Jung liefert „Master“-Stück ab · Drei Meisterwerke in großartigem Konzert

Ein Abend voller Klangmagie

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Ihren Dirigenten fest im Blick: die Mädchen und Jungen des evangelischen Kinder- und Jugendchores.

Korbach - Mit zwei modernen Kurzmessen und einer klingenden Prozession durch stimmliche Grenzwelten gestaltete Eberhard Jung sein Masterkonzert in der Kilianskirche.

Am Ende war nicht nur Dekanin Eva Brinke-Kriebel „verzaubert und berührt“ von den Eindrücken eines Abends voller Klangmagie - einem unvergleichlichen Erlebnis, das der Stadtkantor mit einem aus dem evangelischen Kinder- und Jugendchor Korbach/Lelbach und dem Kinder- und Jugendchor an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover bestehenden Projektchor gestaltet hatte. Als anrührendes Herzstück erwies sich dabei seine „Gelegenheitskomposition“ Xing.

Knaben im Stimmbruch sind oft Gefangene einer Zwischenwelt, der bislang vertraute Klang der Stimme stellt sich nicht mehr ein, musikalische Anlässe zu neuem Selbstvertrauen fehlen im Kanon der Chorliteratur. Mit seiner Komposition „Xing“, die als Prozession in den Altarraum führte, befreite Eberhard Jung die Jugendlichen aus dem Gefängnis ihren ungewohnten und manchmal auch ungewissen Stimmlage.

Wohlklang und Geheul

Die einleitenden Takte klingen wie ein Kreuzweg zwischen Gregorianik (Mittelalter) und Moderne in der Morgendämmerung, ehe die acht Jungen unter Leitung des Komponisten ihren Weg durch die Kilianskirche antreten. Und dabei oszillierende Klänge der Mittagshitze anstimmen, die zwischen erhabenem Wohlklang und wildem Geheul pendeln. Ein schillerndes Miteinander von Knabenstimme und Bass, das sich in der Krypta in Zischlaute verwandelt, während die Gruppe zu Boden geht, um in die nächste Klangwelt einzutauchen, und flach liegen bleibt.

Um anschließend ihre Auferstehung als Anbetende mit eher ethnischen Klängen mit afrikanischem Einschlag zu feiern. Ein eindrucksvoller musikalischer Grenzgang, der nur begeisterten Beifall nach sich ziehen kann.

Mit „Xing“ hat Eberhard Jung ein unkonventionelles Meisterwerk für die jungen Stimmen abgeliefert, die sich bei den beiden modernen Kurzmessen ein wenig zurückhalten müssen.

Ein zuversichtliches und absolut angstfreies Kyrie eröffnet Christopher Tamblings „Messe in A“ für Kinderchor und Orgel. Im Chor sind alle Register gut besetzt, dies wird besonders im feierlichen Gloria deutlich, das auf dem höchsten Ton ausklingt. Auch das „Osanna in excelsis“, das auf ein herrlich fließendes Sanctus folgt, klingt in höchsten Höhen aus und setzt die Botschaft des Textes in musikalische Sprache um.

Die abschließende Bitte um Frieden (Dona nobis pacem) gestalten die Sängerinnen und Sänger aus Korbach, Lelbach und Hannover mit einem beeindruckenden Crescendo. Der Abschluss von Bernhard Blitschs unkonventioneller „Messe für einstimmigen Kinderchor und Orgel“ lässt dieselbe Botschaft zart verklingen.

Zunächst aber evozieren Eberhard Jung und Organist Georg Lungwitz keltische Klangwelten in einem Kyrie, dessen aufblühende Melodie sich aus einem sphärischen Ostinato heraus entwickelt. Eine Eröffnung, in der der Chor schon früh eine beeindruckende Leistung in Sachen Klangkultur erbringt. Das von Aufbruchsfreude befeuerte Gloria erfüllt die geweckten Erwartungen bis zum stürmischen Ende.

Amen - und Gelächter

Das Sanctus erweist sich als ein von den Wellenbewegungen der Orgel bestimmtes (Nord-) Seestück. Mit dem kürzesten Amen der Musikgeschichte geht dagegen das Osanna zu Ende - und mit einem mitschwingenden Gelächter der Kinder und Jugendlichen über den gelungenen Streich, der sämtliche Hörerwartungen der Erwachsenen austrickst. Das lange, himmlische Verklingen bleibt der allerletzten Bitte um Frieden im Agnus Dei vorbehalten.

Drei herrliche Meisterwerke in einem großartigen Konzert, das, trotz bestandener Prüfung, hoffentlich kein Einzelstück bleibt. (ahi)

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