Spezialistin für Extrem-Standorte

Zart, aber hart im Nehmen - Pfingstnelken am Edersee

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Pfingstnelke am Edersee: Die urzeitliche Pflanze und Urahnin der Gartennelke ist eine Spezialistin für karge Standorte mit hohen Temperaturschwankungen. 

Sie ist hart im Nehmen – die Pfingstnelke, die alljährlich als Wahrzeichen des Nationalparks  zur Blütezeit viele Besucher anlockt.

  • Bis Mitte Juni blüht noch die wilde Pfingstnelke am Edersee
  • Sie ist ein Überbleibsel der Eiszeit und zugleich Urahnin der Gartennelke
  • Die Pfingstnelke am Edersee muss Temperaturen zwischen plus 60 und minus 20 Grad Celsius bewältigen

Edertal – Der Wuchsort der Pfingstnelke ist der felsige Steilhang des Bloßenbergs an der Banfebucht des Edersees bei Bringhausen.

Extremer könnte ein Pflanzenstandort kaum sein. Hier muss die Pfingstnelke äußerst widrigen Bedingungen trotzen: Hitze, Trockenheit, Wind, starke Erosion, sehr spärlicher Mutterboden. Und sie muss große Temperaturschwankungen aushalten, im Sommer können an dem exponierten Hang 60 Grad Celsius plus und im Winter minus 20 Grad erreicht werden. Wie überlebt die Ur-Mutter unserer Gartennelken das?

Als Relikt eiszeitlich geprägter Steppen besitzt die Polsterpflanze kleine nadelförmige Blätter, die mit Wachs überzogen und so vor Verdunstung geschützt sind. Außerdem schützen feine Härchen vor Sonneneinstrahlung und Wind. Die stark verzweigten Wurzeln verankern die Pflanze in den kleinsten Felsspalten.

Die Pfingstnelke ist die Stammform unserer Gartennelken. Ihre prächtigen rosafarbenen Blüten sind reich an Nektar und locken zur Bestäubung vor allem Tagschmetterlinge an. Ihren Namen hat sie von der Blütezeit. Man kann sich einer Exkursion der Ranger des Nationalparks Kellerwald-Edersee anschließen oder bis Mitte Juni auf eigene Faust eine Rundwanderung auf der „Bloßenberg-Route“ unternehmen.

Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Kirchweg, am Waldrand bei Bringhausen am Edersee. Gekennzeichnet ist der 3,8 Kilometer lange Rundweg mit einem Pfingstnelken-Symbol. Zur Information über diesen Weg und seine Naturschätze hat die Nationalparkverwaltung ein Faltblatt herausgegeben. Berücksichtigt man die Zeit für eine ausgiebige Naturbetrachtung, sollte man für diese Route etwa zwei Stunden einplanen.

Sie führt vorbei an einem etwa 140 Jahre alten Eichen-Hutewald, dann ein Stück durch die Feldgemarkung in den Wieseloh-Graben. Hier sollte man darauf achten, ob man abei ist eine Köhler-Platte entdecken, ein runder Platz, auf dem früher mal ein Kohlenmeiler stand. Interessant ist auch die Blockschutthalde im unteren Bereich des Tälchens. Seit der Eiszeit spengt Frost ungezählte Steinblöcke aus dem darüber liegenden Felsen.

Auf dem Radweg entlang des Edersees geht es dann in die Banfebucht. Links am Hang leuchten die Pfingstnelkenblüten rosa im Fels aus grauem Tonschiefer. Vielleicht taucht vor den Augen in diesem Lebensraum auch eine Zauneidechse oder vielleicht sogar eine Schlingnatter auf. Als Besonderheit der Insektenwelt lebt hier auch der Steppengrashüpfer.

Vorbei führt der Weg am ehemaligen Fischhaus Banfe. Es war die Dienstwohnung für Fischereiaufseher der 1922 bis 1924 errichteten Fischzuchtanlage und enthielt zugleich die dafür notwendige Einrichtungen. Ende der 1930er Jahre wurde die Anlage aufgegeben, weil die Banfe und deren Nebenbäche nicht mehr genug Wasser führten. Heute dient das Haus der Nationalparkverwaltung, die es auch saniert hat für ihre Zwecke.

Von einer Wegspinne weiter oben im Tal führt ein Pfad bergan zurück zum Parkplatz.

Diese spezielle Wanderung haben wohl nur wenige der vielen Tausend Gäste unternommen, die zu Pfingsten an den Edersee kamen. Mehr zu Pfingsten am Edersee lesen Sie hier.

Von Wolfgang Lübcke

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