Dorflehrer mit historischem Festprogramm gewürdigt:

Adolf-Brandt-Weg in Vasbeck eröffnet

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Der Adolf-Brandt-Weg ist eröffnet: Philipp Emde, Albrecht Tobien und Gerhard Behle (v. l.) machten den Weg für die Besucher frei

Diemelsee-Vasbeck - Den Weg am Teich haben die Vasbecker am Freitagabend nach dem einstigen Dorflehrer Adolf Brandt benannt. Mit dem anschließenden Festprogramm führten sie sich Musik und Lebensumstände zu seiner Schaffenszeit vor Augen.

So richtig kennen selbst die ältesten Vasbecker den Lehrer Adolf Brandt nur noch aus Erzählungen, gab Philipp Emde zu. Denn der Mann, über den Emde ein Buch geschrieben hat, ist schließlich 1924 gestorben. „Warum machen wir also solch ein Tamtam?“, fragte der junge Vasbecker und beantwortete dann seine eigene Frage: „Adolf Brandt war ein ungewöhnlich fortschrittlicher Lehrer, trat als Anwalt der Unzufriedenen für die Armen ein und hat einen größeren schriftlichen Nachlass hinterlassen als irgendein anderer historischer Vasbecker.“ Im Gesamtpaket sei er ein absolut bewundernswerter Mensch gewesen, fasste Emde zusammen.

Bei Feier zurück in Brandts Schaffenszeit geblickt

Dass viele Vasbecker genauso denken, bewies der Besucherandrang bei der Enthüllung eines neuen Straßenschilds für den Weg an der Teichanlage: „Weder der naheliegende Name Am Teich steht darauf noch das betonte Vasbecker Hafenstraße“, schmunzelte Philipp Emde, sondern Adolf-Brandt-Weg. Zusammen mit Ortsvorsteher Albrecht Tobien und dem Beigeordneten Gerhard Behle, der Bürgermeister Volker Becker vertrat, enthüllte er das neue Straßenschild.

Auf dem Adolf-Brandt-Weg gingen die zahlreichen Gäste dann zur Walmehalle, wo sie bei einer Feier den Pädagogen würdigten. Das Programm sollte die Gäste in die Wirkenszeit des Lehrers zurückversetzen: „Stellen Sie sich vor, wie Brandt mit seiner Schulklasse über den Edersee fährt, während alle zusammen ‚Im schönsten Wiesengrunde‘ singen“, kündigte Philipp Emde das Lieblingslied des Pädagogen an - vorgetragen vom durch ihn einst „aus dem Dornröschenschlaf geweckten“ Gesangverein des Dorfes. Die Sängerinnen und Sänger des gemischten Chores sorgten mit dem Posaunenchor für die musikalische Ausgestaltung des Abends.

Ein Glanzlicht war der Auftritt von Elfriede Trost, Lydia Emde, Gerda Wetekam und Anneliese Pistorius, die einen Sketch über das Dorfleben vor hundert Jahren aufführten - der Zeit getreu auf Plattdeutsch. Ebenfalls in alter Zunge rezitierte Hildegard Emde mit „Unser Pastor“ spontan ein Gedicht Adolf Brandts.

Unangenehme Seiten der Geschichte in Worte gefasst

Einen Vortrag über „Erinnerungskultur“ und den Ersten Weltkrieg hielt Dr. Bernd Zimmer: Die Auswirkungen von Propaganda waren ebenso Thema wie wenig beachtete deutsche Massaker in den belgischen Städten Löwen und Dinant. „In dieser Zeit tat Adolf Brandt das, wofür er heute noch in Erinnerung ist“, stellte Bernd Zimmer den Bezug zum Thema des Abends her: Er habe Interesse für seine ehemaligen Schüler gezeigt, auch als sie weg und an der Front waren. Mit einigen habe er noch an den Tagen vor ihrem Tod Kontakt gehabt.

Auch Philipp Emdes Werk über den Lehrer begann als Abhandlung über den Ersten Weltkrieg, doch dann hätten sich die Verdienste Brandts herausgeschält: „Er hat dem Elend, das über die Leute kam, Worte verliehen - sonst wäre es ein weißer Fleck in der Geschichte geblieben“, betonte er. Sein Dank galt der Familie des Pädagogen, die seinen Nachlass bewahrt hat. Er rief zum Bedacht im Umgang mit historischen Stücken auf: „Sonst versperren wir den nachfolgenden Generationen die Vergangenheit.“ An Brandt würden glücklicherweise auch abseits des nach ihm benannten Weges Relikte an verschiedenen Stellen des Ortes erinnern.

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