Helmscheider Küsterin Erika Pohlmann nimmt nach 35 Jahren Abschied von ihrem Amt

„Auf die Kleinigkeiten kommt es an“

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Seit 35 Jahren ist Erika Pohlmann Küsterin der kleinen Dorfkirche in Helmscheid – tatkräftig unterstützt von ihrem Mann Karl. Im Silvester-Gottesdienst wird sie verabschiedet.

Korbach-Helmscheid - Der gute Geist in Helmscheids Dorfkirche: Nach 35 Jahren verabschiedet die evangelische Kirchengemeinde am Montag ihre Küsterin Erika Pohlmann.

„Das ist Omas Kirche.“ Für ihre Enkel ist die Sache glasklar. Und auch für viele Helmscheider gehören Erika Pohlmann (74) und die winzige Dorfkapelle untrennbar zusammen: Seit 35 Jahren ist sie als Küsterin der gute Geist in Helmscheids „sakralem Wohnzimmer“ - tatkräftig unterstützt von ihrem Mann Karl.

Entscheidende Kleinigkeiten

„Man muss das mit Liebe machen. Es kommt auf die Kleinigkeiten an“, plaudert Pohlmann aus dem Nähkästchen: Zum Beispiel, dass die Bibel auf dem Altar zum Gottesdienst an der richtigen Stelle mit dem Evangeliumstext des Tages aufgeschlagen ist. Oder dass der Blumenschmuck zum Anlass passt: Dornenbüsche am Karfreitag, Osterglocken zu - natürlich - Ostern oder weiße Blumen am Totensonntag.

Die Blütenpracht stammt übrigens überwiegend aus Pohlmanns Garten: „Im Frühjahr säen wir extra an“, sagt die Küsterin. Ums Handwerkliche kümmert sich meist ihr Mann. Eine Aufgabe, die auch überraschende Herausforderungen birgt: Vor Jahren hatten einige nicht mehr ganz so junge Lausbuben in der Walpurgisnacht die Kirchentür bis oben hin zugemauert. „Und am nächsten Tag war Gottesdienst“, erinnert sich Karl Pohlmann, der das Problem schließlich mit hochgekrempelten Ärmeln löste.

Mit einer fast beiläufigen Frage begann Erika Pohlmanns Küster-Karriere 1977: „Kannst du das mal machen?“, erkundigte sich der damalige Kirchenvorsteher Fritz Saure bei einem Sängerfest auf dem Weg zum Ehrenmal. Aus dem „mal“ wurden 35 Jahre, zunächst als Vertretung, ab Januar 1978 trat sie dann offiziell in die Fußstapfen ihrer Vorgängerin Lina Jochem.

Das Amt liegt ihr durchaus im Blut: Schon ihr Vater war in Wirmighausen Küster, später übernahm ihre Nichte die Aufgabe. Auch in Helmscheid war das Küsteramt Familiensache: Wenn Not am Mann war, packten auch Erika Pohlmanns Töchter mit an.

Schwerer Abschied

Zwar würde sie gerne noch ein paar Jahre dranhängen, weil aber die Gesundheit nicht mitspielt, hört die 74-Jährige zum Jahresende auf - schweren Herzens. Akrobatische Kunststücke auf der Leiter, um Fenster zu putzen oder Glühbirnen zu wechseln, sind einfach nicht mehr drin. Und auch das Putzen auf den Knien, um auch unter den Kirchenbänken alles blitzblank zu bekommen, geht nicht mehr. Wer ihr Nachfolger wird, das ist bislang noch nicht geregelt.

Im Silvester-Gottesdienst (mit Abendmahl) am Montag um 16.30 Uhr in der Helmscheider Kirche wird Erika Pohlmann von der Gemeinde verabschiedet.

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