„Prinzen“ im Kilian: Witziges Spiel mit Tradition und eigener Band-Geschichte

Alte Hits in neuem Gewand

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Machen weiter, solange sie Spaß haben: die „Prinzen“ in der Kilianskirche.

Korbach - Bei ihrem Auftritt in der ausverkauften Kilianskirche begeistern die „Prinzen“ mit Humor und Hits die 600 Zuhörer.

Beim Einzug zum Hymnus „Laudate omnes gentes“ erinnern die vier ehemaligen Thomaner und der eine Crucianer an die eigene musikalische Ausgangsbasis und leisten zugleich einen Tribut an die Location, die für allerlei Assoziationen mit der Leipziger Thomaskirche gut ist. Mit der allerletzten Zugabe „Verleih uns Frieden“ schließt sich gewissermaßen der Kreis. Als Halbzeitmarke und Ouvertüre zum nächsten Hit fungiert ein weiterer Chor-Klassiker: „Der Mond ist aufgegangen“. Das sonst obligatorische Einstimmen des Publikums bleibt allerdings dem nächsten Stück vorbehalten, beim „Mann im Mond“ dirigiert Tobias Künzel die Fans bei „Die Laterne raus!“

Bei dieser musikalischen Humoreske vom ersten Album ist alles beim Alten geblieben, andere Hits wurden an aktuelle Gegebenheiten angepasst, wie das an die Kirchentür angelehnte „Fahrrad“, oder vollkommen neu erzählt. Etwa „Gabi und Klaus“, denn am Ende der Version 2.0 steht nicht länger der Frust über wechselseitig verpasste Gelegenheiten, sondern ein vierfaches Happy End, bei dem die vertauschten Deckel zuletzt doch noch auf die richtigen Töpfe kommen.

Beim Durchbruchshit von 1991 sind die inhaltlichen Unterschiede unverkennbar. Die Melodien bleiben auch bei den anderen revampten Hits dieselben, obwohl die Elektronik früherer Jahre längst einem voll akustischen Instrumentarium gewichen ist, das sich allerbestens ins Ambiente der Kilianskirche einfügt.

Darüber hinaus gibt es im Repertoire ohnehin Lieder, die für den Vortrag im Gotteshaus wie geschaffen sind, auch wenn die Ironie für charakteristische Würze sorgt wie in Wolfgang Lenks Ballade vom „Backstage­pass ins Himmelreich“ oder „Ich will zurück ins Paradies“. Das traurige Lied vom Griff zum falschen Apfel und den unvermeidlichen Konsequenzen trägt Tobias Krumbiegel als Solonummer am Piano vor, während sich die Kollegen regenerieren. Mit vertraulichem Zwinkern und Küsschen ins Publikum lässt der Kopf der Prinzen den besinnlichsten Moment des Abends ausklingen.

Zum Auftakt des Konzerts zünden die Prinzen mit „Mein Fahrrad“, „Wer ist der Typ?“, „Alles mit dem Mund“ und „Du musst ein Schwein sein“ erst einmal ein heiteres Hit-Feuerwerk aus den fulminanten ersten Jahren, das keinen im Saal kalt lässt. Nach etwa einem Drittel begleitet den Beifall erstmals jenes euphorische Trampeln, das sonst frühestens vor der ersten Zugabe ertönt. Für etliche Dezibel mehr im rechten Moment sorgt die mit „Ich wär so gerne Millionär“ und „Alles nur geklaut“ bestrittene Zielgerade des offiziellen Programms.

Bei den insgesamt 26 Kompositionen bleibt viel Spielraum für die Würdigung der kompletten Band-Karriere wie der Ostalgie-Hymne „Es war nicht alles schlecht“ mit dem Mauerspecht als Lieblingsvogel, die Tobias Künzel altersweise vorträgt. Mit „Locker“ und der flotten Aufforderung an das Schätzchen, das Deo nicht verdampfen zu lassen, sondern sich lieber zu entkrampfen, sorgt Jens Sembner für frischen Schwung.

Als einziger Crucianer im Ensemble wird der Beau mit Bass im Verlauf des Programms schon mal von Tobias Krumbiegel, der mit flotten Sprüchen durch Höhen und Tiefen der Bandhistorie führt, freundschaftlich geneckt. Mit „Blaue Augen“ von Anette Humpe und der zweiten Zugabe „Junimond“ von Rio Reiser erinnern die Prinzen an zwei Musiker, die entscheidenden Anteil an der Produktion des Durchbruchalbums „Das Leben ist grausam“ hatten.

„Ich schenk dir die Welt“ ertönt als dritte Zugabe und letzter Titel aus dem Prinzenrepertoire. Anschließend staunt das Publikum nicht schlecht, als das Quintett sich mit Chornoten in der Mitte der Bühne aufstellt und zum endgültigen Ausklang „Verleih uns Frieden“ anstimmt.

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