Archive, Literatur, Zeitzeugen: Leistungskurs Geschichte hat spannende Kapitel der Geschichte erfors

ALS-Abiturienten präsentieren ihr Buch

Abiturienten des Leistungskurses Geschichte, Lehrer Johannes Grötecke und Schulleiter Robert Gassner (r.) präsentierten ein neues Buch. Dank galt (hinten v.r.) Henrik Ludwig, Präsident des Lions-Clubs Korbach-Bad Arolsen, Karl-Heinz Keudel, Vorsitzender des ALS-Fördervereins, Bürgermeister Klaus Friedrich und Dirk Bödefeld (Lions-Förderverein) für die Unterstützung. Foto: Kleine

Korbach - Eine Reise durch Kriegs- und Nachkriegszeit“ beleuchtet spannende Kapitel der Weltgeschichte ganz nah dran an der Heimat. Abiturienten der Alten Landesschule haben das neue Buch erarbeitet - ab sofort erhältlich in Korbach.

Entdeckungsreicher kann ein Geschichtsunterricht kaum sein, als selbst forschend den Blick in die Vergangenheit zu werfen. Erfahrungen auf dieser Zeitreise haben die Abiturienten im Leistungskurs Geschichte beflügelt, weit über den Unterricht hinaus am Ball zu bleiben - mit einem großen Ziel vor Augen: Wir schreiben zusammen ein Buch.

Gestern präsentierten Schüler und Lehrer das 116 Seiten umfassende Werk im Korbacher Traditionsgymnasium. Mit dabei waren Henrik Ludwig, Präsident des Lions-Clubs Korbach-Bad Arolsen, Dirk Bödefeld vom Vorstand des Lions-Fördervereins, Karl-Heinz Keudel als Vorsitzender des Fördervereins der Alten Landesschule (ALS) und Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich.

Lions-Club, ALS-Förderverein und die Stadt Korbach haben das Projekt stark unterstützt - nicht nur finanziell, sondern auch durch Zugang zu Texten und Archivmaterial. Auf das Ergebnis können die Schüler und ihr Geschichtslehrer Johannes Grötecke stolz sein.

Krieg bis 68er-Revolte

Von „Zwangsarbeit in Korbach“ während des Zweiten Weltkriegs (1939 bis 1945) über die Bombardierung der Edertalsperre, das Schicksal einer jüdischen Familie, „Entnazifizierung“ nach dem Krieg, Schicksale von Vertriebenen bis zur Korbacher Stadtentwicklung und der Jugendrevolte der 68er-Generation spannt sich der Bogen. In unserer WLZ-Ausgabe vom 22. Februar haben wir ausführlich über Inhalte und Entstehung des Buchs berichtet.

Schulleiter Robert Gassner lobte die Schüler gestern bei der Präsentation: „Ich bin froh, wenn es solche Highlights an unserer Schule gibt.“ Ebenso dankte Gassner den Förderern des Projekts.

Der Impuls für das Buch kam von den Schülern selbst, wie Geschichtslehrer Johannes Grötecke schilderte: „Deutschland in der Nachkriegszeit“ hieß das Thema für den Unterricht. Statt einer Klassenarbeit schlug eine Schülerin vor, ein Buch zu erarbeiten. Wichtige Kapitel der Kriegszeit nahmen sie gleich hinzu. Denn ohne die Vorgeschichte sind Entwicklungen der Nachkriegszeit kaum zu ergründen.

Zugleich holten sich die Schüler wichtiges Rüstzeug fürs Studium, erklärte Grötecke: Vorbereitung auf wissenschaftliches Arbeiten, wie es später an der Universität gefordert wird.

Lernen fürs Leben

Facettenreich beschrieben die Schüler derweil, wie sie auf historische Spurensuche gingen. Stadtarchiv, Archiv des Internationalen Suchdiensts (ITS) in Bad Arolsen, Literatur, vor allem aber auch Zeitzeugen waren Quellen für die Arbeit.

Rückschläge hatten die emsigen Abiturienten dabei ebenso zu verdauen. Beispielsweise warteten zwei Schülerinnen vergeblich auf eine Stellungnahme des Conti-Werks zum Thema „Zwangsarbeit“. Aber auch in der eigenen Gruppe hatten die Schüler eine Krise zu überwinden, wie eine Abiturientin nachdenklich erinnerte: Das Vorhaben, ein Buch zu erarbeiten, entpuppte sich als aufwendig, zumal die Schüler gerade auf die Abiturprüfungen zusteuern.

Mit dem fertigen Buch vor Augen fällt das Fazit aber erfreulich aus: „Es war eine gute Erfahrung, dass man eine solche Krise auch überwinden kann“, resümierte die Schülerin gestern.

Deutsche und Briten

Aufschlussreich war gleichermaßen, den Blick über Deutschland hinaus zu werfen. Zur Bombardierung und Zerstörung der Sperrmauer durch britische Bomber befragte eine Schülerin sowohl Menschen im Wal­decker Land als auch Verwandte in Großbritannien. Viele Deutsche „wussten sehr wenig über die Angriffe auf die Edertalsperre“, erkannte die Schülerin. Bei den Briten hingegen registrierte sie - je nach Generation - sehr unterschiedliche Auffassungen: Die Älteren betrachteten die Bomber-Piloten weiterhin eher „als Helden“. Bei den jüngeren Briten sei das Meinungsbild dagegen viel differenzierter, vor allem angesichts der Opfer und der schlimmen Folgen für die Zivilbevölkerung.

Das Buch ist beim Verlag Bing & Schwarz in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen. Ab sofort ist es zum Preis von zehn Euro erhältlich - in den Korbacher Buchhandlungen Urspruch und Schreiber, im Bürgerbüro (Rathaus) und im Wolfgang-Bonhage-Museum.

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