Spielball von Machtinteressen

Wildtierpark Edersee vor 51 Jahren trotz heftigen Widerstands gegründet

Im neu eröffneten Wildpark: Von links Ideengeber und Revierförster Walter Tassius, Landtagsabgeordneter Hans-Otto Weber, Jan Hücker, Oberforstmeister Hugo Hücker, (dahinter unbekannt), Kreistagsabgeordneter Walter Gottmann und Gemeindevertreter Willy Bremmer. Auf dem Bild fehlen Heinz-Werner Höhle und Peter Krüger.  Reprofoto Uli Klein/pr
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Im neu eröffneten Wildpark: Von links Ideengeber und Revierförster Walter Tassius, Landtagsabgeordneter Hans-Otto Weber, Jan Hücker, Oberforstmeister Hugo Hücker, (dahinter unbekannt), Kreistagsabgeordneter Walter Gottmann und Gemeindevertreter Willy Bremmer. Auf dem Bild fehlen Heinz-Werner Höhle und Peter Krüger.

Der Wildtierpark Edersee wurde vor 51 Jahren feierlich eröffnet. Ein zähes Ringen wurde damit beendet. Heute ist der Park ein Publikumsmagnet in Nordhessen.

  • Der Wildtierpark Edersee wurde vor 51 Jahren nach erheblichem Widerstand eröffnet.
  • Heute ist der Park im „Bericher Holz“ bei Hemfurth/Edersee ein Publikumsmagnet in Nordhessen.
  • Die geplanten Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen wurden wegen der Corona-Pandemie abgesagt.

Hemfurth-Edersee – Die geplanten Jubiläumsveranstaltungen zum 50-jährigen Bestehen in 2020 mussten Corona-bedingt abgesagt werden. An die ereignisreiche Geschichte der beliebten Einrichtung erinnert nun die WLZ in einigen Beiträgen in loser Reihenfolge.

Unzählige Debatten im Vorfeld

Seine Existenz verdankt die Anlage vier Männern aus Edersee und Hemfurth: Heinz-Werner Höhle, Willy Bremmer, Peter Krüger, Walter Gottmann. Sie hatten es mit politischen aber auch persönlich motivierten Machtinteressen zu tun.

Mit Beharrlichkeit und Geschick gelang es ihnen, dass der Vorschlag des Ideengebers, Revierförster Walter Tassius, nach zwei Jahren zähen Ringens in die Tat umgesetzt werden konnte. Vorausgegangen waren unzählige Debatten und die Entscheidung des Landes für Bau und Betrieb eines Wildparks am Südufer des Edersees.

Willy Bremmer: Pläne wurden torpediert

Während ihrer zeitintensiven und nervenaufreibenden Mission wurden die Initiatoren vom damaligen SPD-Landtagsabgeordneten Hans-Otto Weber, Wirtschaftsminister Rudy Arndt und Landesforstmeister Dr. Hans-Joachim Fröhlich unterstützt.

Im Grunde standen sich zwei Lager auf landes- und kommunalpolitischer Ebene gegenüber. Im Landkreis Waldeck waren dies die Befürworter aus den Reihen des SPD-Ortsvereins Hemfurth-Edersee mit Gemeindevorsteher Heinz-Werner Höhle, Gemeindevertreter Willy Bremmer und Peter Krüger an der Spitze sowie der Kreistagsabgeordnete Walter Gottmann.

Auf der anderen Seite hatte sich das vom parteilosen Landrat Dr. Karl-Hermann Reccius angeführte konservative Lager positioniert, das sich den Interessen der Jägerschaft verpflichtet fühlte. Ob in der Gemeinde oder im Regierungspräsidium – in nahezu allen Behörden oder beteiligten Einrichtungen habe es Lobbyisten gegeben, die die Pläne torpedierten, erinnert sich der 91-jährige Willy Bremmer.

Standort in der Gemeinde Netze im Gespräch

Ihr größter Widersacher sei aber Landrat Reccius gewesen. Er und die Kreisverwaltung hatten sich für einen Standort in der Gemeinde Netze starkgemacht. In Hemfurth gab es Bedenken wegen bestehender Jagdrechte. Ein ortsansässiger Gastronom und zugleich einflussreicher Waidmann habe im Hintergrund die Fäden gegen die Einrichtung gezogen. Und dies aus puren Eigennutz. Es sei dabei um den Fortbestand der Jagdreviere gegangen.

Die Parkpläne seien letztendlich zum Spielball unterschiedlicher Interessen geworden. „Um ans Ziel zu kommen, mussten wir also mit allen Tricks arbeiten“, blickt Bremmer zurück.

Zaunbau als „infanteristische Übung“

Landtagsabgeordneter Hans-Otto Weber überzeugte die Mehrheit der Parlamentarier in Wiesbaden davon, dass „die Mittel für den Wildpark am Edersee einer guten Sache am richtigen Platz und zur rechten Zeit“ dienen würden. Am 12. August 1970 entschied sich das von der SPD dominierte Hessische Kabinett endgültig für die Gemarkung Bericher Holz.

Oberförster Walter Tassius, die vier Initiatoren, Waldarbeiter, Männer des Bundesgrenzschutz-Wachbataillons aus Bonn – sie hatten den Wildparkzaun unter Leitung eines Hauptmanns Bode in zwei Monaten im Zuge mehrerer als „infanteristische Übung“ bezeichneter Arbeitseinsätze errichtet – die Feuerwehr Hemfurth-Edersee sowie weitere Unterstützer stampften in rekordverdächtiger Zeit das Wildgehege aus dem Waldboden.

Vom Trägerverband zum „Verein der Freunde und Förderer des Wildparks Edersee“

Auch formal tat sich einiges. Die damals frisch fusionierten Gemeinden Edersee und Hemfurth, Affoldern und Bringhausen bildeten mit der hessischen Forstverwaltung und dem Staatsbad Bad Wildungen ab 19. Juni 1971 einen Trägerverband. Vom Wildpark Edersee erhofften sich die Befürworter eine Attraktivitätssteigerung der Naherholungs- und Urlaubsregion sowie Impulse für den Tourismus. 1972 wurde die Zweckgemeinschaft wegen haushaltsrechtlicher Vorschriften der Forstverwaltung in eine Fördergemeinschaft umgewandelt. Sie heißt bis heute „Verein der Freunde und Förderer des Wildparks Edersee“.

Die Vereinssatzung stammte aus der Feder von Oberforstmeister Hugo Hücker, dem späteren Forstdirektor und Wildparkchef sowie langjährigen Leiter des Forstamtes Edertal. Nach seiner beruflich aktiven Zeit wurde der Wildpark 2004 zu einer Einrichtung des Nationalparks Kellerwald-Edersee. Seither trägt das Gehege die Bezeichnung: „Wildtier-Park Edersee“. red

Bis heute eine Erfolgsgeschichte: Nach zähem Ringen wurde aus dem Wildtierpark Edersee ein Publikumsmagnet in Nordhessen.
Tierparkbewohner und Besucher: Fischotter kommen ohne Scheu auch an Land, wenn sie die Zuschauer am Zaun aus der Nähe betrachten wollen.

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