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„Weiter so“ beim Bewirtschaften des Edersees „ist inakzeptabel“

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Von: Matthias Schuldt

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Ende wegen zu viel Gelände und zu wenig Wasser gilt nicht nur fürs Surfen in der Bringhäuser Bucht.
Ende wegen zu viel Gelände und zu wenig Wasser gilt nicht nur fürs Surfen in der Bringhäuser Bucht. © Matthias Schuldt

Der Regionalverband Eder-Diemel fordert angesichts des vierten trockenen Sommers in den letzten fünf Jahren endlich ein schonenderes Bewirtschaften des Edersees.

Edersee – Ein frühes Ende der Saison, weil der Edersee die 40 Millionen Kubikmeter-Marke erreicht: „Das geschieht 2022 zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren“, unterstreicht der Regionalverband Eder-Diemel (RVED) in einer Pressemitteilung. Habe man 2018 noch von einem Ausnahmesommer sprechen können, sei die anhaltende Trockenheit in den Sommermonaten Normalität geworden. „Trotzdem waren die Behörden bisher nicht bereit, zusätzliche Wassersparmaßnahmen einzusetzen“, kritisiert der Verband.

Er verweist auf sein Konzept von 2020, demzufolge die Wasserentnahmen vom 15. Juli bis zum 15. August auf die Mindestabgabemenge begrenzt werden, sofern die Marke von 125 Millionen Kubikmetern im Edersee unterschritten werde. Für die „Haltelinie 125“ hätten sich auch die Anrainergemeinden, die Stadt Bad Wildungen und der Landkreis eingesetzt. „Immerhin gibt es seitens des Regierungspräsidiums und der Wasserschifffahrtsbehörde die Zusage, noch einmal darüber zu reden“, meint der RVED. Die aktuelle Situation zeige die Dringlichkeit.

Der Verband sei gerne bereit, über andere wirkungsvolle Konzepte zu sprechen. „Ein Ignorieren der klimatischen Veränderungen und ein ‘Weiter so’ ist inakzeptabel, zumal zu erwarten ist, dass sich der klimatische Trend weiter fortsetzt“, heißt es in der Pressemitteilung. Mit einer unveränderten Wasserhaushaltspolitik steigen nach Ansicht des RVED die Risiken für ein Austrocknen der unteren Eder.

Aktuell fließt kaum etwas in die Talsperre. Die Minimalabgabe liegt demgegenüber bei 6 Kubikmetern pro Sekunde, so dass nach weiteren 40 Tagen unter solchen Bedingungen die 20 Millionen Kubikmeter erreicht würden. Darunter gebe der See nur noch ab, was auch zufließe.

Trockene Jahre: Verlust des Edersees steht in keinem Verhältnis zum Nutzen für die Weser

Der Verband verlangt von den zuständigen Stellen ein Eingreifen, damit der Tourismus am Edersee keinen dauerhaften Imageschaden erleide. Die geltende Bewirtschaftungsrichtlinie verlange dem Eder- und dem Diemelsee sehr große Opfer ab, ohne dass der Weser-Region damit nachhaltig geholfen sei.

Der Wahlkreis der direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Esther Dilcher (SPD) umfasst sowohl den Edersee als auch die Oberweser. Als ausgebildete Mediatorin fordert sie dazu auf, dass sich alle Beteiligten „ohne Denkverbote“ zusammensetzen und nach Lösungen suchen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass an der Oberweser niemand ins Grübeln kommt angesichts des frühen Saisonendes 2022“, sagt sie.

Dilcher: Klimawandel zwingt dazu, mit weniger Wasser im Tourismus zurecht zu kommen

Was wäre es zum Beispiel mit dem Ansatz, die Abgabe aus dem Edersee an die Weser während des Sommerhalbjahres mit auszurichten an den Sommerferienzeiten der wichtigsten Zielgruppen-Bundesländer von Edersee- und Weser-Tourismus? „Es gibt für jedes Problem mehrere Lösungsvorschläge, wenn man gemeinsam überlegt“, antwortet Dilcher.

Andererseits müsse sich auch die Ederseeregion im Zuge des Klimawandels Gedanken machen, wie sie mit weniger Wasser auskomme. Die Zielgruppe der Wanderer und Radfahrer noch mehr in den Blick zu nehmen, hält sie ebenso für sinnvoll, wie etwa zu prüfen, ob sich ein Naturschwimmbad in unmittelbarer Nähe des Edersees realisieren lasse.

Es würde gerade Familien mit Kindern das Baden auch bei niedrigerem Wasserstand sichern. Eine Idee wie die von Badebuhnen im Edersee müsse rechtlich wie finanziell unter anderem mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung abgeklärt werden, bevor man sie zur Forderung erhebe. Gleiches gelte für Möglichkeiten, das Volumen des Edersees durch Ausbaggern zu vergrößern oder die Weserfahrrinne zu vertiefen, schließt sie.

Die Trockenheit am Edersee hat Folgen hier und an der Weser.

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