Das Korbacher Hallenbad bleibt länger geschlossen als befürchtet

Abtauchen bis Herbst 2013?

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Frisch saniert und doch geschlossen: Die Eröffnung des Hallenbads ist ungewiss.

Korbach - Weiter Verzug beim Hallenbad: Die Wiedereröffnung wird sich vermutlich bis weit ins nächste Jahr hinziehen. Denn zu jedem Gutachten steht ein Rechtsstreit ins Haus.

„Ich habe das Gefühl, dass wir das Hallenbad erst im Herbst 2013 wieder eröffnen können“, dachte SPD-Sprecher Ralph Backhaus diese Woche im Bauausschuss laut nach. Tags darauf bohrte auch sein Fraktionskollege Helmut Schmidt im Finanzausschuss, ob es neue Entwicklungen gebe bei Korbachs teuerstem aktuellen Bauprojekt.

Mit seiner Einschätzung hat Backhaus offensichtlich recht: Die meisten Baugutachten liegen noch immer nicht endgültig vor - und zu jedem Gutachten steht dann noch ein gerichtliches „Beweissicherungsverfahren“ an, erklärte gestern EWF-Geschäftsführer Stefan Schaller auf WLZ-Nachfrage.

Seit April ist das für rund zehn Millionen Euro frisch sanierte Hallenbad wieder geschlossen - und die Neueröffnung lässt weiter auf sich warten. „Wenn’s super läuft, im Januar“, hatte Schaller Mitte August orakelt. Doch dieser Termin hat sich offenbar gründlich zerschlagen.

Gutachten und Rechtsstreit

Hintergrund sind Gutachten und Rechtsstreit. Schon Mitte August trugen Experten erste Ergebnisse vor, wie es um Fliesen, Edelstahlbecken und Badewassertechnik bestellt ist. Aber selbst diese Gutachten liegen in ihrer endgültigen Fassung bislang nicht auf dem Tisch.

Dem einen Gutachter ist offenbar der Rechner samt Daten abgestürzt, der andere ist mit weiteren Aufträgen derzeit befasst. Und die Analyse der Badewassertechnik geht erst „in ein Gesamtgutachten ein“, erläutert Schaller. Oberthema sei „Hygiene“ - und dazu gehört vor allem auch die Spurensuche zur Keimbelastung in den Trinkwasserleitungen des Hallenbads.

Just die Bakterien vom Stamm „Pseudomonas aeruginosa“ sorgten im April 2012 für die plötzliche Schließung des Hallenbads - nach nur wenigen Wochen Betrieb. Seit Beginn der Sanierung im Herbst 2010 steht das Hallenbad nunmehr schon zwei Jahre nicht zur Verfügung. Und eine Wiedereröffnung könnte sich durchaus bis Herbst 2013 hinziehen.

Das zumindest will auch Schaller nicht mehr rundweg ausschließen. „Wir können erst anfangen umzubauen, wenn ein gerichtlich bestellter Gutachter den Ist-Zustand festgestellt hat“, sagt der Geschäftsführer des Bäderbetreibers Energie Waldeck-Frankenberg (EWF).

Im Klartext: Zunächst müssen die von EWF angeforderten Gutachten vorliegen. Danach will EWF jeweils „Beweissicherungsverfahren“ vorm Landgericht Kassel anstrengen. Denn eine Übereinkunft mit dem Bäder-Planer Klaus Meyer (Gotha) sei nicht zu erwarten, sagt Schaller. Somit muss dann das Gericht formell einen Gutachter festlegen, den beide Seiten zu akzeptieren haben.

Wer trägt die Kosten?

Im hitzigen Streit ums Hallenbad kommt das Misstrauen nicht von ungefähr. Schließlich geht es um ein Millionenprojekt. So hatte EWF im Sommer vorgeschlagen, das Gesundheitsamt Waldeck-Frankenberg möge einen gemeinsamen Gutachter zur Keimbelastung aussuchen. Klaus Meyer lehnte dies ab und plädierte für einen Gutachter der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) in Essen, wie Meyer gegenüber der WLZ erklärte. Doch sein Vorschlag stieß wiederum bei EWF auf wenig Gegenliebe.

In dieser Zwickmühle sollen nunmehr die Richter entscheiden, meint Schaller: „Sonst bleiben wir auf den Kosten sitzen.“

Genau hier liegt nämlich des Pudels Kern im Hallenbadstreit: Ob Fliesen, Edelstahl oder Badewassertechnik - die Reparaturen und Nachbesserungen sind offenbar kein Hexenwerk. Jedenfalls klangen die Ergebnisse der Gutachter im August weit weniger dramatisch als zunächst in der politischen Debatte. Auch gegen die Keimbelastung in den Rohren ist EWF inzwischen ein Stück weitergekommen, hieß es im Oktober. Rein technisch könnte das Hallenbad somit wohl relativ schnell wieder geöffnet werden.

„Man kriegt alles hin“, bestätigt Schaller, „aber die Frage ist, wer am Ende alles zahlt.“ Wenn die Stadt Korbach ausdrücklich das finanzielle Risiko übernehme, könnten die Baufirmen alsbald loslegen. EWF werde das Risiko indes nicht tragen, unterstreicht Schaller.

Die ganze Prozedur sorgt derweil im Parlament weiter für Unruhe. Schließlich hat die Stadt Korbach viel Steuergeld für das Hallenbadprojekt fließen lassen - während bald schon eine Kleinkindgeneration auf Schwimmkurse in Korbach wartet.

„Wann können wir endlich handeln?“, verschaffte FWG-Fraktionschef Kai Schumacher diese Woche im Finanzausschuss seinem Unmut Luft.

Blitzableiter für die Rutsche

Und Dr. Manfred Dönitz (Grüne) verwies auf eigene Recherchen in Willingen. Im dortigen Lagunenbad gebe es ebenfalls keinen speziellen Blitzableiter für die Riesenrutsche. Bei Gewitter werde die stählerne Rutsche somit einfach geschlossen. In Korbach jedoch beharre EWF auf einem zusätzlichen Blitzableiter. „Das wird hier ziemlich aufgebauscht“, folgert Dönitz.

Aufgebauscht? Auch in anderen Punkten keimte dieser Vorwurf gegen EWF und Stefan Schaller wiederholt auf. Doch der EWF-Geschäftsführer weist solche Vorwürfe vehement zurück: „Auftrag war nicht, ein Bad wie in Willingen zu bauen, sondern eines nach dem aktuellen Stand der Technik.“ Und dazu gehöre auch der Blitzschutz.

Das entsprechende Gutachten zur Elektrik im Hallenbad liegt derweil ebenfalls noch nicht abschließend vor.

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