Sumpfmeise, Sperling, Gimpel und Co. entdecken

Vögel beobachten am Hessischen Futterhaus im Edertaler Freilandlabor

Hessisches Futterhaus: Das Modell mit drei Etagen steht im Freilandlabor in Bergheim.
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Hessisches Futterhaus: Das Modell mit drei Etagen steht im Freilandlabor in Bergheim.

Eine besonders gute Möglichkeit, Vögel zu beobachten, bietet das Hessische Futterhaus in der Gemeinde Edertal.

  • Im Freilandlabor des NABU Edertal werden am Hessischen Futterhaus auf drei Etagen ganzjährig Vögel gefüttert.
  • Die Anlage unterhalb der Bergheimer Edermühle ist besondere geeignet zur Vogelbeobachtung.
  • Am Hessischen Futterhaus des Edertaler NABU werden für wissenschaftliche Zwecke Vögel gezählt, beringt und kontrolliert.

Edertal – Das Modell steht im Freilandlabor des NABU Edertal, das mit seinen vielfältigen Lebensräumen auch ein außerschulischer Lernort ist. Die Anlage unterhalb der Bergheimer Edermühle ist nur wenige Minuten vom Edertaler Schulzentrum entfernt. Hier finden Vögel ganzjährig Futter.

Fettfutter für Weichfresser

Das Hessische Futterhaus hat drei Etagen. Die bodennahe untere Etage wird vor allem von Vogelarten aufgesucht, die sich nicht in ein weitgehend geschlossenes Futterhaus trauen, darunter die sogenannten Weichfresser, die gern Fettfutter annehmen wie Rotkehlchen, Amseln, Stare oder Spechte. Fettfutter besteht aus Haferflocken, die mit Rindertalg angereichert sind.

Vogelbeobachter nehmen sich eine halbe Stunde Zeit, um aus einer nicht störenden Entfernung mit dem Fernglas die Vögel am Futterhaus zu beobachten. Welche Arten sind vertreten? Wie kann man bei manchen Arten die Geschlechter unterscheiden? Wie verhalten sich die Vögel an der Fütterung? Welches angebotene Futter fressen die verschiedenen Arten? – Viele Fragen stellen sich.

Drei Meisenarten am Hessischen Futterhaus

Da sind zunächst Meisenarten zu identifizieren: Kohlmeise, Blaumeise und Sumpfmeise. Während bei Blau- und Sumpfmeise die Geschlechter nicht zu unterscheiden sind, ist das bei der Kohlmeise gut möglich: Männchen haben einen breiteren schwarzen Streifen als die Weibchen, der sich über Brust und Bauch hin zieht. Die Sumpfmeise ist leicht mit ihrer Geschwisterart, der Weidenmeise, zu verwechseln, aber die lässt sich kaum am Futterhaus blicken.

Im Sommer ernähren sich die Meisen überwiegend von Insekten, aber im Winter nehmen sie gern Sonnenblumenkerne an. Zu den Körnerfressern gehören Buch- und Grünfink, die Haussperlinge, der Gimpel und der Kernbeißer. Die Sperlinge bilden an diesem Tag mit mindesten 23 Vögeln die größte Fraktion. Aber sie lassen sich schlecht zählen, kaum haben sie einen paar Nahrungsbrocken erhascht, verschwinden sie schlagartig – ohne erkennbare Ursache – im Gebüsch des Nachbargartens.

Waldbewohner auf Futtersuche in der Ederaue

Die zweitgrößte Besuchergruppe sind die Goldammern, mindestens acht Exemplare. Die Männchen sind an der intensiveren Gelbfärbung zu erkennen.

Plötzlich taucht ein Buntspecht auf. An dem roten Nackenfleck ist er als Männchen zu identifizieren. Er fliegt in das Futterhaus und dann an einen der beiden Gittersilos, wo er schaukelnd an den Meisenknödeln pickt. Und da ist noch ein kleinerer Specht mit roter Kopfplatte – ein Mittelspecht.

Eigentlich ist er ein Waldbewohner, der bevorzugt an alten Eichen anzutreffen ist, aus deren rauer Rinde er als sogenannter Suchspecht Insekten pickt. Die alten Weiden in der Ederaue sind auch zur Nahrungssuche geeignet. Er nimmt im Winter aber auch gern Fettfutter an.

19 Vogelarten mit 60 Individuen gezählt

Insgesamt werden bei diesem Besuch am Hessischen Futterhaus 19 Vogelarten mit 60 Individuen gezählt. Viele tragen einen Aluminiumring. Der Biologe Michael Wimbauer aus Hundsdorf hat sie im Rahmen eines wissenschaftlichen Projekts am Hessischen Futterhaus mit kaum sichtbaren Japannetzen gefangen und mit Ringen der Vogelwarte Helgoland gekennzeichnet.

Im Winter 2019/20 beringte er 273 Vögel, darunter 120 Blau- und 62 Kohlmeisen sowie 18 Amseln. Seit 2012 hat er 30 Arten am Futterhaus gefangen.

Spannende Ringfunde erhellen die Vogelwelt

Etliche Ringfunde der am Hessischen Futterhaus gefangenen Vögel geben Aufschluss über deren „Biografie“.

So beringte Michael Wimbauer am 1. August 2019 eine diesjährige Blaumeise, die vermutlich in einem der Nistkästen des Freilandlabors erbrütet wurde. Dieser Vogel wurde am 24. November 2019 in Belgien kontrolliert – 340 Kilometer entfernt. Der Ringfund beweist, dass die heimischen Blaumeisen zum Teil im Winter wegziehen.

Eine andere junge Blaumeise wurde ebenfalls in Belgien am 4. November 2015 beringt. Diesen Vogel kontrollierte Wimbauer in den beiden darauf folgenden Wintern gleich zweimal. Demnach kann das Zugverhalten in verschiedenen Jahren variieren.

Bei den Meisen, die im Winter am Futterhaus beobachtet werden, muss es sich keineswegs nur um heimische Vögel handeln. So hat zum Beispiel die Beringung von Kohlmeisen ergeben, dass im Winter Individuen aus Ost- und Nordeuropa zu uns kommen. Von Wolfgang Lübcke

Wintergast: Dompfaff (Gimpel)-Männchen.
Kernbeißer: Sein Markenzeichen ist der auffällig kräftige Schnabel.

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