Frühjahrskonzert des Sinfonischen Blasorchesters Korbach-Lelbach mit musikalischen Filmstars

Absolut zugabentaugliches Programm

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Hommage an James Bond: „Octopussy“, „For your eyes only“ oder „Goldfinger“.

Korbach - „Movie Stars and more“ lautete das Motto des Frühjahrskonzerts des Sinfonischen Blasorchesters Korbach-Lelbach mit vier Film-Premieren im Programm, von denen sich Klaus Doldingers „Boot“ und Alfred Newmans „20th-Century-Fox-Fanfare“ als absolut zugaben-tauglich erwiesen.

„More“ stand für die Wettbewerbsbeiträge, mit denen das Sinfonische Blasorchester beim Deutschen Musikfest in Chemnitz teilnimmt, sowie für Frank Tichelis Hymne an die Schönheit des Nationalparks „Shenandoah“, die noch vollkommener als bei früheren Auftritten erklang. Die höchste­ Hürde in Sachen Präzision und Konzentration hatte Rainer Horn gleich an den Anfang gesetzt: Earl Slocums Arrangement von Girolamo Frescobaldis „Toccata“. Mit ihrer absolut präzise gespielten majestätischen Tutti-Eröffnung überwältigte die Komposition die Zuhörer, ehe Oboen, Klarinetten, Hörner und Trompeten in virtuosen und kniffligen Passagen ihr Können aufblitzen ließen, ehe sich die Stimmen zu einem gewaltigen Finale vereinigten.

Orchestraler Glanz

Den zweiten Wettbewerbsbeitrag hatten die Stammgäste vor gut zwei Jahren schon einmal im Rahmen des Festivals Sinfonische Blasmusik Nordhessen gehört: Jan van der Roosts jüdische Tanz-Suite „Rikudim“ geriet seinerzeit zum Höhepunkt des Auftritts der Freien Waldorfschule Kassel. Dirigent Johann de Witt entfesselte damals eine rustikale Kibbuz-Energie bei diesem gefundenen Fressen für Klarinetten, Rainer Horn entwickelte dagegen in seiner differenzierten Interpretation einen orchestralen Glanz, der an die großen Filmpartituren der Technicolor-Ära gemahnte und den Zuhörern einen Vorgeschmack auf Film-Glamour vermittelte.

Die erste musikalische Hommage an einen Movie Star galt James Bond. Monti Normans charakteristisches Motiv bildete den roten Faden bis in die Tutti-Schussfahrt des Finales, mit dem Sax-seligen „All time high“ (Octopussy), den schrillen Goldfinger-Trompeten und einem lyrischen „For your eyes only“ mit einladendem Oboensolo als markanten Stationen auf dem Weg durch 50 Jahre „Lizenz zum Töten“.

Als große Schule des Crescendos erwies sich Walter Ratzeks Arrangement von „Das Boot“, untrennbar miteinander verbunden waren Komik und Tragik im rührenden musikalischen Denkmal für Charles Chaplin mit Motiven aus „Limelight“ (Rampenlicht), schrägen Zirkusklängen, die auf Nino Rotas Filmmusiken für Federico Fellini vorausweisen, und dem versöhnlichen „Smile“, das als verbindendes und ausgleichendes musikalisches Motiv fungierte. Bei Elmer Bernsteins „Glorreichen Sieben“, die als zweite Zugabe ertönten, spielte das Sinfonische Blasorchester Korbach-Lelbach einen herrlichen Galopp, bevor es noch einmal in die Tiefen des Atlantiks abtauchte.

Warmer Klangteppich

In der ersten Hälfte gab das „Samstagmorgen - Nachwuchsorchester“ unter der Leitung von Michael Kuhaupt sein Bühnendebüt mit Latin, Folk, Disco und kölschen Klängen. Hits zum Fußball bildeten den Rahmen: Das mitreißende „The Cup of life“ brachte Band wie Zuhörer schnell auf Betriebstemperatur. Nach dem Warmspielen stand mit Gustav Holsts „Fantasie on Dargason“ gleich eine dynamisch-heikle Aufgabe mit einer unwiderstehlichen Melodie auf dem Programm. Denn bei diesem Reel für ein sinfonisches Blasorchester ist das richtige Verhältnis in Sachen Steigerung von Tempo und Lautstärke bis zum finalen Flötentriller ein heikler Balanceakt.

Nach der erfolgreichen Bewältigung dieser schwersten Prüfung folgte mit „Disco forever“ und den charakteristischen Flötentönen von Van McCoys „The Hustle“ erst einmal leichtere Kost, die aber mit ihrem Bass- und Bläser-Groove ebenso gut in die Beine ging. Seinen vollen Sound entwickelte das junge Orchester bei den letzten beiden Stücken: Mit einem warmen Klangteppich eröffneten die Klarinetten einladend die sinfonische Version des Bläck-Föös-Hits „In unserem Veddel“ sowie als Zugabe die wie eine La-Ola-Welle durch sämtliche Stimmen wandelnde Stadion-Hymne „An Tagen wie diesen“, die dank einer herrlich rhythmischen Basis stets in Schwung blieb, ehe die letzte Posaune das ultimative „Kein Ende in Sicht“ blies. (ahi)

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