Kleidercontainer des DRK finanzieren soziale Projekte

Mit Altkleidern wirklich helfen

Persönliche Annahme und Weitergabe von Altkleidern: Inge Müller, Eugenie Mund und Waltraud Schürmann kümmern sich um die DRK-Kleiderkammer. Foto: Wilhelm Figge

Korbach - Das Deutsche Rote Kreuz mahnt zur Vorsicht bei Altkleidercontainern: Die Falschen könnten profitieren. Für Kleidung in gutem Zustand gebe es zudem bessere Orte.

Wenn das Winterende naht, räumen viele Menschen ihren Kleiderschrank auf. Der Gedanke, die aussortierten Stücke in einen Altkleidercontainer zu werfen und so auch noch etwas Gutes zu tun, liegt nahe. „Doch vielen Menschen ist es egal, in welchen Container sie ihre Sachen werfen“, erklärt Bernd Fischer, der für die Sammelbehälter des DRK-Kreisverbandes Korbach-Bad Arolsen zuständig ist. „Das ist für Hilfsorganisationen ein echtes Problem.“

Denn während zahlreiche Sammelbehälter rein kommerziellen Zwecken dienen, finanzieren Organisationen wie DRK, Diakonie oder Arbeitersamariterbund sowie einige Kirchengemeinden durch den Verkauf von Spenden ihre sozialen Projekte. In den 50 Containern des DRK-Kreisverbandes landeten 2012 gut 220 Tonnen Altkleider, rund 70 davon in den zehn Behältern in Korbach. Der Großteil der Spenden geht an Verwerter, die sie besonders nach Afrika weiterverkaufen. Die nicht mehr verwendbare Ware landet in der Wiederverwertung.

Das Geschäft mit den Containern wird indes für Hilfsorganisationen nicht einfacher: Neben wachsender Konkurrenz entdecken auch Kommunen den Kleiderhandel für sich. In Waldeck-Frankenberg sammelt nach DRK-Angaben bisher keine Gemeinde selber Altkleider. Die Stadt Korbach hat allerdings die bisher kostenlosen Containerstellplätze ausgeschrieben, die Entscheidung fällt im April.Bernd Fischer befürchtet, Hilfsorganisationen wie das DRK könnten mit kommerziellen Anbietern nicht mithalten.

Anders sieht die Lage bei persönlichen, meist höherwertigen Kleiderspenden aus. Der DRK-Kreisverband unterhält eine Kleiderkammer und einen Kleiderladen, die ehrenamtlich geführt werden. Beide beziehen den Großteil ihres Angebots aus direkten Spenden. „Als wir mit dem Laden angefangen haben, haben wir noch die Container ausgeräumt“, erklärt In­grid Deutsch, als Leiterin der Sozialarbeit im Kreisverband für das Secondhandgeschäft zuständig, „mittlerweile werden täglich säckeweise Spenden gebracht“. Auch die Kleiderkammer hole sich nur in Ausnahmefällen Stücke aus den Containern, erklärt Inge Müller, die das Angebot jahrelang betreut hat. Wenn die Kleiderkammer am ersten und dritten Montag des Monats geöffnet hat, reichen Spender Säcke voller Kleidung herein.

Bernd Fischer schätzt den Umfang der Spenden an die beiden Einrichtungen auf rund 20 Tonnen im Jahr. Im Kleiderladen werden sie für wenig Geld verkauft, in der Kleiderkammer gibt es sie umsonst oder für Beträge von 50 Cent oder einem Euro. „Dann haben die Empfänger nicht das Gefühl, die Kleider wären Almosen“, erklärt Inge Müller. Bernd Fischer schätzt, dass der Kleiderladen täglich 40 bis 50 Kunden hat und die Kleiderkammer an ihren Öffnungstagen über 30 Menschen anzieht.

Als untragbar aussortieren müssen die Mitarbeiter bei beiden Einrichtungen nur sehr wenig. Und auch scheinbar stark verschmutzte Stücke versuchen die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen in der Kleiderkammer zu retten. Was niemand mehr tragen kann, geht weiter in die Container und somit in die Wiederverwertung.

Mit den guten Kleiderspenden unterstützt das DRK auch die Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg. Insbesondere in die Ukraine fahren die Hilfstransporte. Die Kleiderkammer steuert im Jahr knapp 200 Pakete bei, auch aus dem Kleiderladen kommt ein Beitrag. Das Geschäft beteiligt sich auch an Hilfsaktionen in entfernteren Ländern oder vor Ort, etwa nach Bränden, die Familien den gesamten Hausrat kosten.

Das DRK appelliert an Spendenwillige, nur seriösen und bekannten Organisationen Altkleider anzuvertrauen. Fischer: „So können sie sicher sein, dass ihre Spende sinnvoll eingesetzt wird und sich nicht nur irgendjemand daran bereichert.“ Von Wilhelm Figge Sonderseite zum Thema Altkleider in den Samstagsausgaben von WLZ-FZ. Von Wilhelm Figge

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