Balken aus der Kilianskirche wird zu originellem Hochzeitsgeschenk

Aus altem Holz geschnitzt

Korbach - Geschenk mit Geschichte: Franz Sicker hat aus mehreren Hundert Jahre altem Holz aus dem Turm der Kilianskirche ein kleines Kunstwerk gemacht.

Fast ehrfurchtsvoll nimmt Franz Sicker das Holz in die Hand: Das Stück eines Eichenbalkens aus dem Glockenturm der Kilianskirche. Er stammt zwar nicht mehr aus gotischer Zeit des 14. Jahrhunderts, denn der Turmhelm wurde wiederholt durch Blitzeinschläge zerstört. Doch immerhin mehr als 300 Jahre hat die Konstruktion des Turmhelms gehalten. Mittlerweile ist das Eichenholz an etlichen Stellen und Verbindungen morsch geworden, Zimmerleute tauschen derzeit Teile der alten Balken aus. Ein 16 mal 15 mal 28 Zentimeter großes Stück davon hat Franz Sicker vorige Woche ergattert. Für den 63-jährigen Hobbykünstler aus Korbach gerade noch rechtzeitig: Er suchte noch nach einem persönlichen Geschenk für die Hochzeit seiner Tochter. „Ich wollte nicht einfach einen Umschlag überreichen“, sagt Sicker. Zwar hatte er schon eine andere Bastelei in petto, doch als er von den Balkenresten bei der Sanierung hörte, erschien ihm das Holz aus der Kilianskirche als die bedeutungsvollere, schönere Variante: „Ich habe mir nur gedacht, da musst du hin, dir einen Balken besorgen.“ Am Mittwoch holte Sicker sich das Stück ab, am Donnerstag fertigte er mit Kettensäge, Eisensäge und Stemmeisen die Skulptur – eine mediterrane, dreidimensionale Stadtsilhouette – „und am Samstag war die Trauung“, sagt Sicker. Das Geschenk sei sehr gut angekommen: „Die Menschen haben Hochachtung vor so alten Materialien“, sagt der Korbacher. „Das Stück Holz hat schließlich viel miterlebt, unter anderem zwei Weltkriege.“ Üblicherweise arbeitet Sicker aber mit moderneren Materialien. Bis zur Rente war er im Korbacher Continental-Werk als Mess- und Regeltechniker beschäftigt, für seinen Ruhestand suchte er einen neuen Weg, um sein handwerkliches Geschick auszuleben: Aus verschiedensten Werkstoffen stellt er kleine Figuren und Modelle her. Mit seiner Lebensgefährtin ist er häufig unterwegs und hält dabei die Augen nach Inspirationen offen: „Wenn wir mit dem Cabrio spazieren fahren, schauen wir uns nach schönen Kirchen um. Ich fotografiere sie und wenn ich Zeit habe, baue ich sie nach“, sagt Sicker. So ist aus Leimholz und Putz bereits das Modell einer Friedhofskapelle aus Goslar entstanden – so groß, dass es gut auf eine Tischplatte passt.Witzige Männchen aus Schrauben, Muttern und Metall sind sein zweites Standbein, so wird die Veranda im Garten von einer Mini-Musikkapelle bevölkert. „Mein Vater war Musiker, das hat mich auf die Idee gebracht“, sagt Sicker. Die Inspiration geht ihm jedenfalls nicht aus, für originelle Geschenke ist gesorgt. Die nächste Hochzeit im Hause Sicker steht schließlich im kommenden Jahr an. Von Lutz Benseler

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