Bürgermeisterkandidaten im Porträt: Matthias Stappert

Von alten Steinen und neuen Wegen

+
„Ich genieße Orte mit historischer Bedeutung und schönen Aussichten“: Matthias Stappert wählte als einen seiner Vöhler Lieblingsorte die Itterburg.Foto: Theresa Demski

Vöhl - Wenn es um Rathäuser geht, dann sind sie ein bisschen wie seine zweite Heimat - denn seit seiner Ausbildung arbeitet Matthias Stappert in der Verwaltung. Am 9. Juni bewirbt er sich um den Chefposten im Vöhler Rathaus. WLZ-FZ trafen sich mit ihm an einem seiner liebsten Vöhler Orte: der Itterburg.

Als Matthias Stappert die letzte flache Stufe zu den alten Mauern der Burgruine hinaufsteigt, da nimmt er sich einen Augenblick Zeit. Er blickt in die Ferne über die Bundesstraße, die dunklen Wälder und kehrt dann zu den alten Steinen zurück. „Orte wie diese haben mir schon immer gefallen“, sagt er, „schon damals, als ich noch ein Kind war“. Es sei die historische Bedeutung, die ihn berühre. Die Erinnerung an Menschen, die lange vor ihm selbst an diesen Orten gelebt und gearbeitet haben. „Alte Burgen und Häuser haben einfach diese Anziehung auf mich“, sagt er, „und dieser Ausblick“.

„Eine Herausforderung“

Dann gibt es an diesem besonderen Ort, hoch über den Dächern von Thalitter, aber auch einen anderen Gedanken, der sich für Matthias Stappert (44) noch frischer anfühlt, als die vertrauten Gedanken seiner Kindheit. „Die Itterburg ist ein Symbol für diese Gemeinde“, sagt er und setzt sich auf die niedrige Mauer. Und in dieser Gemeinde möchte er nun Bürgermeister werden. „Das ist eine Herausforderung“, sagt er, „denn ich lerne neue Menschen und eine neue Umgebung kennen“. Und doch: Fremd seien ihm die Vöhler nicht mehr. Er sei schnell ins Gespräch gekommen mit den Menschen, habe in ihnen ein Temperament entdeckt, das ihm selbst nicht fremd sei. Und er freut sich über das Interesse, die Fragen und die Offenheit, mit der ihm die Menschen begegnen.

Fremd ist ihm auch das Leben auf dem Land nicht. Aufgewachsen ist er in Altenbüren, einem 1200-Seelen-Dorf, das zu Brilon gehört. „Das Elternhaus meines Vaters stand gleich nebenan, wir spielten auf der Straße und den größten Teil meiner Kindheit habe ich draußen verbracht“, sagt er schmunzelnd. Gute Erinnerungen seien das, geprägt von Freiheit und Freundschaft.

„Spaß, an dem was ich tue“

„Mein Onkel war Landwirt“, erzählt er dann und erinnert sich mit leuchtenden Augen, „für uns Kinder war es toll, auf dem Hof zu spielen“. Und dort lernte er auch, für sich selbst verantwortlich zu sein. „Das hat mich wohl geprägt“, sagt er. Wenn es dunkel oder Winter wurde, dann griff Matthias Stappert zu Büchern. „Alles, was die Bücherei der Kirchengemeinde hergegeben hat, habe ich gelesen“, erzählt er.

Als sich nach dem Wehrdienst die Frage nach der beruflichen Zukunft stellte, da zögerte er. „Mir ging es wie so vielen jungen Menschen, die nicht so genau wissen, wie es weitergehen soll“, erinnert er sich.

Ein bisschen Zufall, aber wohl auch Veranlagung ließen ihn dann die Beamtenlaufbahn einschlagen. Er trat eine Ausbildung im gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst bei der Gemeinde Bestwig an und studierte an der Fachhochschule, um Diplom-Verwaltungswirt zu werden. Danach blieb er in Bestwig und entschied sich später für ein berufsbegleitendes Abendstudium der Betriebswirtschaft. Seit 2001 ist Matthias Stappert stellvertretender Bürgermeister in Hallenberg. „Ich bin gar nicht der Karrieretyp“, sagt er, „ich hatte einfach immer Spaß, an dem, was ich tat“. In eine Partei trat er nie ein. Dann kamen die Vertreter von CDU, FDP, FWG und BI Grüne Liste aus Vöhl auf ihn zu und fragten, ob er Bürgermeisterkandidat werden wolle. Er sagte zu.

Eigene Grenzen spüren

Angst vor Herausforderungen hat Matthias Stappert nicht - zuweilen sucht er sie sogar. „Früher habe ich Ausdauersport gemacht“, erzählt er. Gleich zwei Mal hat er sich wandernd an die 100 Kilometer-Strecke gewagt. „Das war ein Höllenmarsch“, sagt er lächelnd, „aber dass ich ihn beim ersten Mal geschafft habe, hätte Zufall sein können“. Also wiederholte er den Marsch - wieder mit Erfolg. „Es ist der Reiz, die eigenen Grenzen zu spüren“, erzählt er. Und seit damals kennt er diese Grenzen und die Frage, ob er der Herausforderung gewachsen ist. Und er weiß auch: „Ich bin optimistisch und zäh“.

Heute hat er den Sport ins Studio verlegt und kann sich auch an einem sonnigen Wochenende auf dem Balkon mit Ehefrau Birgit und Stiefsohn Julian freuen. „Oder mit einem guten Buch“, sagt er dann. Und würde er diesen Balkon verlassen, wenn er gewählt würde? „Dann wäre mein Platz hier in der Gemeinde“, sagt er, „und dann würde ich auch in Vöhl leben“.

Wahlforum

Tourismus, Demografischer Wandel, das Rathaus oder das wirtschaftliche Leben in Vöhl: Viele Themen beschäftigen die Menschen in der Großgemeinde. Wie aber stehen Bianca Steinkamp, Matthias Stappert und Volker König zu diesen Themen?

Wir wollen es gemeinsam mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, herausfinden: Am 8. Mai laden die Waldeckische Landeszeitung und die Frankenberger Zeitung um 19.30 Uhr zum Wahlforum in die Henkelhalle ein. (resa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare