Schüler aus Korbach und Bad Arolsen reagieren auf rechtspopulistische Aufkleber mit stillem Protest

„Aufstehen gegen Fremdenhass“

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„Wir gemeinsam gegen Rassismus“: Während die Schüler der Rauch-Schule in Bad Arolsen mit einem großen Plakat gegen die fremdenfeindliche Botschaft der Aufkleber protestierten, entschieden sich die Studenten des Fröbelseminars für eine künstlerische Darstellung in der Fußgängerzone.Fotos: Schulten/Demski

Korbach/Bad Arolsen - Im Schutz der Dunkelheit klebten Unbekannte Mittwochnacht Aufkleber mit fremdenfeindlichen Parolen auf Wände von Schulen und auf das WLZ-Verlagsgebäude. Schüler aus Korbach und Bad Arolsen reagierten prompt: MIt Protestaktionen standen sie gegen Rassismus auf.

Der Protest war still aber eindeutig. Bereits Donnerstagvormittag platzierten die Jugendlichen der Rauch-Schule in Arolsen ihre deutliche Botschaft: „Wir gemeinsam gegen Rassismus“. Damit reagierten die Schüler auf jene Aufkleber, die sie am Montag an den Schultüren empfangen hatten - in Arolsen ebenso wie in Bad Wildungen, Frankenberg und Korbach. Fremdenfeindliche Parolen einer rechtspopulistischen, österreichischen Gruppe warnten vor „Masseneinwanderung“ und „Asylwahn“.

Staatsanwaltschaft überprüft Aufkleber

„An einigen weiterführenden Schulen in allen vier Mittelzentren klebten Unbekannte in der Zeit ab Mittwochabend in einer gezielten Aktion viele Aufkleber an Fenster und Türen“, bestätigte auch die Polizei. Die Aufkleber seien zumeist vor Eintreffen der Schüler von den Hausmeistern am Donnerstagmorgen entfernt worden.

Auch das Verlagsgebäude der Waldeckischen Landeszeitung war zum Ziel der Unbekannten geworden. „Wir haben die Aufkleber sichergestellt, die Inhalte werden jetzt der Staatsanwaltschaft zur rechtlichen Bewertung vorgelegt“, erklärt Volker König von der Polizei. Außerdem würden Zeugen gesucht.

Zeugen für Gleichberechtigung und Weltoffenheit wurden unterdessen Donnerstagmorgen die Schüler: Neben der eindrücklichen Aktion der Arolser, reagierten auch die Studenten des Fröbel-Seminars in Korbach spontan: Der Kurs „Darstellendes Spiel, Tanz und Musik“ von Claudia Alexi machte sich auf den Weg in die Fußgängerzone - mit Zeitungen und Sonnenbrillen ausgerüstet. Dort hielten sie minutenlang inne, riefen dann gemeinsam „Meinungsfreiheit“ und zogen zur Wiederholung ihrer Aktion weiter. „Wir wollten ein Zeichen setzen“, betont Student Patrick Schwarz, „gegen Fremdenfeindlichkeit.“ Die Aufkleber am Schulgebäude hätten sie schockiert. „Wir wollten uns unserer Angst stellen“, sagt Schwarz, „und aufstehen für Offenheit und Gleichberechtigung der Religionen“. Das Thema Fremdenfeindlichkeit sei plötzlich nicht mehr weit weg. Und weil die jungen Erwachsenen die Vielfalt der verschiedenen Nationen auch am eigenen Lehrinstitut so schätzen würden, hätten sie Solidarität zeigen wollen.

„Ich dachte immer, ich sei hier in Korbach sicher“, erzählt eine Schülerin mit libanesischen Wurzeln, „und jetzt habe ich Angst“. Das aber wollen ihre Mitschüler nicht zulassen und wollen deswegen, aufmerksam bleiben und genau hinsehen: „Jeder ist normal“, sagt Patrick Schwarz, „egal welche Religion oder Sexualität er hat. Dadurch schädigt er doch nicht die Gesellschaft. Jeder darf also sein wie er will. Und es gibt kein Recht, darauf mit Gewalt zu reagieren“. Und so wurde der Tag, der an den Schulen mit kleinen, schwarz-weiß-gelben Aufklebern begonnen hatte, am Ende zu einem deutlichen Zeichen für Solidarität und gegen Fremdenhass.

Von Theresa Demski

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