Inklusion und Ganztagsangebote brauchen mehr Raum als der Unterricht vor 40 Jahren, sagen Lehrer und Eltern:

Die zwei Edertaler Schulgemeinschaften fordern Mensa-Neubau statt Umbau in der Gesamtschule

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Sind für einen Mensa-Neubau statt den vorgesehenen Umbau im Bestand der Gesamtschule (von links): IGS-Leiter Helmut Münch, Anke Blum, Elmar Schultze-Ueberhorst, Jens Schulze (alle IGS-Elterbeirat) und Grundschulleiterin Dörte Grell.

Edertal. Die Gesamtschule Edertal muss auf erhebliche Flächen verzichten zu Gunsten einer neuen Mensa, die im bestehenden Gebäude untergebracht werden soll. Dort essen künftig Gesamt- und Grundschüler zu Mittag.

Fachräume fallen dafür weg oder schrumpfen. Das sehen die geltenden Beschlüsse des Kreistags vor. Der Kreis ist zuständig für Unterhalt und Finanzierung von Schuleinrichtungen. Die Mehrheit aus CDU und SPD im Kreistag steht zu den Umbauplänen und folgt der Linie der Kreisverwaltung mit Landrat Dr. Reinhard Kubat und dem zuständigen Ersten Kreisbeigeordneten Karl-Friedrich Frese an der Spitze.

Beide Schulen für Neubau

Doch beide Schulleitungen und der Elternbeirat der Gesamtschule fordern, an das Grundschuldgebäude einen neuen Anbau zu setzen für die Mensa. Grund aus Sicht der Edertaler Akteure: Trotz gesunkener Schülerzahlen im Verlauf der Jahrzehnte steige der Raumbedarf, da Ansprüche und Aufgaben an beide Schulformen stetig wüchsen.

Die neuen Anforderungen

Aktuell wird die Grundschule nach Vorgaben von 2013 saniert. „Damals waren wir aber noch keine Ganztagsschule und der Rechtsanspruch auf Inklusion war nicht eingeführt“, erinnert Leiterin Dörte Grell. Die Grundschule Edertal als größte im Kreis nehme mit knapp 70 von 270 Kindern am „Pakt für den Nachmittag“ des Landes Hessen teil. „Einen Aufenthaltsraum für diese Kinder gibt es nicht“, nennt Grell als Beispiel. Ein Mensa-Neubau könne diese Funktion mit übernehmen.

Ihr Amtskollege Helmut Münch von der Gesamtschule verweist auf ähnliche Entwicklungen: „7 Prozent Inklusionsschüler gelten als Richtschnur. Wir weisen eine Quote von 10 Prozent auf.“ Die besonderen Anforderungen dieser Schüler schlügen sich im Flächenbedarf nieder, etwa an Ruheräumen. Zudem benötige eine Integrierte Gesamtschule mehr Klassenräume wegen der Aufteilung nach Haupt-, Real- und Gymnasialzweig in etlichen Fächern.

Unterschiedliche Zahlen

Die lange Diskussion zwischen den Schulen und dem Landkreis entzündet sich auch an unterschiedlichen Zahlen. Die Gesamtschule unterrichte heute 370 Schüler im Vergleich zu 500 vor fünf Jahren, unterstrich Vize-Landrat Frese im Kreistag. „Tatsächlich haben wir 440 Schüler“, rechnet Rektor Münch vor.

Für die Grundschule seien im Kreistag 27 Mittagessen genannt worden, wundert sich Leiterin Dörte Grell: „Tatsächlich haben wir 84.“

Unterschiedliche Sichtweisen zwischen den Edertaler Schulgemeinschaften und dem Kreis ziehen sich durch beinah alle Detailfragen. Und sie erstrecken sich auf die Wahrnehmung des Abstimmungsprozesses. Während die Kreisverwaltung die Schulen eng eingebunden sieht, fühlen sich Schulleitungen und Eltern wiederholt vor vollendete Tatsachen gestellt.

Die Frage der Kosten

Eine große, entscheidende Differenz liegt in den Kosten. Der Kreis veranschlagt für den Mensa-Umbau 1,2 Millionen Euro, für einen Neubau im Vergleich 1,9 Millionen Euro.

Die Edertaler Schulleitungen sprechen dagegen von sehr realistischen Chancen, die Kosten für einen Neubau bei näherem Hinsehen und einer veränderten, angepassten Planung deutlich zu drücken. 

Für Anfang September hat die Kreisverwaltung Schulleitungen und Elternvertreter zu einem Gespräch auf der Suche nach Kompromissen eingeladen. Grundlage allerdings ist der geltende Beschluss des Kreistages für den Umbau. (su/dau)

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