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WhatsApp-Foto von Riesenwels kursiert rund um den Edersee

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Von: Matthias Schuldt

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Riesenwels im Neckar
Diesen Riesenwels von 2,16 Länge zog ein professioneller Sportangeler 2012 aus dem Neckar. Wurde nun ein 20 Zentimeter längeres Exemplar am Rehbach aus dem Edersee gezogen? © Merkel/dpa/Archiv

Ein Foto macht in WhatsApp-Gruppen um den Edersee die Runde: darauf ein Mann, der, im Wasser hockend, einen sehr großen Wels am Hinterende unterfasst.

Edersee – Das Tier hat seinen beachtlichen Schlund weit geöffnet, einschließlich der charakteristischen, langen Barteln an den Seiten des Mauls. Es handelt sich um eine Nachtaufnahme.

Zum Bild gesellt sich die Angabe, dass dieser 2,36 Meter lange Wels angeblich am Rehbach gefangen worden sei. Um es vorwegzunehmen: Trotz intensiven Nachfragens von einem Kontakt zum nächsten gelang es der WLZ-Redaktion nicht, den abgebildeten Mann oder den Fotografen ausfindig zu machen sowie die Bildrechte zu klären.

Kenner des Edersees halten Fang eines großen Welses für realistisch

Zwei Fragen lassen sich nicht endgültig beantworten: Ist das Foto echt? Falls ja, entstand es auch am Rehbach? Einige Details lassen an der Authentizität des Bildes zweifeln. Doch handele es um eine Montage, sei sie sehr gut und mit hohem Aufwand ausgearbeitet, beurteilen es heimische Fotobearbeitungs-Experten.

Ob – unabhängig davon – die Ortsangabe stimmt, lässt sich nur auf Grundlage des Bildes nicht einschätzen.
Aber: Zwei Fachleute aus dem Landkreis halten es für realistisch, dass ein rund zwei Meter langer „Waller“ – wie der Flusswels auch genannt wird – am Edersee gefangen wird. Ein 1,60 Meter langes Tier war 2017 Gegenstand eines Zeitungsberichtes.

Welsbestand im Edersee nimmt zu

„Es gibt Welse im Edersee, und ihr Bestand nimmt zu“, sagt Fischmeister Andreas Rohn von der Interessengemeinschaft Edersee, die die Angelscheine ausgibt. „Größen zwischen einem und zwei Meter sind möglich“, ergänzt er. Gleichwohl ist er skeptisch: „Mit Weitwinkel fotografiert, wirken die Tiere oft länger, als sie sind.“

Boris Wagner aus Lichtenfels Goddelsheim schließt die 2,36 Meter nicht aus. Tendenziell steigende Wassertemperaturen – zusätzlich befördert durch Niedrigwasser – verlängern die jahreszeitlichen Aktivitäten des wechselwarmen Tieres.

Pro Meter Länge zehn Lebensjahre als Faustregel für Flusswels

„Die Welse fangen früher an zu fressen und hören Richtung Herbst später auf. Sie wachsen rascher“, erklärt Wagner. Er betreibt in Goddelsheim eine Fischzucht und einen Angelpark, in dem die Kundschaft auch Welse fängt. Nicht das große Zuchtpaar, aber dessen Nachkommen bis etwa einen Meter Länge.

„Pro Meter rechnet man bei einem Wels etwa zehn Lebensjahre“ , erklärt Wagner. Ein Tier von 20 Jahren bringe bis zu 100 Kilogramm auf die Waage. „Versuchen Sie mal, das an Land zu bringen. Es windet sich wie ein Krokodil und hat Kraft.“ Ein Schlag mit dem Hinterleib könne einen Arm brechen, meint Wagner.

Welse gelangten vor 50 Jahren irrtümlich in den Edersee

Wenn ein solcher Waller am Rehbach gefangen worden wäre, habe der betreffende Angelfischer wahrscheinlich mit spezieller Ausstattung und speziellen Kenntnissen gezielt Welsen nachgestellt. „Sie sind vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv“, begründet Boris Wagner seine Einschätzung. Welse oder auch Waller kommen nicht natürlich in der Eder vor. Einige dieser Fische wurden laut Interessengemeinschaft Edersee versehentlich 1973 mit Hechten und Zandern in den Edersee eingesetzt. Seitdem vermehren sie sich. 15 bis 25 pro Jahr werden gefangen, sagt Fischmeister Andreas Rohn.

„Die Tiere müssen herausgenommen und dürfen nicht wieder frei gelassen werden“, fügt er hinzu. Der gezielte Fang wird dadurch erschwert, dass am Edersee nur von Sonnenaufgang bis 24 Uhr geangelt werden darf, der Wels als nachtaktives Tier aber außerhalb dieser Zeitspanne effektiver zu fangen wäre, sagt Boris Wagner. Der Wels ist ein Raubfisch, der Aas nicht verschmäht. Fische und vor allem junge, kleinere Wasservögel zählen zu seiner Beute, die er durch ruckartiges Aufreißen des Mauls einsaugt. Kleine Zähne und Knochenschuppen im Schlund verhindern, dass sein Futter dem Wels wieder entkommt. Menschen kann das Tier mit dieser Ausstattung höchstens Schürfwunden zufügen, sagen Experten. (mm/su)

Durch die Entstehung des Edersees versanken die Überreste mehrerer Dörfer in den Fluten. Noch heute kann man Teile der alten Siedlungen, das Edersee-Atlantis, besichtigen.

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