Regionalverband Eder-Diemel:

Sommerpause gefordert für Wasserabgabe aus dem Edersee

Nicht zu stoppen: Die Diskussion um die Wasserabgabe aus dem Edersee.
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Nicht zu stoppen: Die Diskussion um die Wasserabgabe aus dem Edersee.

Kein ergiebiger Regen in Sicht. Der Wasserstand im Edersee fällt rasant. Der Regionalverband Eder-Diemel erhebt darum eine drastische Forderung.

  • Der Regionalverband Eder-Diemel fordert für trockene Zeiten eine Sommerpause für die Wasserabgabe aus dem Edersee an die Weser
  • Außerdem will er die Mindestreserve im Edersee von 40 Millionen auf 65 Millionen Kubikmeter aufstocken
  • Die Interessengemeinschaft Oberweser/Eder- und Diemelsee hält die Sparmöglichkeiten am Edersee im Sommer dagegen für fast ausgereizt

Sinkt der Pegel im Edersee weiter in dieser Geschwindigkeit, naht schon um Augustmitte die letzte Chance, Segelboote per Kran aus dem Edersee zu holen. Denn bis dahin sackt die Talsperre von jetzt 86 Millionen voraussichtlich auf die Mindestreserve von 40 Millionen Kubikmeter ab. Dann ist auch Schluss mit der Hilfe für die Weser.

Spar-Vereinbarungen von 2019 reichen Anrainern am Edersee nicht

In dieser Situation verlangt der Regionalverband Eder-Diemel (RVED) weitaus strengeres Sparen, um in Zukunft mehr Wasser im Edersee zurückzuhalten. Der heimischen Interessenvertretung reichen die 2019 vereinbarten Schritte nicht. Deren Wirkung wollen das Regierungspräsidium (RP) Kassel und dasWasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Hann. Münden erst mal über fünf Jahre auswerten.

"Brauchen bis Ferienende 125 Millionen Kubikmeter Wasser im Edersee"

Bald müssen die meisten Segelboote aus dem See geholt werden.

„Bis zum Ende der Sommerferien in Hessen brauchen wir 125 Millionen Kubikmeter im Edersee“, sagt Thomas Hennig vom RVED. Erreicht die Talsperre diese Marke im Sommer, soll die Abgabe aus dem Edersee nach dem Willen des Verbandes aufs Minimum gedrosselt werden: 

kein Wasser mehr für die Weser-Schifffahrt also, eine Art Sommerpause für die Wasserabgabe aus dem Edersee. Im Prinzip so lange, bis es im September/Oktober wieder regnet.

Mindestreserve im Edersee von 40 auf 65 Millionen Kubikmeter erhöhen

Zusätzlich will der RVED die Mindestreserve in der Edersee-Talsperre von derzeit 40 auf 65 Millionen Kubikmeter Wasser erhöhen. Damit würde generell der Puffer für etwaige Trockenheit gestärkt.

Der RVED führt neben dem Tourismus den Naturschutz an. Mehr als 40 spezialisierte Pflanzen von Roten Listen seien durch den frühen, niedrigen Wasserstand bedroht. Gleiches gilt für die Brut von Wasservögeln, deren Nester trocken fallen.

Weser-Anrainer fürchten Aus für Kies- und Betonwerke

Die Interessengemeinschaft Oberweser/Eder- und Diemelsee hält aber in Gestalt ihres stellvertretenden Vorsitzenden Dr. Peter Könemann (Porta Westfalica) dagegen. Der im vorigen Jahr vereinbarte Sparbetrieb erlege als Kompromiss „allen beteiligten Seiten Einschränkungen auf.“ 

Unter den Spar-Zielpegel von 1,15 Meter zu gehen oder die Weser gar im Sommer zeitweise überhaupt nicht zu stützen, „würde das Aus für Kies- und Betonwerke an der Weser bedeuten.“

Schwimmende Kiesbagger an der Weser brauchen Wasser aus dem Edersee

Schon bei 1,15 Meter führen sie Teillast und damit hart an der Grenze der Wirtschaftlichkeit. Die Monate Juli und August seien die nachfragestärksten im Kiesabbau, den die Schwimmbagger entlang der Weser leisten. 

