Jubiläumsfeier des Wildtierparks verschoben – Start zur neuen WLZ-Serie

Wildtierpark Edersee: 50 Jahre – 50 „wilde“ Tiere

+
Glücklichere Tage: Henriette  2016 mit Gast und am Eingang. Heute lebt sie im Gehege.

50 Jahre alt wird der Wild(tier)park Edersee im Herbst 2020, doch die Nationalparkverwaltung hat die für den Sommer geplante Jubiläumsfeier wegen Corona auf das Jahr 2021 verschoben.

Zum Trost stellt die Heimatzeitung in loser Folge unter dem Motto „50 Jahre – 50 „wilde“ Tiere“ vier- und zweibeinige Bewohnerinnen und Bewohner vor: mit Federkleid oder Fell, mit und ohne Krallen. Die Redaktion möchte so durch Infos und Anekdoten aus dem Wildpark, der inzwischen Wildtierpark heißt, die Wartezeit für die Fans bis zur Feier im nächsten Jahr verkürzen.

Ein gefallener Star

Manche Geschichte stimmt ein wenig traurig, wie die von „Henriette“. Sie ist so etwas wie ein gefallener Star. 2016 fand die Rothirschkuh im Wildpark am Edersee eine neue Heimat. Ein gutes Jahr alt war sie damals und eroberte die Herzen der Gäste im Sturm. Zutraulich lief sie frei übers Gelände, ließ sich nach Belieben streicheln und – natürlich – füttern. Henriette trat in der Besuchergunst die Nachfolge des Rothirsches „Janosch“ an, der Jahre zuvor gleiche Freiheiten genoss. Wegen seines Geweihs bestand im Herbst aber die Gefahr, dass er durch unbedachte Bewegungen jemanden hätte verletzen können und so endete seine Karriere.

Heimat Bückeburg

Henriette stammt aus Bückeburg. Als verwaistes Kalb und Flaschenkind wuchs sie in einer Försterfamilie auf. Der NDR drehte seinerzeit einen Film über einen Ausflug mit Eltern, Kindern, den zwei Hunden und klein Henriette. Als sie langsam erwachsen wurde, suchte der Adoptivvater ein neues Zuhause für die Hirschkuh und wurde am Edersee fündig.

Henriette fand sich gut zurecht, entwickelte aber wachsendes Selbstbewusstsein. Sie suchte regelmäßig noch mehr Freiheiten und hielt sich zum Beispiel gerne am Drehkreuz des Parkeingangs auf. Mehr und mehr wurde sie gegenüber den Besucherinnen und Besuchern leicht zudringlich. Die Verwaltung entschied daher, sie zu den Rothirschen ins Gehege zu geben.

Henriettes Tragik

Hier offenbart sich seitdem die Tragik der Henriette. Sie fühlt sich nicht wirklich als Hirsch, sondern weiterhin dem Menschenrudel zugehörig. Einsam und zurückgezogen zieht sie meist ihre Kreise durchs Gehege, berichtet Tierpfleger Thomas Wagener. „Nur wenn die Hormone verrückt spielen, ändert sich das“, fügt er hinzu.

Im Herbst deckt der Platzhirsch auch Henriette. Sie bekommt Nachwuchs und zieht ihn instinktsicher auf. Nach dieser Elternzeit kehrt sie zurück in ihr eigenes, aus Menschensicht von Melancholie geprägtes Leben. Aber es gibt Trost, sagt Thomas Wagener: „Ihre Jungen sind voll ins Rudel integriert.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare