Korbach

Ärger um Neubau am Katthagen

- Korbach (gl). Das Gebiet um das alte Korbacher Feuerwehrhaus soll mit modernen Neubauten gefüllt werden. Die Anwohner in ihren Fachwerkhäusern finden das nicht lustig und fühlen sich übergangen.

Eigentlich eine ideale Wohnlage: leben wie im Dorf in kleinen Häusern und mit Nachbarn, die sich untereinander kennen. Dazu aber die Vorteile der Stadt: Läden sind schnell erreichbar, auch am Wochenende ist immer etwas los. Der Katthagen in Korbach mit seinen alten Gebäuden ist nicht nur bei Touristen sehr beliebt, sondern auch bei den Bewohnern Korbachs. Aus eben diesem Grund ist Familie Bohne in diese ruhige Ecke der Stadt gezogen. Viel Geld haben sie in den 19 Jahren, die sie hier inzwischen leben, in ihr kleines Häuschen gesteckt. Einen großen Garten haben sie nicht, aber „wir waren zufrieden“, meint Petra Bohne. Anfang Mai hat sich das schlagartig geändert. Ein kleines, altes und marodes Fachwerkhaus direkt gegenüber war im Januar 2008 abgerissen worden, ein ähnliches sollte an gleicher Stelle entstehen. Doch als plötzlich das Licht wegblieb, war der Schrecken groß: Was dort auf der anderen Straßenseite hochgezogen wurde, sah für Familie Bohne nicht nur wie ein moderner Neubau aus, sondern schien ihnen vor allem viel höher als das Fachwerkhaus, das bisher dort gestanden hatte. Der Ärger fing damit erst so richtig an. Neben Bohnes Nachbarhaus liegt derzeit noch ein großer, freier Platz. Bis zum Umzug der freiwilligen Feuerwehr im Jahr 2004 stand hier eine Garage für Feuerwehrfahrzeuge. Diese alte Garage hat die Stadt Korbach inzwischen abreißen lassen, obwohl sie für ihren Taxibetrieb Interesse an einer Weiternutzung der Garage mitsamt ihrer Werkstattmulde angemeldet hätte, so Petra Bohne. Bald soll der ganze Platz direkt neben dem historischen Schwalenstöcker-Haus einer Mehrfamilien-Anlage samt Spielplatz weichen. „Für mich ist das der Horror“, meint sie, „mit der Ruhe ist es dann vorbei.“ Parkraum für mindestens zehn Autos soll die Anlage haben. Bohne fürchtet, dass der Verkehr in den engen Straßen dann überhand nehmen wird. Stadt Korbach beruhigt Korbachs Bauamtsleiter Burkhard Fincke hingegen weist auch auf die Vorteile der Neubebauung hin: „In diesem Bereich war nach dem Auszug der Feuerwehr alles tot – durch neue Bewohner kommt da jetzt wieder Leben rein. Nur eine lebendige Altstadt kann ihre Anwohner und die Touristen auch unterhalten.“ Er könne die Befürchtungen der Bewohner verstehen, möchte sie aber zugleich beruhigen: „Es gibt keinen Bebauungsplan. Also kommt Paragraf 34 des Baugesetzbuches zum Tragen“, so Fincke. Der besagt, dass sich Neubauten innerhalb von Ortschaften „nach Art und Maß der baulichen Nutzung, der Bauweise und der Grundstücksfläche, die überbaut werden soll, in die Eigenart der näheren Umgebung einfügen“ müssen und das Ortsbild nicht beeinträchtigt werden darf. Das Bauvorhaben entspräche also allen gesetzlichen Bestimmungen. Des Weiteren meint Finke: „Die Stadt ist ein lebender Organismus und entwickelt sich ständig weiter.“ Das sei in ganz Korbach sichtbar, besonders im Altstadtbereich. Petra Bohne findet diese Worte wenig tröstlich. „Das ist doch Wertminderung“, meint sie mit besorgtem Blick auf ihr eigenes Haus. Bleiben? Verkaufen? Petra Bohne weiß es noch nicht.

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