Vereinsvertreter diskutieren auf Präventionsveranstaltung in Adorf über „Jugend und Alkohol“

Alkohol als Thema in der Jugendarbeit

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Fordern einen bewussteren Umgang mit Alkohol in den Vereinen (v.l.): Silvia Radke, Ulrike Ritter, Dirk Virnich, Nathalie Willeke und Diemelsees Bürgermeister Volker Becker.

Diemelsee-Adorf - Jugendliche und der Umgang mit Alkohol ist in der Gemeinde Diemelsee ein wichtiges Thema. Nun wurden jene angesprochen, die viel Kontakt zu den Jugendlichen haben: die Vereinsvertreter.

Dürfen Trainer beim gemeinsamen Fußballgucken mit ihren Jugendspielern Bier trinken? Oder erlaubt das die Vorbildfunktion nicht? Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Jugendlicher auf einer öffentlichen Feier der Feuerwehr oder des Schützenvereins bis zur Besinnungslosigkeit trinkt? Diese Fragen wurden am Mittwochabend bei der Präventionsveranstaltung „Jugend und Alkohol“ in Adorf beantwortet.

„Unsicherheit in Vereinen“

Eingeladen waren vor allem Vertreter und Jugendgruppenleiter von Vereinen. Und die waren auch gekommen - egal ob Sport- und Schützenverein, Landjugend oder Feuerwehr. „Es gibt in den Vereinen eine große Unsicherheit, wie mit dem Thema Alkohol und Jugendliche umgegangen werden soll“, stellte Ulrike Ritter von der Fachstelle für Suchtprävention des Diakonischen Werkes Waldeck-Frankenberg fest. Sie will, dass sich die Verbände bewusst werden, wie die Präventionsarbeit in der eigenen Jugendarbeit aussieht.

Deshalb wurden vor allem die Vorbildfunktion der Gruppenleiter und die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes angesprochen. Unterstützung erhielt Ritter dabei von Silvia Radke von der evangelischen Jugendarbeit Diemelsee, von der Schulsozialarbeiterin an der Mittelpunktschule Adorf, Nathalie Willeke, und vom Jugendkoordinator der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg, Dirk Virnich.

Ritter empfahl, während der Arbeit mit Jugendlichen und Kindern komplett auf Alkohol zu verzichten. Zudem sollten sich Vereine überlegen, auf öffentlichen Feiern mit jungen Gästen keine Spirituosen anzubieten. Denn Dirk Virnich machte klar, dass ein Veranstalter auch dann zur Verantwortung gezogen werden kann, wenn sich die Jugendlichen hochprozentigen Alkohol über ihre älteren Freunde besorgen.

Beispiele, wie es geht, lieferte Silvia Radke. Bei Jugend-Discos der evangelischen Kirche gebe es nur Bier und alkoholfreie Getränke. Zudem würden mit Konfirmanden Regeln für risikoarmen Konsum aufgestellt. „Alkohol muss in den Vereinen zum Thema gemacht werden, mit ihren Eltern sprechen die Jugendlichen nur selten darüber“, ergänzte Ulrike Ritter.

Dass in vielen Vereinen bereits bewusster mit dem Alkoholkonsum Jugendlicher umgegangen wird, zeigte sich in den Gesprächen beim Präventionsabend. Angesprochen auf die Kompetenzen, die ein Gruppenleiter haben müsste, nannten die Vereinsvertreter vor allem Vorbildfunktion und Verantwortungsbewusstsein.

Negative Erfahrung nutzen

Ulrike Ritter stellte zudem das „Halt-Projekt“ vor. Jugendliche, die mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus landen, werden dort von Mitarbeitern des Diakonischen Werkes betreut. „Es ist wichtig, sofort nach der Negativ-Erfahrung etwas zu tun,“ so Ritter. Im Landkreis seien die jüngsten Patienten 13 Jahre jung, im vergangenen Jahr kamen rund 60 Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus.

Bürgermeister Volker Becker wies daraufhin, dass in der Gemeinde schon einiges an Präventionsarbeit geleistet worden sei. Die Veranstaltung am Mittwochabend war ein weiterer Baustein in diesem Bemühen.

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