Komikerin Mirja Boes zieht alle Register in der bis auf den letzten Stuhl besetzten Korbacher Stadth

„Alien“ im Kopf steuert Mutterschiff

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Mirja Boes hatte beim Gastspiel in der Stadthalle die Lacher auf ihrer Seite. :

Korbach - „Ich doch nicht“, lautet der Titel des aktuellen Programms von Mirja ?Boes, mit dem die ?Comedy-Größe in der ?maximal bestuhlten und bis auf den letzten Platz ausverkauften Korbacher Stadthalle gastierte.

Ihr auf elementare menschliche Grunderfahrungen zielender Humor spricht so gut wie jeden an und lässt keinen kalt, zumal die vorher nicht wirklich absehbaren Konsequenzen des Kinderkriegens ausreichend Anlässe für saftige Hiebe unter die Gürtellinie von Frau und Mann und Baby bieten.

Verhalten ändert sich

Die Absage im Titel bezieht sich zunächst auf die typischen Verhaltensweisen von Müttern, die Frau nie im Leben annehmen will - bis das erste Kind unterwegs ist. Der Grund für die spontane unvorhersehbare Verhaltensänderung ist der „Alien“, der sich spätestens bei der Entbindung im Kopf festsetzt und fortan das Kommando über das „Mutterschiff“ übernimmt.

Die mangelhafte Vorbereitung auf die Mühen der Geburt und die dazu erzählten Lügen sind das erste Hauptthema: „Man vergisst nichts“ von diesen unsäglichen 22 Stunden, klagt Mirja Boes. Doch erst nach der endlich überstandenen Geburt, wenn einem der kleine „Knitter-Opa, der eine schwere Reise hinter sich hat“, auf den Bauch gelegt wird, beginnen Mütter Dinge zu tun, die sie vorher nie tun wollten, angefangen beim „Schwachmatengespräch“ wie „Ja, wo isser denn?“

Beim Blick in entsprechende Internetforen, wo sich „Puschelmuschel“ und „Sausewind“ über Windelinhalte austauschen, entsteht der Eindruck, noch normal zu sein, und drei Grundverbote werden deutlich: 1. Keine Stuhlganggespräche, das ist was für Männer; 2. Nie über Babypopel sprechen (auch wenn die folgenden fünf Minuten voller plastischer Schilderungen des Phänomens sind); 3. Angebis- sene und angelutschte Dinkelstangen nicht zu Ende essen. Allerdings lassen sich die Hirse-Krin gel von Hipp mittels Paprika und Pfeffer gut für den Fußballabend einer Männerrunde recyclen, so Mirja Boes, die über das Thema Selbstwahrnehmung zu den klassischen Geschlechterdifferenzen kommt, sprich: Warum Frauen auch nicht immer zuhören und was dabei so alles herauskommt. „Würde selbst mit mir Schluss machen, wenn ich mich beim Äpen sehe“, kommentiert sie ihre Keifmimik, aber der Äpreflex lässt sich nun mal nicht abstellen, so wenig wie Konsequenzen einer Schwangerschaft, etwa zeitweilige Demenz, wegen der die werdende Mutter im neunten Monat schon mal vergisst, dass sie gerade noch bremsen wollte. „Wenn Gebären so einfach wäre, hätte ich beim zweiten Kind noch ein Auto geschrottet“, lautet ihr Kommentar zur Erwartungshaltung von Unfallgegnern und Unbeteiligten, die sogar im Fußraum des Pkw nach einem Neugeborenen suchten.

Nach der Pause gibt es „Eye Candy“ für die Netzhaut mit dem überaus üppig bestückten und ziemlich boshaften Alter Ego Valerie Denzer, das munter über die in der Garderobe festsitzende Boes herzieht. Die selbst ernannte Schönheitsexpertin schockiert das Publikum mit grenzwertigen „Beauty-Tipps“ wie einer Gesichtsmaske aus dem Bodensatz einer Pfütze, Vick Blau als Sommerduft oder ständig sei- digem Schimmer dank Biskin.

Die Kinder müssen auch als Gründe für Verschlechterun-gen im Erscheinungsbild herhalten: „Früher trug sie Chanel Nummer fünf, seitdem sie ein Baby hat, reicht es nur noch für Chanel zweieinhalb ...“

Für Alltag aufmotzen

Nach der Boes-Schelte wendet sich Valerie jenem Teil der Menschheit zu, der noch nie einen „Beauty-Salon“ von innen gesehen hat, sprich allen Männern.

Als Verschönerungsobjekt holt die Expertin Ludwig auf die Bühne, der zu einer ansprechenden Erscheinung für den Alltag aufgemotzt werden soll. Der so Umfrisierte verlässt den mobilen Salon schließlich mit einer George-Clooney-Maske.

Der Schwung der ersten Hälfte sollte sich aber nicht mehr so recht einstellen, auch wenn Mirja Boes wieder im Vorpausenlook auf die Bühne zurückkehrt, um Fragen der Zuschauer zu beantworten oder Publikumswünsche zu erfüllen - und sei es nur ein gemeinsames Bild auf der aufblasbaren Couch. Aber Neugier und Eitelkeit zählen ja ebenso zu den menschlichen Grundbedürfnissen wie die Inhalte der ersten Hälfte des Programms.(ahi)

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