Korbacher Firmen Rohde und Horizont ausgezeichnet

Agentur für Arbeit übergibt Zertifikate an engagierte Ausbildungsbetriebe

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Das Ausbildungs-Zertifikat für Rohde – von links: Personalleiter Gerald Pusch, die beiden Geschäftsführer Jörg Scheffer und Stephan Trachte, Bernd Wilke von der Agentur für Arbeit, Melanie Witkowski vom Arbeitgeberservice der Agentur und Personalreferentin Indra-Isabell Berkenkopf.

Korbach – Zwei Korbacher Unternehmen erhielten von der Bundesagentur für Arbeit das Zertifikat für Nachwuchsförderung überreicht. Zur „Woche der Ausbildung“ überreichte Bernd Wilke von der Korbacher Agentur die Auszeichnung an die Tief- und Straßenbaufirma Rohde  und an die Firma Horizont.

Mit der Auszeichnung würdige die Agentur deren „herausragendes Engagement in der Ausbildung“, erklärte der für Waldeck-Frankenberg zuständige Leiter des „operativen Bereichs“.

 Der Ausbildungsmarkt habe sich gedreht, berichtet Wilke. Habe es vor zehn Jahren noch weit mehr Bewerber als Stellen gegeben, seien im September vorigen Jahres auf 1300 Ausbildungsplätze 1200 Interessenten gekommen. Daher werbe die Agentur für die Ausbildung. Auch für Unternehmen wird es immer wichtiger, sich um Nachwuchs zu bemühen.

Rohde: „Wir bauen die Verbindungen der Zukunft“

Unter das Motto „Wir bauen die Verbindungen der Zukunft“ hat Rohde seine Ausbildungsinitiative gestellt. Die Gruppe beschäftigt an den Standorten Korbach, Kassel und Erfurt rund 450 Mitarbeiter, in Korbach sind es rund 280. Darunter sind in der Gruppe 40 bis 50 in Ausbildung, 30 sind es in Korbach. Eine Ausbildungsquote von mehr als zehn Prozent sei für ein Straßenbauunternehmen gewaltig, sagt Geschäftsführer Stephan Trachte. 

Ausgebildet werden Tiefbaufacharbeiter, Straßenbauer, Baugeräteführer, KFZ-Mechatroniker, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Industriekaufleute und IT-Systemkaufleute. Auch ein duales Studium des Bauingenieurwesens an der Kasseler Universität ist möglich. 

Die Bandbreite zeugt vom Wandel in der Baubranche, die auch in der Öffentlichkeit für einen Imagewechsel wirbt. So seien inzwischen viele Geräte im Einsatz, die Digitalisierung habe längst Einzug gehalten, berichtet Co-Geschäftsführer Jörg Scheffer. Körperliche Kraft sei nicht mehr so erforderlich wie früher,  sagt Personalleiter Gerald Pusch. Berufe wie Baugeräteführer seien auch für Frauen interessant, „da sehen wir ein großes Potential.“

Um Jugendliche anzusprechen, setze Rohde auch auf "Soziale Medien", berichtet Personalreferentin Indra-Isabell Berkenkopf. So werde in einem Firmen-Blog wird die Ausbildungspraxis beschrieben, bei Facebook gibt es Infos über offene Stellen. „Das wird wird wahrgenommen.“ 

Für neue Lehrlinge gebe es abwechslungsreiche Einführungstage um ihnen klar zu machen, dass sie sich für den richtigen Betrieb entschieden hätten. Außerdem erhielten sie ihr "Rüstzeug": Welche Formalien müssen sie erfüllen? Wo ist die Berufsschule zu finden?

Generell gelte: „Sie müssen Zeit in die jungen Leute investieren“, betont Pusch. Eine „intensive Betreuung“ sei erforderlich, dazu gehören auch die hausinterne Prüfungsvorbereitung, Schulungen und Angebote zur Teambildung. 

Rohde achte nicht nur auf Schulnoten, auch schwächere Bewerber bekämen ihre Chance, sagt Pusch. "Es ist unsere Herausforderung, aus ihnen gute Facharbeiter zu machen." Voraussetzung: Zuverlässigkeit.

Weiteres Plus des Bauhandwerks: Eine gute Bezahlung nach Tarifvertrag gebe es schon während der Ausbildung, betont Trachte. Der Lohn steige in den drei Lehrjahren von 850 über 1200 auf 1475 Euro im Monat. Und ausgelernte Gesellen erhielten nach Tarif mindestens 15,20 Euro die Stunde. "Wir zahlen lieber ein bisschen mehr und haben dafür engagierte Leute", fügt Scheffer hinzu.

