Auswirkungen auch auf Eder und Affolderner See befürchtet

Wasserablass im Edersee bringt Fische  in Not: Zander sterben an der Staumauer

Der Edersee ist bekannt für seinen sehr guten Zanderbestand: Die „Sauerstoffblase“ vor der Sperrmauer, die durch kräftigen Wasserablass stetig abnimmt, wurde jetzt etlichen Tieren zum Verhängnis. Großes Foto: PantherMedia/rostislavstefanek.seznam.cz/Kleines Foto: Daniel Gaedeke/pr

Edersee. Zappelnde Fische im Todeskampf und zahlreiche tote Tiere direkt an der Edertalsperre schreckten am Wochenende Besucher des Stausees auf.

Axel Finke, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edersee, die für den Naturpark Kellerwald-Edersee die Bewirtschaftung des Fischbestands übernimmt, hat am Sonntag rund 300 tote Fische gezählt. „Es handelt sich überwiegend um Zander.“

Aufgetrieben sind die Kadaver in einem Bereich etwa 200 Meter vor der Staumauer. Hauptursache sei nicht ein Sauerstoffmangel im Stausee, so wie ursprünglich von vielen Passanten angenommen. Wenn das der Fall wäre, „hätten wir ein Fischsterben am gesamten See“, merkte Finke an.

14 Meter unter Vollstau

Der IG-Vorsitzende macht vielmehr das stetig schwindende kühlere Wasser in den tieferen Lagen des Edersees dafür verantwortlich. In diese Wasserschichten vor der Sperrmauer ziehen sich nämlich Raubfische bei sinkendem Pegel und starker Sonneneinstrahlung zurück. Wird dann, wie aktuell, viel Wasser durch die Grundablässe der Staumauer in die Eder abgegeben, schrumpft diese „Sauerstoffblase“ vor der Staumauer. Während Hechte und Rotaugen leichter in größere und sauerstoffreichere Wasserschichten aufsteigen können, gerieten Zander aufgrund ihrer besonderen Anatomie in Not, weil ihre Schwimmblase Schaden nimmt. „Sie sterben, wenn sie zu schnell auftauchen“, sagt Finke.

Mit einem Massensterben von Zandern rechnet der IG-Vorsitzende allerdings nicht, da nur die Tiere in der immer kleiner werdenden Sauerstoffblase an der Staumauer betroffen seien. Zur Zeit ist der Edersee noch zu 39 Prozent gefüllt und hat einen Wasserstand von über 14 Metern unter Vollstau. Weiterhin wird kräftig Wasser abgelassen zur Stützung der Schifffahrt auf der Weser.

Wärme schockt bald auch Fische in der Eder

Gravierende Auswirkungen befürchtet IG-Vorsitzender Axel Finke auch am Affolderner See und in der Eder, wenn der Edersee weiter leer läuft und das kalte Wasser ausbleibt. „Dann gibt es einen massiven Temperaturschock, und es wird schlagartig warm.“ 

Davon seien vor allem Kaltwasserfische wie Forelle und Äsche betroffen. Für schnelle Hilfe durch Drosselung der Wasserabgabe aus dem Stausee sei jetzt zu spät. 

Eine Lösung für die Zukunft liegt nach Ansicht Finkes allein in der Wasserbewirtschaftung. „Wenn man das Sterben verhindern will, muss man das kalte Tiefenwasser länger bevorraten.“ Der IG-Chef: „Wenn man die Europäische Gesetzgebung und damit die Wasserrahmenrichtlinie ernst nimmt, dann ist es absolut notwendig, die Bewirtschaftung der Talsperre zu ändern.“ 

In dieselbe Kerbe schlägt auch Rainer Paulus, Geschäftsführer des Naturparks Kellerwald-Edersee. Das Wasser- und Schifffahrtsamt habe viel und viel zu schnell Wasser aus dem Stausee abgelassen. „Das ist nicht in Ordnung.“ 

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