Schuldner finden kaum noch eine neue Wohnung

Aktionswoche der Schuldnerberatung: Wenn die Miete zum Albtraum wird

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Weisen auf die bundesweite Aktionswoche „Albtraum Miete“ hin: (von links) Monika Spitzer und Rebecca Viebrock-Weiser von der Schuldnerberatung des DRK-Kreisverbandes Korbach-Bad Arolsen. 

Korbach – Monatsanfang und das Geld reicht nicht für die Miete: Für manche Menschen in Waldeck-Frankenberg ist das traurige Realität.

Auf das Problem der hohen Mieten im Landkreis weist die Schuldnerberatung des DRK-Kreisverbandes Korbach-Bad Arolsen im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Albtraum Miete“ hin.

Knappes Angebot und steigende Mieten sind längst nicht mehr nur Probleme der Ballungszentren: „Bezahlbaren und gleichzeitig vernünftigen Wohnraum zu finden wird in den Mittelzentren wie Korbach oder Bad Arolsen immer schwieriger. Die Situation spitzt sich zu, die Mieten steigen spürbar“, sagt Rebecca Viebrock-Weiser, Schuldnerberaterin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Korbach. Besonders bei Beziehern niedriger und mittlerer Einkommen fresse die Mietzahlung so viel Haushaltseinkommen auf, dass die Menschen allein wegen der Mieten mit einem Bein in der Schuldenfalle steckten, sagt die Schuldnerberaterin.

Auf die Dörfer auszuweichen, ist für die meisten Betroffenen auch keine Lösung: Zwar sind im Umland die Mieten deutlich günstiger als in den Mittelzentren: „Allerdings haben wir hier teilweise unsanierte Wohnungen mit exorbitanten Nebenkosten.“ Unterm Strich bleiben die Kosten fürs Wohnen also hoch. Hinzu komme das Problem der mangelnden Mobilität, verweist Viebrock-Weiser auf das oftmals dürftige Angebot des Öffentlichen Nahverkehrs.

Schufa-Auskunft sagt nur wenig über Zahlungsfäigkeit aus

Für Menschen in der Grundsicherung seien die hohen Mieten ein Albtraum. „Die Differenz zwischen laut Jobcenter angemessener und tatsächlich auf dem Wohnungsmarkt verlangter Miete müssen die Betroffenen dann aus dem eigentlich für die Lebenshaltungskosten vorgesehenen Betrag bezahlen“, sagt Viebrock-Weiser. Wenn sie denn überhaupt eine Bleibe finden: Für Schuldner sei sogar das schon schwierig.

Schuld daran ist laut Viebrock-Weiser die von Vermietern im Landkreis häufig verlangte Schufa-Auskunft. Dabei sage diese wenig über die tatsächliche Zahlungsfähigkeit aus, erklärt die Schuldnerberaterin. „Zum einen werden Mietschulden bei anderen privaten Vermietern gar nicht aufgeführt, zum anderen bildet die Schufa-Auskunft Schulden aus ganz anderen Bereichen ab und zeigt nicht, ob die Betroffenen sich bemüht haben, trotz Schulden ihre Miete immer zu zahlen.“

Hilfe in finanziellen Notlagen

Wer bei der Bewältigung finanzieller Notlagen Hilfe benötigt, kann sich an sie wenden: Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Deutschen Roten Kreuzes in Korbach bietet montags von 14 bis 16 Uhr in der Arolser Landstraße 23 eine Sprechstunde ohne Anmeldung an. Darüber hinaus ist Beraterin Rebecca Viebrock-Weiser montags und freitags von 9 bis 11 Uhr sowie mittwochs von 13 bis 15 Uhr unter Tel. 05631/9599-36 zu erreichen. Hilfesuchende aus dem Altkreis Frankenberg und Bad Wildungen wenden sich an den Kreisverband Frankenberg, Tel. 06451/23081-45. Finanziert wird die Beratung vom Landkreis, Land Hessen und aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF).

Im Kino: „Push - Für das Grundrecht auf Wohnen“

Wenige Themen bewegen aktuell so viele Menschen so sehr wie die steigenden Mietpreise, Verdrängung aus Innenstädten, Mietwucher. Genau im richtigen Moment kommt daher am 6. Juni „Push - Für das Grundrecht auf Wohnen“ ins Kino, in dem der schwedische Regisseur Fredrik Gertten viele Facetten des Themas umkreist. Betont parteiisch zwar, aber in jedem Fall zu Diskussionen anregend.

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