Bürgerinitiative informiert Besucher im voll besetzten DGH in Böhne

Windkraft am Alten Wald: 27 Anlagen dicht an der Edertaler Grenze möglich

So könnte es aussehen bei Böhne: Windkraftanlagen im Alten Wald, nach einer Fotomontage der Bürgerinitiative. Fotomontage: Bürgerinitiative „Schützt den Alten Wald“

Edertal-Böhne. Auf dem Höhenrücken des Alten Waldes bei Naumburg sind aktuell sechs Windenergieanlagen geplant, und insgesamt 27 könnten dort entstehen.

Welche Folgen sie für Vögel, Landschaft und speziell die Einwohner von Königshagen und Böhne haben, darum drehte sich am Mittwoch ein Informationsabend der Bürgerinitiative (BI) „Schützt den Alten Wald“ im voll besetzten DGH in Böhne.

Die BI wollte aus verschiedenen Blickwinkeln über das Projekt informieren, „damit sich die Bürger selbst ein Bild davon machen können“, sagte Harald Poppenhäger, der den Abend moderierte. „Neue Windräder dürfen nicht gegen den Willen der Bürger durchgesetzt werden.“

In Vasbeck von 5 auf über 80 Windkraftanlagen

Jutta Franke aus Vasbeck schilderte persönliche Erfahrungen. Sie erzählte, wie sich das Dorf seit den 1980-er Jahren verändert hat. Damals wurden fünf 75 Meter hohe Kleinanlagen gebaut. „Jetzt haben wir 80, und weitere sollen noch errichtet werden. Und wir sind jetzt bei 230 Metern angekommen.“ 

Einwohner litten unter dem Zucken von Blinklichtern, ständigem Lärm und Schall. Rotoren schredderten zahllose Vögel.

"Kampfansage für den ländlichen Raum"

Dr. Detlef Ahlborn von der Bürgerinitiative Vernunftkraft sagte: „Die ganze Energiewende ist eine Kampfansage für den ländlichen Raum.“ 

Anhand von Zahlen zeigte er auf, wie weit Wunsch und Wirklichkeit bei der Energieversorgung auseinander liegen. Der Energieverbrauch sei allein mit erneuerbaren Energien nicht zu stemmen. Zusätzliche Windräder bedeuteten noch mehr Energie in Spitzenzeiten. Gleichzeitig werde der Bedarf an Tagen ohne Wind- oder Sonnenenergie jedoch nicht gedeckt.

In 2021 könnten sich die ersten Rotoren drehen

Lothar Fürstenberger skizzierte den besonderen Charakter des Alten Waldes. „Er ist lang und schmal, darin liegen vier Quellen, die Bad Wildungen versorgen.“ Das Gebiet gehöre zu den stärksten beflogenen Vogelzuglinien in Nordhessen. „Die Flügel der geplanten Rotoren mit einem Durchmesser von 120 Metern wirken wie ein Querriegel auf ihrem Flug vom Elbe- ins Edertal.“

 Ein Knackpunkt sei die geringe Wirtschaftlichkeit des Standorts aufgrund des grenzwertigen Windangebots. Wer die Risiken bei Ausfall trägt und die angefallenen Vorlaufkosten, sei nicht klar. Sollte im Juli ein Vertrag abgeschlossen werden zwischen der Stadt Naumburg und einem Projektentwickler, könnten sich schon in 2021 die Rotoren drehen.

„Wie stehen die Chancen, per Bürgerentscheid zu sagen, wie wir dazu stehen?“, wollte ein Königshagener wissen. „Die sind mau“, antwortete Ahlborn. Bis zum Beschluss des Naumburger Parlament „kann man noch Einfluss nehmen“, signalisierte Fürstenberger. 

Sollte die Stadt auf das Projekt verzichten, könnten trotzdem 16 Anlagen auf einer angrenzenden Windvorrangfläche in privatem Besitz gebaut werden, merkte ein Zuhörer an. „Dann wird es aber deutlich unattraktiver“, verwies Fürstenberger auf die Erschließung.

Eine Stellungnahme des Edertaler Bürgermeisters Klaus Gier und weitere Hintergrundinformationen lesen Sie in der gedruckten WLZ am Freitag. 

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