Amtsgericht verurteilt Fußballer aus Südhessen, der 2013 auf einen Willinger eingeschlagen hatte

Acht Monate auf Bewährung für jungen Einbrecher

Willingen/Korbach - Der Fall hatte in Willingen für Schlagzeilen gesorgt: Ein Betrunkener war im Juni 2013 in ein Gästehaus eingebrochen und hatte auf den Besitzer eingeschlagen. Am Dienstag wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Ein Angeklagter, der sich an nichts erinnern kann, und zwei Opfer, die die Erinnerungen an jenen Juniabend nicht mehr loswerden: Am Dienstag wurde vor dem Korbacher Amtsgericht der Fall eines Einbrechers verhandelt, der vor allem ein Licht auf die berüchtigten Sommer-Wochenenden in Willingen warf.

Im Juni 2013 war ein 25-Jähriger aus Südhessen gemeinsam mit seinen Fußballkameraden um die Häuser gezogen. „Wir haben wirklich viel getrunken“, erzählte der Angeklagte vor Gericht. Er habe deswegen auch Erinnerungslücken. Nachdem seine Mannschaftskameraden schon schliefen, saß der 25-Jährige noch an der Hotelbar. „Und dann erinnere ich mich an nichts mehr“, erklärte der junge Mann.

Licht ins Dunkel brachten die Opfer: Gegen 1.20 Uhr habe es an der Balkontür zu ihrem Schlafzimmer geklopft, laute Schreie seien zu hören gewesen. „Als ich aufwachte, realisierte ich, dass jemand die Balkontür eingetreten hatte“, erklärte der Willinger. Sekunden später habe der Einbrecher schon mit der Faust auf ihn eingeschlagen und gerufen: „Ich bringe dich um! Ich schlag dich tot!“ Erst habe er versucht, den Fremden zu beruhigen. „Aber irgendwann stellte ich fest, dass das nicht möglich war“, berichtete der Willinger, „und da bekam ich Todesangst.“ Er versuchte sich gegen den Angreifer zu schützen, wurde aber zu Boden gerissen, wo sich der Kampf fortsetzte. „Dann bekam ich keine Luft mehr“, erklärte das Opfer. In diesem Augenblick griff seine Frau ein, riss den Täter an den Ohren von ihrem Mann und lief nach draußen, um die Polizei zu rufen. Weil die im Sommer an Wochenende Sonderschichten in Willingen fährt, kamen die Beamten in Windeseile. Das Opfer war inzwischen verletzt zu den Nachbarn geflohen.

„Wir gingen mit Pfefferspray gegen den Täter vor“, erklärte der Polizist im Zeugenstand. Der Angeklagte habe verwirrt vor sich hin geredet. Bei den Untersuchungen kam heraus: Der Mann hatte einen Promillewert zwischen 2,1 und 2,4 und Amphetamine, also wohl Extasy, genommen. „Ich habe aber noch nie Drogen genommen, ich bin Sportler“, betonte der Angeklagte, „ich kann mir nicht erklären, wie die Drogen in meinen Körper kamen.“ Schockiert über sein Verhalten, das er sich nicht erklären könne, wirkte der Mann auf der Anklagebank.

„Ich bitte um Entschuldigung“, betonte er. Schmerzensgeld hat er bereits bezahlt. „Ich bin kein schlechter Mensch, hatte noch nie Probleme mit dem Gesetz und bin eigentlich ein hilfsbereiter Typ“, erklärte er und folgte betroffen den Schilderungen der Opfer. Er wünsche sich sehr, dass die Familie nicht mehr unter den Folgen der Gewalt leiden müsse.

Eben jene psychischen Folgen aber seien gravierend, betonten die Opfer, die als Nebenkläger vor Gericht erschienen: Neben den körperlichen Verletzungen seien Angst und Alpträume geblieben. „Menschenmassen meiden wir“, erklärte die Frau, „und Geräusche schrecken uns auf.“

Am Ende stellte sich für Verteidigung und Staatsanwaltschaft vor allem eine Frage: Hatte der Täter sein Opfer gewürgt und damit sein Leben gefährdet? Das konnte ihm schließlich nicht nachgewiesen werden. Drogen und Alkohol wirkten sich auch gegen den Protest der Nebenkläger schuldmindernd aus. Ihre Anwälte glaubten dem Täter nicht, von den Drogen nichts gewusst zu haben, und forderten eine 15-monatige Bewährungsstrafe. „Das wäre völlig unverhältnismäßig“, urteilte Richter Kalhöfer-Köchling und verurteilte den Täter zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten, die auf zwei Jahre ausgesetzt wurde. Außerdem muss er 1000 Euro Geldstrafe bezahlen. Der Täter bot den Opfern an, die Tatnacht mit ihm gemeinsam aufzuarbeiten. „Wenn Sie mich kennenlernen, könnte es Ihnen vielleicht leichter fallen, mit dieser Nacht umzugehen“, befand er.

Der Staatsanwalt nahm schließlich noch einen anderen Aspekt in den Blick: „Dieser Fall zeigt vor allem die Schattenseiten des Tourismus in Willingen auf“, betonte er, „das sollte dringend ordnungspolitisch eingedämmt werden.“ (resa)

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