Rohde mit seiner 130-jährigen Geschichte profitiere bei der Suche nach Mitarbeitern auch von seinem Ruf, sagt Pusch. Zum Teil hätten schon Großväter von Beschäftigten im Unternehmen gearbeitet. "Familie ist uns ganz wichtig."

Rohde wolle allen Mitarbeitern etwas bieten, sagt Scheffer. So sei in Korbach im Zuge von Modernisierungsarbeiten ein Fitnessraum geplant. Weihnachtsfeiern für die ganze Familie sollen den Zusammenhalt fördern. Schließlich stehe Rohde im Wettbewerb um Facharbeiter, da müsse sich das Unternehmen auch nach außen attraktiv darstellen.

Ziel ist, die Auszubildenden in die „Rohde-Familie“ aufzunehmen und nach ihrer Lehre zu übernehmen. Es gebe viele Aufstiegsmöglichkeiten vom Vorarbeiter zum Polier oder Schichtmeister, berichtet Scheffer. An der Fachschule sei eine Weiterbildung zum Vermesser oder Abrechner möglich, auch das Studium stehe Mitarbeitern offen. 

Horizont: "Wir stecken viel Herzblut in die Ausbildung“

Die Auszeichnung der Arbeitsagentur für Horizont – von links: Auszubildende Sabrina Heidel, Sonja Frankenstein vom Arbeitgeberservice der Agentur, Bernd Wilke, die Leiterin der kaufmännischen Ausbildung, Clarissa Raabe, und Auszubildende Lea Diehl.

„Für uns ist das Zertifikat etwas Tolles, denn wir stecken viel Herzblut in die Ausbildung“, sagt Clarissa Raabe, die bei der Horizont-Gruppe die kaufmännische Ausbildung leitet und für die Personalentwicklung und das Gesundheitsmanagement zuständig ist. 

Unter den rund 290 Mitarbeitern am Standort Korbach seien derzeit 28 Auszubildende in zwölf kaufmännischen und technischen Berufen, außerdem gebe es drei duale Studiengänge, berichtet sie. 

Ausbildung genieße bei dem mittelständischen Industrieunternehmen einen hohen Stellenwert, die Quote von knapp zehn Prozent sei hoch, betont Raabe. Neben einer qualifizierten Ausbildung bekämen Auszubildende vielseitige Angebote, um „über den Tellerrand zu schauen“. So lernten sie alle Abteilungen kennen, damit sie „das gesamte Unternehmen verstehen“. 

Sie würden betreut, aber sie sollten auch selbstständig arbeiten. Dazu dienten auch Projekte, in denen Männer und Frauen aus unterschiedlichen Ausbildungsberufen zusammenwirken. 

Die angehende Mediengestalterin Sabrina Heidel stellte die vor wenigen Jahren eingerichtete Forscherwerkstatt vor, in der Auszubildende Jugendliche für technische Berufe begeistern wollen. So werden Schulklassen eingeladen, die in Workshops das Löten üben oder sich mit der Steuerung von Robotern oder dem 3-D-Druck befassen. 

Mit dem zweiten Projekt gewann ein Team den Nachwuchswettbewerb von Hessen-Metall: Von Auszubildenden gedrehte Videos zeigen Mitarbeitern, wie Geräte korrekt zusammengebaut werden – die WLZ berichtete. Bislang gab es sogenannte Produktbegleitkarten in Papierform oder als Word-Datei. Die Auszubildenden untersuchten, wie sie sich verbessern ließen. Ergebnis: bislang 20 Videos, die mit einem einfach zu handhabenden Tablet am Arbeitsplatz aufrufbar sind und Arbeitsschritte gut sichtbar machen. 

"Die Mitarbeiter nehmen es gut an", berichtet Raabe. Das sei ein Beispiel dafür, wie Projekte der Auszubildenden in den Betriebsalltag eingegliedert würden.

Die angehende Industriekauffrau Lea Diehl stellte den „modularen Weiterbildungsführerschein“  vor, den Ausbilder und Auszubildende entwickelt haben. Da geht es um Teambildung, Zeitmanagement, Gesundheitskompetenz, Produktschulungen oder Ergonomie am Arbeitsplatz. 

Außerdem wolle das Unternehmen „interkulturelle Kompetenzen“ vermitteln, sagt Raabe, so hat Lea Diehl ein zweiwöchiges Praktikum im englischen Horizont-Werk absolviert. 

Horizont erhalte noch viele hochwertige Bewerbungen, doch der Facharbeitermangel sei etwa in der Logistik spürbar, sagt Raabe. Das heißt: Es gilt, weiter auszubilden. (-sg-)

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