FDP-Bundestagsabgeordneter fordert neue Konzepte

„Schleuse an der Oberweser bauen“, um Edersee zu entlasten

Luftseite der Sperrmauer mit fast trocken gefallener Eder bei Minimalablass von 4 Kubikmetern pro Sekunde im Winter 2020
+
Ebbe in der Eder unterhalb der Sperrmauer. So sieht es seit August/September angesichts des leeren Sees aus.

Der Kasseler Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke (FDP) schlägt den Bau einer Schleuse zum Aufstauen der Oberweser vor, um den Edersee zu entlasten.

  • Der Kasseler Bundestagsabgeordnete Matthias Nölke (FDP) plädiert für den Bau einer Schleuse auf der Oberweser
  • Damit würde sicher der Pegel auf der Oberweser erhöhen und der Edersee von Wasserabgabe entlastet
  • Die direkt gewählte Bundestagsabgeordnete Esther Dilcher (SPD) für den Wahlkreis Waldeck/Kassel-Land hält eine ernsthafte Prüfung dieses Vorschlags für sinnvoll und angebracht

Edersee – „Wenn das Wasser nicht reicht, müssen wir auch Konzepte zum dezentralen Aufstauen in Betracht ziehen“, unterstreicht er in Reaktion auf die jüngste Berichterstattung unserer Zeitung über die Wassernot an Edersee und Weser. Es könne nicht sein, dass sich die verschiedenen Akteure aus Land und Bund gegenseitig die Karten zuschöben und nichts passiere.

Wegen geschrumpfter Niederschlagsmengen verschärfe sich der Interessenkonflikt der beiden Regionen Edersee und Oberweser seit Jahren. Das Wasser werde sowohl am Edersee für die Tourismusbranche als auch an der Oberweser für den Schiffsverkehr benötigt. „Diskussionen müssen zum Ende kommen, wir müssen handeln“, fordert Nölke. Angesichts des Wassermangels „müssen wir neu denken.“

Seit 2019 Pilotversuch für sparsamere Bewirtschaftung des Edersees über fünf Jahre

Seine Idee ist es wert, eingehend geprüft zu werden – das meint Nölkes Parlamentskollegin Esther Dilcher (SPD). Die Hofgeismarerin gewann 2017 das Direktmandat im Bundestagswahlkreis 167 „Waldeck und Kassel Land“. Der Edersee und Teile der Oberweser gehören zu ihrem heimischen Wahlkreis.

Zunächst habe sie sich im vorigen Jahr mit der vom Regierungspräsidium (RP) Kassel bekräftigten Linie für die Edersee-Bewirtschaftung zufrieden gegeben, räumt Dilcher ein. Das RP verwies damals auf den 2019 für fünf Jahre vereinbarten Pilotversuch mit verringertem Minimalablass im Winter und bei Wasserknappheit abgesenktem Zielpegel von 1,15 Meter an der Weser.

Pilotversuch für sparsamere Bewirtschaftung des Edersees wirkt bei extremer Trockenheit nicht

Angesichts der Dürre zeichnet sich jedoch ab, dass das Drehen an diesen Stellschrauben die Probleme nicht im Ansatz gelöst hat. Einer solchen Trockenheit hat das System um die Bewirtschaftung des Edersees in seiner bestehenden Form nichts entgegen zu setzen mit der Folge, dass nicht mehr nur Betriebe am Edersee Existenznöte ausstehen, sondern auch die Unternehmen an der seit vier Monaten trocken gefallenen Weser.

Der Bau einer Schleuse würde ebenso Entlastung für Edersee und Weser bringen wie der Bau neuer Brücken an der Oberweser, die den Ausfall von Fähren kompensieren könnten. „Allerdings ist es unrealistisch zu erwarten, dass solche Lösungen innerhalb von ein oder zwei Jahren zur Verfügung stehen“, sagt Dilcher.

Planungsverfahren für Schleuse auf Oberweser ist aufwendig

Aufwendige Planungsverfahren und mehr als voll ausgelastete Baufirmen stünden dem entgegen. „Eine Schleuse müssten wir außerdem in den Bundesverkehrswegeplan hinein geschrieben bekommen“, fügt die Abgeordnete hinzu. Doch immerhin: Der Wegeplan, der stets über fünf Jahre läuft, wird 2021 im Bundestag neu beraten. Dilcher setzt auf die Arbeitsgemeinschaft der Oberweser-Anrainer im Bundestag, um das Thema Schleuse einzubringen.

„Gebildet wurde die Gruppe einmal von SPD-Abgeordneten aus den Anrainer-Ländern Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, aber inzwischen agiert sie fraktionsübergreifend“, erläutert Dilcher. Ausgangspunkt für die Gründung war das damalige Ansinnen von „K+S“, salzige Abwässer per Pipeline direkt in die Weser zu leiten. Die Pläne wurden 2019 gestoppt.

Und Esther Dilcher stellt mit Blick auf Vorschläge wie den des Liberalen Matthias Nölke klar: „Auch wenn die Verwirklichung einige Jahre dauern würde, müssen wir uns schnell mit neuen Lösungsmöglichkeiten beschäftigen.“

Der trockene Sommer 2020, ein bisher nicht ausreichend feuchter Winter, ausgetrocknete Böden und der noch immer leere Edersee bereiten an Edersee und Weser gleichermaßen große Sorgen. (Matthias Schuldt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare