SPD will das Millionenprojekt breiter diskutieren und bringt weiteren Entwurf ins Spiel

Alternativen zum Rathausplan

+
Ansicht von der Lengefelder Straße: Im Entwurf von Hartmut Potthoff bleibt der Betonanbau im Kern erhalten, wird aber komplett neu gestaltet. Der Kopfbau erhält ein Walmdach, zum historischen Rathaus entsteht ein Glastrakt.Zeichnungen: Potthoff

Korbach - In die Rathauspläne der Hansestadt kommen neue Gedanken. Die SPD bringt einen Entwurf des Korbacher Architekten Hartmut Potthoff in die Debatte. Entscheidende Frage: Abriss des Betonbaus oder das vorhandene Betonskelett gründlich neu aufbauen?

Bauamtsleiter Stefan Bublak landete im September 2014 einen Volltreffer. Nach zehn Jahren endloser Debatten um bröckelnden Beton skizzierte Bublak einen völlig neuen Weg zum Rathaus der Zukunft.

Drei Architekturbüros hatten sich im Auftrag der Stadt bereits 2007 mit Entwürfen zum Rathaus befasst. Doch diese Pläne konzentrierten sich weitgehend auf eine Sanierung an Ort und Stelle. Bublak hingegen dachte quer, zog benachbarte städtische Gebäude mit ins Konzept - um damit Platz zu schaffen, den bröselnden 45 Jahre alten Betonbau komplett abzureißen. Dies eröffnete zugleich Raum für einen deutlich größeren und schöneren Vorplatz am Rathaus.

Eckpunkte in Bublaks Entwurf: Der Betonanbau von 1970 kommt weg, stattdessen werden das Fachwerkgebäude in der Kümmell-Straße 9 (Kunstladen artur) und die Stadtwache in der Stechbahn bürotauglich umgebaut. Zwischen dem historischen gotischen Rathaus und der Stadtwache entsteht ein schlanker Neubau. Hinzu kommt ein gläserner schmaler Anbau Richtung Prof.-Kümmell-Straße, in dem auch der künftige Sitzungssaal untergebracht werden kann.

Entwurf des Bauamts:Alt und Neu verknüpfen

Bublaks „Machbarkeitsstudie“ stieß im Parlament auf gute Resonanz. Allerdings forderten SPD, aber auch FDP und FWG am Jahresende weitere Alternativen. Zumal der in Etappen geplante Rathausumbau sich auf rund zwölf Millionen Euro summiert.

Auf Bitten der SPD hat der Korbacher Architekt Hartmut Potthoff nunmehr seine überarbeiteten Pläne gezeigt. Potthoff war mit einem ersten Entwurf bereits 2007 im Auftrag der Stadt dabei.

„Wir möchten den Entwurf des Bauamts nicht schon in Stein gemeißelt wissen“, begründet SPD-Fraktionschef Henrik Ludwig den Vorstoß: „Wir wollen versuchen, ein Forum zu schaffen, bei dem die Bürger mitdiskutieren können.“ Und dazu reicht nach Ansicht der SPD ein einziger Entwurf nicht aus, fügt Ludwigs Fraktionskollege Helmut Schmidt an. Eine Alternative bringt die SPD nunmehr mit Potthoffs Konzept ins Spiel.

Beide Entwürfe verbinden historische Bausubstanz mit moderner Architektur zwischen Kümmell-Straße und Stechbahn. In beiden wird der Rathausplatz ohne Betonwände und Blumenkübel neu gestaltet. Beide sehen zugleich den Abriss des Gebäudes in der Kümmell-Straße 11 (frühere Galerie Reinhardt) vor. Das wiederum schafft Raum für mehr Parkplätze und Durchfahrt.

Entwurf Potthoff: Bauskelett erhalten und neu aufbauen

Nach Potthoffs Konzept würden allerdings rund drei Viertel des Betonanbaus um das historische Rathaus erhalten bleiben - zumindest das Skelett.

Eckpunkte in Potthoffs Entwurf: Der Betonbau wird komplett entkernt, erhält eine zeitgemäße Aufteilung ohne Großraumbüros und mehr Fenster für Tageslicht. Von außen wird der Betonbau komplett neu verkleidet.

Der Kopfbau zur Kümmell-Straße wird zum neuen Eingangsgebäude und erhält ein Walmdach mit Gauben. Im ersten Stock liegt darunter weiterhin der Sitzungssaal.

Betonbau und gotisches Rathaus werden nebenan mit einem neuen gläsernen Trakt verbunden, der sich auch für Ausstellungen nutzen ließe. Nach hinten zur Stechbahn, zwischen dem gotischen Gebäude und der Stadtwache würde ein Teil des Betonbaus bis zur Straße vorgezogen.

Die Gesamtkosten beziffert Potthoff auf unter zehn Millionen Euro. Doch ist in diesem Konzept der schon 2015 geplante Umbau des Fachwerkhauses in der Kümmell-Straße 9 nicht enthalten.

Fazit der SPD: „Wir möchten damit einen Diskussionsanstoß geben“, erklären Ludwig und Schmidt. Dazu gehört für Ludwig ebenso ein Personalentwicklungskonzept der Stadtverwaltung, um auch den Raumbedarf im Rathaus der Zukunft exakter zu ermitteln.

Von Jörg Kleine

Weitere Zeichnungen sehen Sie in der gedruckten Ausgabe der WLZ oder im E-Paper.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare