie eine starke Schicht durchqueren, in der praktisch kein Sauerstoff existiert“, sagt Finke. Das zwingt die Fische zur Eile und genau das stellt Zander vor ein unüberwindliches Hindernis, denn sie weisen im Körperbau eine Besonderheit auf.

Das Handicap der Zander

Anders als bei anderen Fischen hat ihre Schwimmblase keinen Anschluss an den Magen-Darm-Trakt. Andere Fische lassen die Luft aus ihrer Blase über den MagenDarm-Trakt ab. Sie überstehen so schadlos ein rasches Aufsteigen aus großer Tiefe mit hohem Wasserdruck in höhere Schichten mit geringerem Druck.

Den Zander aber kommt so ein schneller Aufstieg teuer zu stehen.

Er muss die Luft aus der Schwimmblase über seine Blutgefäße aus dem Körper bringen, und das braucht seine Zeit. Bei einem raschen Aufstieg und rasant nachlassendem Wasserdruck dehnt sich die Luft in der Schwimmblase schlagartig aus und bringt sie zum Platzen. Die Tiere verenden an einer Art „Taucherkrankheit“.

„Welle“ für Bodenwerder aus dem Edersee nicht die Ursache

Das Problem taucht am Edersee immer beim selben Wasserstand auf. „Mit der Abgabe einer Welle für das Lichterfest in Bodenwerder hat das nichts zu tun“, unterstreicht Finke auf Nachfrage. Entsprechende falsche Vermutungen und Behauptungen hatten in den so genannten sozialen Netzwerken in der vorigen Woche die Runde gemacht. Es sterben im See diejenigen Zander, die irgendwann im Verlauf des Sommers die Sauerstoffblase an der Mauer erreichen. An anderen, sauerstoffreicheren Stellen überleben die Tiere.

Zwei Wege der Rettung für die Edersee-Zander

Und auch das Sterben an der Sperrmauer ließe sich verhindern, meint Finke: „Eine Möglichkeit wäre, im Juli über vier Wochen lang nur 6 Kubikmeter pro Sekunde abzulassen in trockenen, warmen Jahren.“ So ein „Moratorium“ würde auch der Kiesschifffahrt an der Weser helfen, ist Finke überzeugt. Denn sie werde 2019 erneut Existenz gefährdende Wochen lahm liegen, sobald der Edersee erschöpft sei und falls der Regen erneut bis Spätherbst ausbleibe – wie 2018 der Fall.

„Oder man errichtet eine Rohrkonstruktion an der Sperrmauer, die sauerstoffarmes Oberflächenwasser absaugt, damit nicht nur sauerstoffreiches Tiefenwasser über die Grundablässe abfließt“, führt Finke aus. Das habe sich andernorts bewährt, wäre aber teuer.

Beide Alternativen würden die Sauerstoffblase am Fuß der Sperrmauer lange genug in ausreichender Größe erhalten, bis im Herbst mit den fallenden Temperaturen die Wasserzirkulation im See wieder einsetzt. Sie vermischt sauerstoffreiche mit sauerstoffarmen Schichten und befreit die Fische aus ihrem Gefängnis. -su-

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