Weil die Betonwerke im Zuge der Just-in-time-Fertigung kaum noch Lagerkapazitäten vorhielten, sei eine Produktion auf Halde unmöglich.

Umstritten: Situation der Weser-Fähren mit weniger Wasser aus dem Edersee

Weiterer großer Leidtragender wären die Bauernhöfe entlang der Weser, meint Könemann. „Um die Ernte im Juli und August einzubringen, braucht die Landwirtschaft mangels Brücken die Fähren“, betont er. Thomas Hennig wiederum verweist darauf, dass die Fähren durchaus bei weniger Wasser verkehren könnten, als der jetzige Sparpegel von 1,15 Meter liefert.

Aus Könemanns Sicht sind die Spar-Chancen im Sommer dagegen weitgehend ausgereizt. Allenfalls sei vorstellbar, den aktuellen Sparpegel von 1,15 Meter (statt der normalen 1,20 Meter) noch zeitiger im Frühjahr als Steuerungsziel auszugeben.

Landrat Kubat für Warten auf Auswertung zum Edersee 2024

Landrat Dr. Reinhard Kubat verweist auf Nachfrage auf die 2019 vereinbarten Schritte zum Wassersparen, „die in den kommenden Jahren beobachtet und schlussendlich final ausgewertet werden müssen.“ Er halte an diesen Vereinbarungen fest. Damit schließt sich Kubat der Haltung von Regierungspräsidium und WSA im Ederseegespräch an. 

„Trotzdem ist ein ständiger Austausch aller Interessensgruppen wichtig“, fügt der Landrat hinzu. 

Landrat Kubat gegen Übernahme des Edersees durch das Land Hessen

Einem jüngst geäußerten Ansinnen aus Edersee-Anwohnerkreisen erteilt er eine Absage: der Übernahme der Talsperre durchs Land Hessen. „Die Zuständigkeit für den Edersee als Bundeswasserstraße sollte unbedingt in den Händen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes verbleiben“, schließt Kubat. 

Der Landkreis sitzt im Vorstand der IG Oberweser. Dem RVED, dem unter anderen Edersee-Touristic, Anrainer- und weitere heimische Kommunen angehören, ist er bisher nicht beigetreten.

Erste Urlaubsgäste am Edersee enttäuscht vom Wasserstand

Erste Rückmeldungen der Enttäuschung wegen des Wasserstandes verzeichne die Edersee-Touristic bei Urlaubsgästen, sagt Geschäftsführer Claus Günther. „aber wir haben Glück, dass viele Gäste wandern und Rad fahren.“ 

Marke "Edersee" trägt Wasser im Namen

Die Marke „Edersee“ trage Wasser im Namen und müsse diese Erwartung erfüllen. Günther verweist auf 570 Millionen Euro Wertschöpfung brutto in der Erlebnisregion Edersee aus dem Tourismus. Er unterstützt das Engagement des Regionalverbandes Eder-Diemel: 

„Angesichts des Klimawandels brauchen wir weitere Kompromisse für einen sparsameren Umgang mit Wasser. Ohne Polemik.“ Zugleich suche man Wege, bei niedrigeren Pegeln attraktiv zu bleiben. So gebe es die Idee, am Edersee eine vom Wasserstand unabhängige Naturbade-Möglichkeit zu schaffen.

Nach dem Ederseegespräch Anfang Juli forderte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber ein vorläufiges Ende der Debatte um die Bewirtschaftung des Edersees.

Bald taucht Edersee-Atlantis wieder auf, wie ein spektakuläres Drohnenvideo zeigt.

Und ein neues Großprojekt für den Edersee liefert Stoff für Streit.

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