Unfreiwillige Verlängerung einer faszinierenden Safari nach Airport-Brand in Nairobi

Abenteuer Afrika: Gestrandet!

Begegnung mit den sanften grauen Riesen.

Willingen / Nairobi. - Wir sollten besser mit dem Hintern zu Hause bleiben, empfahl dieser Tage ein Bekannter. „Dann passiert Ihnen so etwas nicht.“ Wir hätten dann allerdings eine fantastische Safari verpasst, wären aber - zugegebenermaßen - nach dem verheerenden Brand am Jomo-Kenyatta-Airport nicht in Nairobi gestrandet.

Mittwoch, 7. August. Nach zwei ereignisreichen Wochen auf den Spuren der großen Tierwanderung in Tansania und Kenia unternehmen wir morgens eine letzte Pirschfahrt im Amboseli-Nationalpark. Wir beobachten Geparden bei der Jagd und nehmen Abschied von den sanften grauen Riesen, die sich im sumpfigen Gelände ein Schlammbad gönnen. Ein junger Massai, der in der komfortablen Lodge übermütige Meerkatzen und kecke Paviane verscheucht, deutet in den Himmel. Tatsächlich, dort oben leuchtet für ein paar Minuten die schneebedeckte Kuppe des Kilimandscharo in den Wolken auf. Hemingway lässt grüßen.

„Es gibt ein Problem“

„Es gibt ein Problem auf dem Flugplatz.“ Die Nachricht erreicht unseren Fahrer auf der Rückfahrt nach Nairobi. Wenig später bekommt er per Funk nähere Informationen: Ein Terminal des Airports steht in hellen Flammen. Der am Abend geplante Rückflug nach Europa fällt aus. Nichts geht mehr.

Per SMS teilen wir den Lieben daheim mit, dass sie den Begrüßungssekt noch nicht kaltzustellen brauchen. Unsere erwachsenen Kinder machen sich im Internet schlau und halten uns aus der Ferne auf dem Laufenden. Sie schicken uns Notfallnummern von der Fluggesellschaft und von der deutschen Botschaft. Sie versuchen herauszufinden, ob es irgendeine Möglichkeit gibt, nach Mombasa zu gelangen und von dort nach Deutschland zu fliegen. Sie informieren uns über erste Vermutungen zur Brandursache. Möglicherweise soll’s ein Terroranschlag gewesen sein, auf den Tag genau 15 Jahre nach den Attacken von El Kaida auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam - eine These, die sich glücklicherweise nicht bestätigt.

Unser Fahrer behält die Ruhe. Durchs unbeschreibliche Gewühl der Drei-Millionen-Stadt kämpfen wir uns zum Flugplatz durch, begleitet von Hezron, einem Mitarbeiter der Agentur, die unsere Safari vor Ort organisiert hat. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen: Der hilfsbereite Kenianer entwickelt sich in den nächsten Tagen zu unserem ständigen Begleiter, zu einem zuverlässigen Freund, der alles tut, um uns die manchmal nervenaufreibende Wartezeit erträglich zu machen. Spätestens als wir vor dem komplett ausgebrannten Terminal stehen, aus dem noch immer Rauch aufsteigt, wird uns klar, dass wir gestrandet sind.

Nicht allein gelassen

Wir kommen am 7. August nicht raus aus Nairobi, wir sitzen auch am 8. August noch fest. Dabei haben wir mehr Glück als andere Touristen und Geschäftsleute, die in der überfüllten Metropole kein freies Zimmer mehr finden. Wir bekommen zwei Übernachtungen in einem der besten Hotels der Stadt spendiert. Vom 15. Stockwerk blicken wir rüber aufs Universitätsgelände. Wir lesen in den Zeitungen vom Ausmaß der Brandkatastrophe, die sich auf den Luftverkehr in ganz Afrika auswirkt. Wir sehen im Fernsehen Bilder vom flammenden Inferno. Das Personal kümmert sich rührend um uns und wir fühlen uns keinen Moment alleingelassen. Wir wissen, dass sich im Hintergrund etliche Leute unermüdlich bemühen, uns hier rauszuholen: Hezron und seine Kollegen vor Ort sowie die Mitarbeiter von „Outback Africa“, einem Spezialveranstalter im Vogtland, die uns die Safari nach unseren Wünschen zusammengestellt haben. Bleibt nur eins: Abwarten und Tee trinken. Und abends auch mal ein kühles Blondes oder einen guten Rotwein ...

Silberstreif am Horizont

Am 9. August taucht der sprichwörtliche Silberstreif am Horizont auf. Wir halten eine Flugbestätigung in den Händen, stehen am Flugplatz hoffnungsvoll fast vier Stunden in der Schlange. Das Gedränge ist unvorstellbar. Tausende hoffen, einen Platz in einer der wenigen Maschinen zu ergattern. Fünf Minuten vor Abflug unseres Flugzeugs sind wir bis zum Schalter vorgedrungen, um das Gepäck aufzugeben. Nein, sorry, der Flug sei nicht bestätigt, meint die junge Dame. Diskussionen sind zwecklos. Offensichtlich klappt’s nicht mit dem Update an ihrem Computer.

Doch wir bekommen eine zweite Chance: Ein Flug nach Paris sei möglich, teilt uns eine hilfsbereite Airport-Mitarbeiterin mit. Sie sammelt unsere Pässe ein und versucht, sechs Plätze zu buchen. Nach weiteren 45 Minuten folgt die Ernüchterung: Der Flug ist ausgebucht, die Enttäuschung groß.

Am Nachmittag starten wir einen neuen Versuch, diesmal von Hezron online eingecheckt. Wir klettern am Flugplatz durch eine Absperrung, werden schließlich von Mitarbeitern der südafrikanischen Fluggesellschaft irgendwie durch die Menschenmassen geschleust.

Wir bewundern das Improvisationstalent der Afrikaner, die ein riesiges Zelt als Wartezone aufgebaut haben. Bei dem Herrn, der dort mit großer Eskorte an uns vorbeirauscht, handelt es sich übrigens um den kenianischen Präsidenten, der sich ein Bild vom Ausmaß der Schäden machen will.

Über Johannesburg zurück

Wer hätte gedacht, dass die Reise von Nairobi nach Frankfurt über Johannesburg in Südafrika führt, wo wir auch noch einmal Station einlegen? Es ist ein weiter Weg nach Hause.

Der Alltag hat uns wieder. Die Erinnerungen an eine spannende Reise sind noch ganz frisch. Übrigens: Wir bleiben trotz des unfreiwilligen Abenteuers in Nairobi auch in Zukunft nicht mit dem Hintern daheim. Es gibt noch so unendlich viel zu sehen und zu erleben.

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