30 Jahre „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ in Korbach · Christa Ohm freut sich über Landesehrenbrief

Auffangen, informieren und begleiten

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Als sie den Landesehrenbrief bekommt, freut sich Christa Ohm (Mitte) über die Glückwünsche von (v. l.) Dr. Reinhard Kubat, Ursula Nordmeier, Marianne Brandt und Günter Schlund.Foto: Volkenrath

Korbach - "Nach der schlimmsten Diagnose, die ein Mensch bekommen kann, geben Sie Hoffnung und sind Vorbilder": Die Worte, die Landrat Dr. Reinhard Kubat am Samstag bei der Feier zum 30-jährigen Bestehen der Korbacher „Frauenselbsthilfe nach Krebs“ wählt, gelten für alle Gruppenmitglieder, aber allen voran für Christa Ohm.

„Sie haben Ihr Schicksal angenommen und gelernt, damit zu leben“, betont Kubat bei der Feierstunde im Hotel Tourik. Damit aber nicht genug: „Seit 30 Jahren zeigen Sie Betroffenen und Angehörigen, dass die Krebsdiagnose nicht das Ende, sondern der Anfang eines neuen Lebens ist“, würdigt der Landrat die „unbezahlbare Arbeit“ der Selbsthilfegruppe.

„Sie schaffen Lebensqualität“, schließt sich Korbachs Stadtrat Günter Schlund an. „Die Gruppe dokumentiert den Nutzen des Selbsthilfe-Gedankens, ist ein Musterbeispiel für soziales Bürgerengagement und eine Bereicherung für Korbach“, gratuliert Schlund zum runden Geburtstag und wünscht, dass die Damen weiterhin so aktiv bleiben.

„Wenn wir über die Frauenselbsthilfe nach Krebs sprechen, kommen wir an einer Persönlichkeit nicht vorbei“, blickt Kubat lächelnd zu Christa Ohm, denn er hat neben seinen Glückwünschen auch noch eine Überraschung im Gepäck. Die Korbacherin, die 30 Jahre lang an der Spitze der Gruppe stand und nun stellvertretende Leiterin ist, erhält für ihre „Verdienste um das Gemeinwesen“ den Ehrenbrief des Landes Hessen.

Fast sprachlos nimmt Christa Ohm Urkunde und Ehrennadel entgegen. Ihre Mitstreiterinnen hatten die Ehrung ohne ihr Wissen beantragt. „Du bist einfach ein Vorbild für uns alle“, betont Ohms Stellvertreterin Marianne Brandt und überreicht ein kleines Dankeschön. Präsente verteilt sie auch an Gründungsmitglied Irmgard Fischer und Kassiererin Ursula Nordmeier. Ebenso wie über den Ehrenbrief freut sich Christa Ohm an diesem Tag über die Geburtstagsgäste aus nah und fern: Neben den Gruppenmitgliedern sind Vertreterinnen des Bundesverbands „Frauenselbsthilfe nach Krebs“, der befreundeten Gruppen aus Bad Arolsen, Kassel und Eschwege sowie des Arbeitskreises „Korbacher Selbsthilfegruppen“ dabei.

Zusammen mit Christa Ohm blicken alle auf die Geschichte des Bundesverbands (siehe Hintergrund) und der Korbacher Gruppe zurück: „Eine Anzeige in der Waldeckischen Landeszeitung 1982 ist der Anlass, warum für heute unser 30-jähriges Bestehen feiern können“, berichtet Christa Ohm. Gisela Stolz aus Höringhausen habe auf diesem Weg an Brustkrebs erkrankte Frauen zur Gründung einer Selbsthilfegruppe gesucht.

Fünf Frauen finden sich und schließen sich wenig später dem Landesverband an. Sie treffen sich alle vier Wochen und bilden sich darüber hinaus intensiv weiter, um Grundwissen für die Beratungsarbeit zu erlangen. Als Gisela Stolz kurze Zeit später stirbt, übernimmt Christa Ohm die Gruppenleitung. 20 Jahre lang steht ihr Hildegard Käding zur Seite, auf die Marianne Brandt folgt. Für die Finanzen zeichnet seit 15 Jahren Ursula Nordmeier verantwortlich. Inzwischen leitet Inge Rodenbeck, die wegen eines Krankenhausaufenthalts bei der Feier am Samstag fehlt, die Gruppe. Christa Ohm unterstützt sie.

Unter dem Motto „Auffangen, informieren, begleiten“ betreut das ehrenamtliche Team Krebspatienten und Angehörige rund um Korbach. Auf rund 200 Personen schätzt Christa Ohm die Zahl derer, die in den vergangenen 30 Jahren die kostenlose, mit Spenden finanzierte Hilfe in Anspruch genommen haben. Seit 2008 gehört die Gruppe zum Arbeitskreis „Korbacher Selbsthilfegruppen“, der ein Büro im Stadtkrankenhaus nutzt. Interessierte können sich viermal pro Woche von 9 bis 11 Uhr am Empfang melden und das Gespräch mit Arbeitskreismitgliedern suchen. Christa Ohm steht mittwochs Rede und Antwort.

„Frauenselbsthilfe nach Krebs“ heißt es jeden zweiten Donnerstag im Monat um 14.30 Uhr im Gruppenraum der Kilianskirche. Fachvorträge und Geselligkeit stehen im Mittelpunkt.

Schöne und schwere Jahre

„Wir blicken auf 30 schöne, interessante, aber auch schwere Jahre zurück, in denen Freundschaften entstanden sind, wir uns aber auch von vielen lieb gewonnenen Frauen verabschieden mussten“, resümiert Christa Ohm zum Ausklang der Feierstunde.

Nach dem Mittagessen unterhalten zwei Drehorgelspieler sowie die Jazztanzgruppe des TSV Korbach die Damen. „Männer tun sich schwer damit, in eine Selbsthilfegruppe zu kommen“, erklärt Christa Ohm die Frauenrunde. In ihrer Gruppe werde aber jedem geholfen, ruft sie auf, die Hilfe zur Selbsthilfe nicht zu scheuen.

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