Bürgermeister überbringt der Gemeindevertreterversammlung schlechte Nachricht für Haupteinfallroute zum Edersee:

Wunsch der Gemeinde Edertal abgewiesen: „HessenMobil“ ignoriert bei Straßensanierung  die eigenen Fakten

„HessenMobil“ warnt vor Straßenschäden und behauptet zugleich: hier besteht kein dringender Sanierungsbedarf. Foto: Schuldt

Edertal. Kopfschütteln im Edertaler Parlament am Donnerstagabend, als Bürgermeister Klaus Gier mitteilte: „HessenMobil“ lehnt rundheraus den Vorschlag der Gemeinde ab, statt der L3086 Mehlen-Affoldern lieber die marode L3383 Bergheim-Lieschensruh rasch zu sanieren.

Die Begründung der Behörde: 2012 und 2016 seien die Zustände beider Strecken erfasst worden. Zwischen Bergheim und Lieschensruh bestehe kein dringender Bedarf. Zeitnahe Sanierung stehe nicht in Aussicht. Mehlen-Affoldern sei dagegen als sehr schlecht eingestuft. An der grundhaften Sanierung und Verbreiterung (frühestens) 2020 werde festgehalten. Obwohl die Strecke nach preiswertem Aufbringen einer dünnen Asphaltdecke wieder gut befahrbar ist. Dagegen warnt die Behörde – höchstselbst – durch Schilder zwischen Bergheim und Lieschensruh vor Straßenschäden auf zwei Kilometern Länge. Auf der Haupteinfallstraße Richtung Edersee.

701 000 Pkw täglich mehr

Als noch abwegiger erscheint die amtliche Bewertung den Edertalern nach dem Blick auf die Verkehrszählung, die „HessenMobil“ selbst im Jahr 2015 durchführte. Die Zahlen sind auf der Homepage über die Reiter „Über uns“, dann „Downloads und Formulare“ sowie „Straßenverkehrszählung 2015“ öffentlich einsehbar (Teilkarte: Waldeck-Frankenberg Süd)

Ergebnis: Die L3383 kommt auf 3900 Fahrzeuge täglich, die L3086 nur auf 2600. Dieser Umstand wiegt umso schwerer angesichts der Daten für Lastwagen: Über die L3383 fahren pro Tag 150, über die L3086 nur 80. Straßenbauingenieure rechnen seit den 1950ern bei den Belastungen für Fahrbahnen mit der „Vierer-Potenz“. Sie besagt im Ergebnis, dass ein einzelner Lkw die Straße in etwa so belastet wie 10 000 bis 15 000 Pkw. Rechnerisch erträgt die L3383 demzufolge mindestens 701 000 (!) Pkw am Tag mehr als die Strecke Mehlen-Affoldern.

Viele Lkw nicht mal erfasst

Hinzu kommt: Die Zähl-Stelle lag für die L3383 zwischen Bergheim und Wellen! Der Lastverkehr, der über die Bergheimer Hauptkreuzung zu- oder abfließt (tegut, vor allem Kies- und Betonwerk Oppermann, Big Drum) wurde somit großteils nicht erfasst.

Und: Als „Schwerlastverkehr“ gelten Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen. Zwischen Mehlen und Affoldern entsteht auf der L3086 beinah ausschließlich Ziel- und Quellverkehr, dessen Tonnage eher an der unteren Gewichtsgrenze liegt. Es fehlt in Hemfurth-Edersee oder Bringhausen an Zielen für die richtig großen Brummis.

Route für große Brummis

Über Bergheim-Lieschensruh wälzen sich derweil die schweren Sattelzüge, Baulaster und andere 12,5- bis 30-Tonner, die zwischen dem Raum Korbach und den Autobahnauffahrten bei Fritzlar und Homberg unterwegs sind. Denn die Lkw vermeiden so den Umweg über den Giflitzer Berg zur B 253. Er treibt wegen seiner Steigung in einer Richtung obendrein den Verbrauch des kostspieligen Diesels in die Höhe.

Das sagt HessenMobil

Die Sanierung der L3086 ist Bestandteil eines Landesprogramms, das bis 2022 andauert. Ein Umsteuern der dafür bereit gestellten Mittel auf eine andere Strecke sei trotz aller einleuchtenden Argumente nicht vorgesehen, erläutert Horst Sinemus. HessenMobil-Pressesprecher für die Region Nordhessen. Die L3383 Bergheim-Lieschensruh könne ab 2022 für eine Sanierung ins Auge gefasst werden, vertröstet er die Gemeinde Edertal.

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