Reaktion auf illegale Rennen

Versuch in Sommerferien: Tempo 30 gegen Lärm am Edersee

Auf die Bremse treten: Zwischen Waldeck/West und der Sperrmauer gilt neuerdings  auf der Ederseerandstraße Tempo 30.
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Auf die Bremse treten: Zwischen Waldeck/West und der Sperrmauer gilt neuerdings auf der Ederseerandstraße Tempo 30.

„Tempo 30“ gilt neuerdings am Edersee auf einer rund drei Kilometer langen Strecke auf dem Abschnitt zwischen Waldeck/West und Sperrmauer. Es ist zunächst ein Versuch während der Sommerferien.

  • Die Kreisverkehrsbehörde hat am Edersee eine Tempo-30-Zone auf einem rund drei Kilometer langen Abschnitt zwischen Waldeck/West und der Edertalsperre ausgewiesen.
  • Die Geschwindigkeitsbeschränkung ist eine Reaktion auf den Lärm illegaler Rennen auf der Edersee-Randstraße.
  • Tempo 30 wird zunächst versuchsweise während der Sommerferien eingeführt.

Edersee – Nachdem bisherige Maßnahmen nicht fruchten, soll ein Tempolimit die „Raser“ am Edersee ausbremsen: Auf etwa drei Kilometern zwischen Waldeck-West und Sperrmauer gilt auf der L 3086 Tempo 30. Dieser Versuch ist vorerst nur für die Sommerferien geplant. Das ist das Ergebnis einer Abstimmung zwischen Hessen Mobil, Polizei und der Kreisverkehrsbehörde, teilte Landrat Dr. Reinhard Kubat auf WLZ-Anfrage mit.

AWE-Schreiben bringt Stein ins Rollen

Tempo 30 gilt seit einigen Jahren schon während der Urlaubssaison in der Ortslage Waldeck/West – neuerdings aber auch in der Edertaler Gemarkung. Bei Terrassenhotel und Sperrmauer wird die zulässige Geschwindigkeit in den Ferien versuchsweise von 40 auf 30 km/h reduziert.

Ein Schreiben des Gewerbevereins Aktives Waldeck am Edersee (AWE) im Juni an Staatssekretär Jens Deutschendorf brachte das überraschend ins Rollen. Hotelbetreiber und Anlieger hatten immer wieder vehement auf Lärm durch illegale Motorradrennen hingewiesen und forderten Maßnahmen – aber bisher ohne Erfolg.

Verkehrserhebungen begleiten das Projekt

Ein schwerer Autounfall beim „Posen“ am Karfreitag veranlasste zum Umdenken. Laut Landrat Kubat erging die dringende Bitte des Staatssekretärs an die Kreisverwaltung, in Sachen Verkehrsberuhigung und Lärmbelästigung aktiv zu werden. Mit Absprache des Regierungspräsidiums wurde ein Pilotprojekt angeschoben.

Mitten auf der kritischen Strecke, wenige hundert Meter hinter Abzweig nach Waldeck in Richtung Teufelsbucht (bisher 50 km/h), ließ die Kreisverkehrsbehörde Tempo-30-Schilder aufstellen – diese Zone endet an der Sperrmauer. „Das ist ein Verkehrsversuch in den Sommerferien“, erläutert Kubat. Wenn die Ergebnisse begleitender Verkehrserhebungen vorliegen, soll über dauerhafte Maßnahmen entschieden werden.

AWE kritisiert Umsetzung: Zone bis Sperrmauer nicht nachvollziehbar

Ein AWE-Sprecher begrüßt, dass endlich gehandelt werde. Die Umsetzung hingegen habe das Ziel gründlich verfehlt. Ausgerechnet auf der „neuralgischen Strecke“ gelte das Tempo-Limit nur für einen Teilbereich des etwa 1,2 Kilometer langen Abschnitts. Nicht nachvollziehbar sei außerdem, dass die neue 30-er Zone bis zur Sperrmauer ausgedehnt wurde. Das sei unnötig und reduziere nicht den Lärm. Der AWE-Sprecher befürchtet vielmehr, dass die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten und verbotswidriges Überholen zur Regel wird.

„Nehmt Rücksicht“: Der Motorradfahrer im Bild passiert das Lärmschutzdisplay (rechts) auf der beliebten „Rennstrecke“ am Edersee – kurz danach gilt „Tempo 30“ bis zur Edertalsperre.

Kleine Erfolge hätten sich seit der Sperrung des Parkplatzes Teufelsgraben und der Installation des Lärmschutzdisplays auf der „Rennstrecke“ eingestellt. In digitaler Schrift werden Verkehrsteilnehmer ermahnt mit der Bitte „Leiser fahren“ oder „Langsamer fahren“.

Polizei kontrolliert mehrmals in der Woche den Verkehr am Edersee

Der Landrat ist von dem Versuch mit „Tempo 30“ überzeugt. „Es ist richtig, dass da ein Zeichen gesetzt wird.“ Wenige uneinsichtige Verkehrsteilnehmer ignorierten immer wieder die Regeln. Dass die Stadt Waldeck deswegen einen Parkplatz sperren musste sei nicht im Sinne der Allgemeinheit, betonte Kubat.

Das Bad Arolser Verkehrsmanagement Hessen Mobil setzte das Tempo-Limit um. „Herr des Verfahrens ist aber die Verkehrsbehörde“, stellte Sprecher Dr. Hellwig Kamm klar.

Verkehrskontrollen finden derzeit laut Dirk Richter von der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg mehrfach pro Woche am See durch Beamte im Schichtdienst statt. Hinzu kämen Sonderkontrollen mit der Bereitschaftspolizei. Sollte sich Tempo 30 am Ende nicht bewähren, müssten andere Maßnahmen diskutiert werden – beispielsweise Schwellen, Fahrbahnverengungen oder Fahrverbote.

Bürgermeister hätte sich öffentliche Informationen im Vorfeld gewünscht

Bürgermeister Jürgen Vollbracht merkte abschließend an: „Ich hätte mir gewünscht, dass über diese Maßnahme im Vorfeld öffentlich informiert worden wäre.“ Etliche Einheimische tappten nach WLZ-Informationen in die Radarfalle, weil sie die Schilder übersahen, Anrufer sprachen von einer „Abzocke“ der Verkehrsbehörde.

Bei Kontrolle über 50 Verkehrsteilnehmer viel zu schnell

Bei einer Verkehrskontrolle der Polizei mit Laserpistole und Radar am Mittwoch, 21. Juli, von 9.45 bis 15 Uhr an zwei Kontrollstellen seien über 50 Geschwindigkeitsverstöße registriert worden, informierte Polizeisprecher Dirk Richter.

Der Großteil der Verkehrsteilnehmer mit bis zu 55 km/h in der 30-er Zone kommt nach Angaben von Polizeisprecher Dirk Richter mit einer Verwarnung davon. Über 20, die schneller unterwegs waren, drohe eine Anzeige wegen einer Ordnungswidrigkeit. Drei hätten die zugelassene Geschwindigkeit außerhalb geschlossener Ortschaften um über 41 km/ h überschritten und müssten mit einem Fahrverbot und Punkten rechnen. (Cornelia Höhne)

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