Unfall bei Goldhausen: Fahrlässige Tötung unter „unglücklichen Umständen“ - Urteil:

8000 Euro Geldstrafe für Korbacher

Korbach. - Als am 6. Oktober 2011 zwei Fahrzeuge zwischen Lengefeld und Eppe kollidieren, kommt eine Frau ums Leben. Ihr Sohn und der Unfallfahrer werden schwer verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung verurteilt der Amtsrichter den 25-jährigen Angeklagten am Montag zu insgesamt 8000 Euro Geldstrafe.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Korbacher vor, aufgrund nicht angepasster Geschwindigkeit in einer Kurve auf die Gegenfahrbahn gekommen zu sein. Kurz nach dem Abzweig nach Goldhausen stieß sein Fahrzeug um 17.43 Uhr mit dem einer 53-jährigen Winterbergerin zusammen, die mit ihrem Sohn auf der Landesstraße 3083 in Richtung Lengefeld unterwegs war. Die Frau verstarb noch an der Unfallstelle. Ihr Sohn kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Der ebenfalls schwer verletzte Unfallfahrer wurde mit dem Rettungshubschrauber nach Kassel geflogen.

„Über den genauen Verlauf kann ich nichts sagen. Ich habe keine Erinnerung mehr an den gesamten Tag, nur an den Abend vor dem Unfall“, berichtet der Angeklagte zu Beginn der Verhandlung. Seine Erinnerung setze erst Tage später ein, als er auf der Intensivstation in Kassel aufgewacht sei. Die Amnesie ist ärztlich attestiert. Sicher ist sich der junge Mann lediglich, dass er zu seiner Freundin nach Medebach wollte, denn dorthin sei er fast täglich gefahren.

Ungeklärte Fragen

„Meine Mutter und ich haben gesehen, wie der Wagen ins Schleudern geriet. Der Fahrer hat wie wild gelenkt und versucht den Wagen abzufangen, aber das hat nicht funktioniert“, schildert der 31-jährige Sohn des Unfallopfers, der als Zeuge geladen ist, das Geschehen. Das „Trümmerfeld“ skizziert an diesem Tag eine Korbacher Polizeibeamtin. Als zweite Zeugin beschreibt sie die Straßenverhältnisse als „feucht-nass“.

Die Aufprallgeschwindigkeit des Unfallverursachers beziffert der von der Polizei beauftragte KfZ-Sachverständige gestern mit 80 bis 90 Stundenkilometer. Daraus lasse sich eine mögliche Fahrgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern errechnen. „Beweisen kann ich dies allerdings nicht.“

Einen technischen Defekt am Wagen schließt der Gutachter aus. Lediglich die ungleichmäßig abgefahrenen Reifen - „alles aber im zulässigen Bereich“ - hätten sich bei nasser Fahrbahn ungünstig auswirken können.

Aufgrund der Spurenlage geht der Sachverständige „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass die getötete Frau nicht angeschnallt war. Zugleich räumt er mit Blick zu den Hinterbliebenen im Gerichtssaal ein: „Sie hätte aber so oder so erhebliche Verletzungen davongetragen.“ Beide Fahrzeuge waren links vorn, also auf der Fahrerseite, kollidiert.

„Das Geschehen stellt sich wie in der Anklageschrift dar“, bilanziert die Staatsanwältin nach der Beweisaufnahme. In ihrem Plädoyer fordert sie daher die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Über das Strafmaß - bei fahrlässiger Tötung sind eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren sowie eine Geldstrafe möglich - entscheide die Schwere der Fahrlässigkeit, sprich: Je stärker sich ein Verkehrsteilnehmer über die Straßenverkehrsregeln hinwegsetze, desto fahrlässiger handele er.

Die ungenauen Aussagen zur möglichen Fahrgeschwindigkeit, die eigenen schweren Verletzungen sowie die Tatsachen, dass weder Alkohol im Spiel war noch Vorstrafen vorliegen, hält sie dem Angeklagten zugute. „Wir müssen aber ebenfalls berücksichtigen, welche fatalen Folgen der Unfall hat.“ Im Ergebnis fordert die Staatsanwältin wegen „eher niedriger Fahrlässigkeit“ eine Geldstrafe von 270 Tagessätzen à 40 Euro.

„Das war ein tragischer Verkehrsunfall - für beide Seiten“, eröffnet der Verteidiger sein Plädoyer. „Niemand weiß, wie sich der Unfall zugetragen hat. Ich tue mich schwer, einen definitiven Fahrfehler zu erkennen, und sehe deshalb keine Fahrlässigkeit“, fordert er einen Freispruch - getreu dem Grundsatz „In dubio pro reo“ („Im Zweifel für den Angeklagten“).

Zu schnell auf nasser Straße

„Auch wenn ich mich an nichts erinnern kann, denke ich jeden Tag an das, was passiert ist, und wünsche, dass es nicht dazu gekommen wäre“, hat der Angeklagte das letzte Wort, bevor der Richter das Urteil bekannt gibt. Kalhöfer-Köchling entscheidet sich für eine Geldstrafe von 200 Tagessätzen à 40 Euro.

Zur Last legt er dem Angeklagten überhöhte Geschwindigkeit. Gerade weil er die Strecke gekannt habe, hätte er bei nasser Fahrbahn langsamer fahren müssen und den Unfall verhindern können. Das Schleudern und die laut Zeugenaussage hektischen Lenkbewegungen sind für ihn weitere Beweise für zu schnelles Fahren und somit für fahrlässiges Verhalten. Auch das Unfallergebnis bleibe nicht unberücksichtigt. „Allerdings sind mehrere unglückliche Umstände zusammengekommen.“

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