Mehr Leistung auf der 43 Kilometer langen Versorgungsstrecke

Vollgas in Affoldern an der Strom-Autobahn: Freileitung von Borken bis Twistetal wird erneuert

Wie eine Tuschezeichnung: Freileitungsmonteure arbeiten am Leitungsnetz der 75 Meter hohen Strommasten.
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Wie eine Tuschezeichnung: Freileitungsmonteure arbeiten am Leitungsnetz der 75 Meter hohen Strommasten.

Auf 75 Meter hohen Strommasten bei Affoldern arbeiten Freileitungsmonteure am Leitungsnetz. Die über 40 Jahre alte Stromversorgungsleitung zwischen Twistetal und Borken wird in den nächsten Jahren komplett erneuert.

  • Die 40 Jahre alte Stromversorgungsleitung zwischen Twistetal und Borken wird auf der kompletten 43 Kilometer langen Strecke erneuert.
  • Neue Hochtemperaturseile ermöglichen einen größeren Stromtransport. Die geplante Leistungserhöhung soll voraussichtlich im Jahr 2023 zur Verfügung stehen.
  • Bereits Dezember 2020 soll die „Umseilung“ auf einem zwei Kilometer langen Abschnitt bei Affoldern fertig sein.

Edertal – Auf der 43 Kilometer langen Trasse werden die Leiterseile an 114 Masten ausgetauscht gegen moderne Hochtemperaturseile. Im Jahr 2023 soll die geplante 380-Kilovolt-Leistungsverstärkung zur Verfügung stehen.

Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet will die Leitung, die Nordhessen seit 1974 mit Strom versorgt, grundhaft erneuern. Nach über 40 Jahren sind die stromführenden Leiterseile dieser wichtigen Bestandsleitung am Ende ihrer betrieblichen Lebensdauer angekommen. Die neuen Seile sollen etwa 70 Jahre halten.

Instandsetzung und Netzverstärkung an Stromleitung geplant

Es ist jedoch mehr als eine Instandsetzung, denn die Umseilung verstärkt das vorhandene Netz deutlich. Mit den Hochtemperaturseilen wird die Leistung von bisher 2750 auf 4000 Ampère erhöht. „Tennet ist vom Gesetzgeber verpflichtet, eine Erhöhung der Stromtragfähigkeit umzusetzen“, erläutert Pressereferent Markus Lieberknecht den Hintergrund.

Das sei notwendig für künftige Übertragungsaufgaben. Im Zuge der Energiewende soll es beispielsweise problemlos möglich sein, regenerativ erzeugten Strom aus Windenergieanlagen an der deutschen Küste bis nach Süddeutschland zu leiten.

„Heiße Seile“ für schnelleren Stromtransport

Die neuen Seile ermöglichen einen erhöhten Stromtransport, weil sie sich Dank einer Legierung aus Aluminium bis auf 150 Grad erwärmen können. Bisher waren maximal 80 Grad Celsius üblich, erläutert Lars Brahmann, zuständig für die Projektabwicklung.

Heiko Böhnert mit einem Stück des neuen Hochtemperaturseils.

Der Mast 53 bei Affoldern ist zurzeit Dreh- und Angelpunkt. Die Freileitungsmonteure hantieren in schwindelnder Höhe, befestigen gesichert und mit Leitungsfahrwagen neue Isolatoren und tauschen die stromführenden Seile aus.

Abschnitt bei Affoldern im Dezember fertig

Vor dem Einbau der „heißen Seile“ wurden Standsicherheit der Masten und Mindestabstände der Leitungsseile zum Boden überprüft, skizziert Heiko Böhnert, zuständig für Bauaufsicht und Betrieb, die Maßnahmen. Hinsichtlich der elektrischen und magnetischen Felder werden auch nach der Umbeseilung die geltenenden Grenzwerte eingehalten, betonen die Tennet-Sprecher.

Aktuell sind im Auftrag von Tennet rund 20 Mitarbeiter des Unternehmens Silva und Vinha aus Portugal im Raum Affoldern an der nordhessischen Strom-Autobahn beschäftigt. Diese zwei Kilometer lange Etappe soll voraussichtlich am 11. Dezember abgeschlossen werden. Im Frühjahr gehe es dann mit Volldampf weiter. Dann werden bis zu 200 Mitarbeiter für die Instandsetzung und Leistungsverstärkung an mehreren Abschnitten der kompletten Trasse eingesetzt.

Parallel saniert auch Netzversorger Avacon Freileitung von Borken nach Waldeck

Für die Leistungserhöhung gebe es ein Genehmigungsverfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. Der Betrieb sei erst dann möglich, wenn er durch das Regierungspräsidium genehmigt ist, betont Lieberknecht. „Die Inbetriebnahme ist für das dritte Quartal 2023 vorgesehen“, sagt Tennet-Kommunikationsmitarbeiterin Maria-Elena Richter zum anvisierten Zeitplan.

Parallel saniert zurzeit auch der Netzversorger Avacon derzeit die etwas niedrigere Freileitung von Borken nach Waldeck auf insgesamt 20 Kilometern. Unter anderem werden 528 Isolatoren und andere Komponenten an der 60 Jahre alten Freileitung ausgetauscht.

Vorbereiten auf die Energiewende in Deutschland

Deutschland steht vor einem Wandel der Energieversorgung: Laut Beschluss der Bundesregierung gehen bis 2022 alle Kernkraftwerke vom Netz. In 2050 sollen erneuerbare Energien bis zu 80 Prozent der Stromversorgung abdecken. Der Netzbetreiber Tennet erneuert dafür die 380 Kilovolt-Freileitung von Twistetal nach Borken und weiter nach Vieselbach bei Erfurt und ertüchtigt sie für einen höheren Stromtransport.

Tennet ist einer der führenden Netzbetreiber Europas mit 4500 Mitarbeitern und 23 000 Kilometer Hoch- und Höchstspannungsleitungen für 41 Millionen Verbraucher

Riesentrommel am Haken: 3500 Meter Hochspannungskabel werden mit der Seilwinde abgerollt.
Hoch hinaus mit dem Leitungsfahrwagen.
Stramm halten: Mitarbeiter eines Unternehmens aus Portugal arbeiten im Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Tennet bei Affoldern.

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