Jörn Häußler neuer Chef der Korbacher Feuerwehr - Mann mit Erfahrung

Von Alltagshelden und viel Adrenalin

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Korbach - Als Jörn Häußler gerade zehn Jahre alt war, trug er seine erste Feuerwehruniform. Seit vergangenen Monat ist der 36-Jährige nun Wehrführer in Korbach. Und wie immer, geht er die neue Herausforderung mit viel Herzblut an.

Wenn die Sirene heult, dann jagt das Adrenalin durch seinen Körper. Das war schon immer so: Damals, als er als Zehnjähriger bei der Feuerwehr in Thalitter zum ersten Mal eine Uniform trug und später, als er ganz vorne im Einsatzwagen saß und zum ersten Mal die Kommandos gab. Wenn es brennt und Hilfe gefragt ist, dann ist Jörn Häußler in seinem Element.

"Mein Papa war bei der Feuerwehr, also war das für mich keine Frage", erinnert sich der Korbacher, "und von Anfang an habe ich mich dort wohlgefühlt". Ein Alltagsheld wollte er werden, als er ein Kind war, einer, der anderen in der Not hilft. Weil das in Waldeck-Frankenberg aber meistens eher brotlos, weil ehrenamtlich ist, entschied sich Jörn Häußler für eine Ausbildung zum Schornsteinfeger, legte auch die Meisterprüfung ab.

"Ich habe mich gleichzeitig für den Bundeswehrersatzdienst beim Katastrophenschutz entschieden", erzählt Häussler. Und damit knüpfte er enge Bande zur Korbacher Feuerwehr. Weil er gleich neben dem alten Stützpunkt wohnte, warben ihn die Feuerwehrleute schließlich als Freiwilligen für den ersten und zweiten Zug. "Ich wollte zu Einsätzen, freute mich, wenn der Piepser ging", erinnert er sich.Das trug dann wohl auch zur großen Wende in seinem Leben bei: 2003 beschloss Jörn Häußler, Berufsfeuerwehrmann zu werden. "Fröhlich sein kann der, der sein Hobby zum Berufen machen kann", zitiert der sympathische Korbacher. Die Entscheidung hat er nie bereut.

In Frankfurt absolvierte er die Ausbildung zum Brandmeister und Rettungsassistenten. Das reichte ihm aber nicht, also setzte er Zusatzausbildungen zum Höhenretter, Feuerwehrtaucher und Luftretter obendrauf.

"Im Einsatz habe ich keine Angst", sagt er, "aber viel Respekt". Und wann wird ihm so richtig mulmig? "Eigentlich nie", sagt er, "ich habe schon so viel gesehen". Nur wenn Kinder oder Arbeitskollegen betroffen sind, dann gerät Jörn Häussler an seine Grenzen - das gilt für den Berufsfeuerwehrmann ebenso wie für den Ehrenamtlichen.

"Dann bin ich dankbar für Seelsorgegespräche", sagt er. Auch echte Kerle können über ihre Schwächen und ihre Ängste reden, sagt er. Und es gebe immer wieder Einsätze, die eine ausgiebige Nachbearbeitung bräuchten. "Wenn ich über die Einsätze rede, dann schaffe ich mir die Seele frei", sagt er. Nach acht Jahren im Schichtdienst, im ständigen Einsatz für die Berufsfeuerwehr in Frankfurt und dann in Kassel, wünschte sich Jörn Häußler eine Veränderung.

Er bewarb sich bei der Landesfeuerwehrschule in Kassel. Dort hat er nun junge Feuerwehrleute unter seine Fittiche genommen. "Die Schule ist gleich neben der Feuerwache und manchmal, wenn die Sirene geht, dann kribbelt es mir in den Fingern", erzählt Jörn Häußler mit blitzenden Augen.

"Mehr Papierkram"

Aber auch in seinem neuen Beruf geht Häußler auf: "Jetzt bin ich ein alter Hase", schmunzelt er, "und kann weitergeben, was ich gelernt habe". Und was will er seinen Zöglingen mit auf den Weg geben? "Im Wesentlichen drei Dinge", sagt er. Erstens komme es auf vernünftiges Material an, zweitens auf eine vernünftige Ausbildung und drittens auf Glück. "Und wenn erstens und zweitens stimmen, braucht man gar nicht mehr viel Glück", ergänzt er.

Diese Erfahrung hat Häußler auch in Korbach gemacht. "Wir sind hier eine starke Truppe", freut er sich, "ich war immer gerne ein Teil davon." Was sich durch seine neue Rolle als Wehrführer ändert? "Ich bin immer noch ein Teil der Wehr", sagt er und fügt dann schmunzelnd hinzu, "ich muss nur mehr Papierkram machen".

Die Wehr wolle das erfüllen, was die Korbacher von ihr erwarten. "Außerdem müssen wir in Zeiten des demografischen Wandels den Nachwuchs sichern und den Personalstand halten."

Die Faszination für seine Aufgabe hat er seit 28 Jahren nicht verloren. "Ich bin ein bisschen ruhiger geworden", sagt er, "den Adrenalinschub spüre ich aber immer noch". Und doch gehe es ihm vor allem um eins: "Ich habe die Ausbildung, um zu helfen. Also will ich das auch tun."

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