Lothar Fisseler ist Hausmeister an gleich zwei Schulen – ein Job mit täglich neuen Aufgaben

Ein Alltag mit wenig Normalität

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Aufträge nimmt Lothar Fisseler nicht am Computer entgegen, sondern an der Pinnwand.

Korbach - Wenn Lothar Fisseler von Bekannten gefragt wird, was er in seinem Job den ganzen Tag so macht, dann fällt ihm eine Antwort schwer. Es sind einfach zu viele Sachen, und an einen geregelten Arbeitsablauf ist nicht zu denken. Lothar Fisseler ist Schulhausmeister.

Es ist sechs Uhr am Morgen und Lothar Fisseler hat ein Problem. Der einachsige Schneeschieber funktioniert nicht. In einer Stunde kommen die ersten Schüler, bis dahin sollte der Hof möglichst geräumt sein. Doch von so was lässt sich Fisseler nicht aus der Ruhe bringen. „Zum Glück sind wir technisch begabt“, lacht er und meint mit wir die Hausmeister im Allgemeinen.

Herr über zwei Schulen

Lothar Fisseler ist Hausmeister an gleich zwei Schulen in Korbach - an der Westwallschule und an der Schule am Enser Tor. Die Gebäude trennt nur der gemeinsam benutzte Schulhof. Wenn Fisseler von den beiden Schulen spricht, dann sagt er nur, „da oben“ oder „hier unten“. Sein Büro hat er „hier unten“ in der Schule am Enser Tor.

Dort fing der 59-Jährige vor 30 Jahren an und hier füllt er auch heute noch Bestelllisten für Putzmittel aus oder überprüft die Urlaubspläne der Raumpflegerinnen. Die Tapete in dem kleinen Zimmer, die aus den 1970er Jahren sein könnte, ein altes Kassettenradio und ein klotziger PC-Monitor wirken wie Relikte aus vergangenen Zeiten. Denn der Beruf des Hausmeisters hat sich gewandelt.

Das wird deutlich, wenn Lothar Fisseler vor der Heizungsanlage der Enser-Tor-Schule steht: moderne Technik, alles lässt sich über ein Bedienfeld steuern. Und doch ist immer sein Fingerspitzengefühl gefragt: „Wenn im Altbau das letzte Zimmer nicht richtig warm wird, dann muss ich das eben manuell einstellen“. Wie die Heizung funktioniert, das hat sich der gelernte Elektroniker selbst beigebracht.

Genau wie so viele andere Dinge. Denn neben den Büroarbeiten und Einstellungen an der Heizung scheint die Liste der Aufgaben eines Hausmeisters schier endlos. Eine grobe Vorgabe gibt es vom Gebäudemanagement des Landkreises, wo die Schulhausmeister angestellt sind. Der Eigenbetrieb gibt eine „Orientierungshilfe für Hausmeister“ heraus. Auf sieben Seiten finden sich 162 Punkte - von der Kontrolle der Blitzschutzleitungen über die Wartung der Keilriemen der Lüftungsanlage bis zum Schnitt der Hecken.

„Kannst du mal gucken“

Doch die Liste lässt sich im Alltag nicht einfach Punkt für Punkt abarbeiten. Das fängt mit der „Fundgrube“ an, wo Schüler ihre verlorenen Taschen, Hefte und Helme suchen. Einmal habe eine Mutter in den Sommerferien bei ihm geklingelt und nach einer Jacke ihres Kindes gefragt, berichtet Fisseler. Gegangen ist sie mit Mütze, Handschuhen und einer Winterjacke.

Wenn Lothar Fisseler durch die Flure der Schulen läuft, fällt immer wieder der Satz: „Kannst du eben mal gucken.“ Das Fenster ist undicht, eine Tür schließt nicht richtig, ein Stuhl ist kaputt. Dann greift Fisseler zum Werkzeug, das er immer dabei hat. Im Geldbeutel die Imbusschlüssel, in der Westentasche die Schraubenzieher und in der Hosentasche die kleine Dose Öl. Als Hausmeister muss Lothar Fisseler fast alles können. Kommt er mit dem kleinen Werkzeug nicht aus, dann wird auch zum Schweißgerät gegriffen und ein Stuhl repariert.

Zur Routine gehört bei ihm - wenn nicht gerade der Schneeschieber repariert werden muss - der morgendliche Kontrollgang durch die Schulen. Nur kommt heute ein zweites Problem hinzu. Die Weihnachtsbäume wurden einen Tag zu spät geliefert. Von Stress aber keine Spur. „Eine gewisse innere Ruhe ist Grundvoraussetzung für den Job“, so Fisseler. „Das gilt auch, wenn ich über den Schulhof gehe und aufpassen muss, dass ich keinen Fußball abkriege“, schmunzelt er.

Mit den Schülern wisse er aber umzugehen. Das gilt auch für die Sekretärinnen und die Schulleitungen, zu denen er ein gutes Verhältnis hat. Der allmorgendliche Plausch gehört dazu. Das gute Verhältnis freut ihn besonders. Machen die Lehrer einen gemeinsamen Ausflug, dann ist Fisseler dabei.

Nach dem er sich im Sekretariat auf den neuesten Stand gebracht hat, hört der Alltag aber auch auf. Die Lehrer hängen Fisseler Zettel an seine Pinnwand oder rufen ihn an. Dann geht es zum Einsatz in die Sporthalle, die Küche oder den Aufbewahrungsraum für Spielzeuge. Und genau diese Abwechslung wollte der Korbacher. Schon sein Vater war Hausmeister im alten Kreishaus an der Pommernstraße. Fisseler installierte als bauleitender Monteur die Elektrik im neugebauten Kreishaus, half dem dortigen Hausmeister über die ersten Tage und ging dann als Hausmeister an die Schule.

Mittags geht‘s ins Kreishaus

Wie in vielen Berufen gibt es auch als Hausmeister Schattenseiten: Gut einmal in der Woche komme es vor, dass eine Toilette verstopft ist und überläuft. „Das ist dann die unschöne Seite“, nimmt es Fisseler dennoch mit Humor. Und viel Zeit darüber nachzudenken, bleibt gar nicht. Denn Lothar Fisseler hat nur eine halben Arbeitstag, sich um zwei Schulen zu kümmern. Die andere halbe Stelle wird von einem Kollegen übernommen. Mittags geht es für Fisseler ins Kreishaus. Neben seinem Job als Hausmeister ist er Personalratsvorsitzender des Gebäudemanagements beim Landkreis. Daher kennt er auch jeden Hausmeister an den 66 Schulen - und er ist bei Verabschiedungen oder Einstellungsgesprächen dabei.

Im März nächsten Jahres geht Lothar Fisseler selbst in den Vorruhestand. Gedanken darüber hat er sich noch keine gemacht. Bis dahin wird er - wie jeden Tag - nach der Arbeit im Kreishaus noch einmal durch die Schulen gehen und schauen, ob alles in Ordnung ist. Ein Stück Normalität im ungeregelten Arbeitstag.

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